Tierärzte-Pool: Tierschutz am Limit.

Tierschutz an der Wurzel

Was bedeutet Tierschutz? Sind nur groß angelegte Rettungsaktionen wie das Befreien von Legebatterie-Hühnern oder Tieren aus schlechter Haltung hilfreich? In der Realität geschieht nachhaltige Hilfe meistens da, wo die Medien nicht hinschauen: Auf Tierheimen an Müllkippen in den Karpaten, im Erdgeschoss eines ärmlichen Hauses auf den Kapverden oder im städtischen Tierheim auf Teneriffa.

 

Hier wirken die Tierärzte vom Tierärzte-Pool. Sie haben durch große Widerstände auf der griechischen Insel Kreta, wo ihr Ursprung liegt, ein ganz eigenes Konzept entwickelt. Sie setzen auf eine Bekämpfung der Ursachen: Eine Einstellung der Menschen, die „tierschutzmäßig jenseits von Gut und Böse“ ist, Behörden, die sich Tierschutz-Aktionen nur selten öffnen sowie eine unkontrollierbare Vermehrung von Straßenhunden.
So entstand auf  Basis der Arbeit des Fördervereins Arche Noah Kreta e.V. der Tierärztepool. Mittlerweile hat die Organisation sogar den Dritten Platz der Auszeichnung „Goldene Pfote“ für hervorragende Tierschutzprojekte der größten Europäischen Tierschutzorganisation TASSO erhalten.

 

„Es ist wie ein Sandhaufen, der mit einem Teelöffel abzutragen ist"

 

Der Mittelpunkt der Arbeit, die von auf Chirurgie spezialisierten Veterinären erbracht wird, ist die Kastration und Impfung von Tieren in ausländischen Tierheimen. Was hier zählt, ist Professionalität und Improvisationsvermögen, denn oft mangelt es an Vielem. Strom-Generatoren fallen aus oder „Tierpfleger“ wissen nicht einmal etwas über Hundefütterung. Behörden stellen sich quer oder geradezu militante Gruppierungen versuchen, die Arbeit der Helfer zu sabotieren.

 

Tierärzte arbeiten an der Grenze ihrer Belastbarkeit

 

Hunde müssen eingeschläfert werden, weil sie durch andauernde Gabe von Hunde-Knochen innerlich verwesen. Solchen unpopulären Entscheidungen versuchen die Tierärzte mit professioneller Distanz zu begegnen. Doch das gelingt oft nicht: Den Zustand der Ärzte nach einer unerwarteten Euthanasie auf dem OP-Tisch beschreibt Thomas Busch, Leiter des Veterinär-Teams, so: „Gefühle gegen eine solide medizinische Entscheidung versuchen wir (…) zu unterdrücken und fahren mit einem geschwollenen Hals in unsere Pension.“

 

Die Tierärzte sind Meister der Improvisation

 

Das Team vom Tierärzte-Pool hat aufgrund dieser Umstände den größten Teil der benötigten Ausrüstung selbst dabei. Thomas Busch braucht zudem hochgradig professionelle und bestens ausgebildete Tierärzte. Er muss oft bei den Einsätzen Hunderte von Kastrationen bewältigen. Um dafür die besten Chirurgen anheuern zu können, hat er von einer Vereinsgründung abgesehen und sieht sich und seine Tierärzte eher als „Dienstleistungs-Pool“. Das bedeutet, im Ausland vor Ort agierende Tierschutz-Vereinigungen rufen den Pool lediglich für die benötigten Kastrationen zu Hilfe und die Ärzte werden für ihre Leistung im Rahmen des Möglichen bezahlt. Dafür kann die fordernde Stelle aber mit einer guten, professionellen Arbeit rechnen.
So waren Busch und seine Operateure bereits mehrfach in Rumänien, auf den Kapverden, in Portugal und Teneriffa aktiv. Ihre Arbeit in Griechenland mussten sie aufgrund der unkooperativen Behörden aufgeben.

 

Tierschutz mit anderen Augen sehen

 

Vielen fällt es schwer, diese Arbeit auf Anhieb der Sparte „Tierschutz“ zuzuordnen. Dabei sollte der Zweifler aber nicht vergessen, dass Bilder und Berichte von armen, leidenden Tieren, die Spenden benötigen, schnell publiziert sind.
Gute, fachkundige Hilfe vor Ort hingegen ist langwierig und nicht sehr Medien-affin.

 

Sie appelliert an das Vorstellungsvermögen des Unbeteiligten. (gd)

 

Wer helfen will, findet hier notwendige Daten:

Unterstützung für den Tierärzte-Pool

 

 

Weitere Artikel zum Thema Tierschutz: