Stadthunde.com sprach mit Prinzessin Maja von Hohenzollern über die aktuelle Lage in der Ukraine. Hier ist Teil 2 des Interviews:
Stadthunde.com: Der ETN e.V. hat sich von Anfang an für die Straßenhunde in der Ukraine eingesetzt. Welche konkreten Maßnahmen fordert der ETN, um eine tierschutzgerechte Lösung zu gewährleisten – kurz-, mittel- und langfristig?
Maja Prinzessin von Hohenzollern: Der ETN fordert die Einhaltung des Ukrainischen Tierschutzgesetzes (2006), dass die Tötung von Straßentieren verbietet und unter Strafe stellt. Wir fordern die Regierung zu „Neuter& Release“ Programmen (CNVR-Methode) auf, d.h. Sterilisieren und Freilassen der Tiere anstatt sie zu Töten. Das ist die einzige effektive, humane und legale Art und Weise die Population von Straßentieren zu dezimieren, dies ist in wissenschaftlichen Studien (WHO 1990) bewiesen worden. Durch konsequentes Sterilisieren kann die Population um das 8-fache nachhaltig reduziert werden.
Das barbarische Töten der Tiere hingegen stellt keine Lösung dar, die Zahl der Tiere wird dadurch nachweislich nicht dauerhaft minimiert. Der ETN bietet Soforthilfemaßnahmen an, wir möchten unser ETN-Tierärzte-Team in die Ukraine entsenden, um dort Sterilisationsmaßnahmen durchzuführen und um Ukrainische Tierärzte in neuesten OP-Methoden zu unterrichten, denn dort wird nach veralteten Methoden operiert. Wir bieten der Ukraine Beratung und konkrete Hilfe bei der Registrierung/Registrierungssystem von Straßentieren und bei der Konzeption von Tierheimen sowie von offenen Tierheimen an.
Wir halten auch die Aufklärung über Sterilisation für elementar wichtig, da es dagegen große Vorbehalte in der (männlichen) Bevölkerung gibt und viele denken, dass man die Rüden nicht ihres „höchsten Glückes“ berauben dürfe. Ein fataler Irrglaube einer altmodischen Machogesellschaft. Ebenso plädieren wir für die Einführung von Kindergartenprogrammen mit Tieren, damit wenigsten die nächsten Generationen mit einem anderen Verständnis für Tiere aufwachsen. Tierschutz fängt im Kopf an.
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Stadthunde.com: Das Schicksal der Straßenhunde in der Ukraine hat Menschen in ganz Deutschland bewegt. Was kann der einzelne Tierfreund tun, um den Hunden und Katzen in der Ukraine aktiv helfen zu können?
Maja Prinzessin von Hohenzollern: Die Tierfreunde, denen ich schon vorab für ihre Hilfe und Unterstützung danken möchte, können an Tierschutzvereine, die sie kennen, spenden; können Sachspenden (Futter, Leinen, Geschirre/Halsbänder, Boxen, Näpfe, Anti-Parasiten-Mittel, Schwermaschinen, Körbchen etc.) abgeben, ihre Hilfe als Pflegestelle oder als neues Zuhause für ein Tier anbieten etc.
Direkte Geldspenden in die Ukraine halten wir nicht für empfehlenswert. Sie können ihren Protest gegen den feigen Mord an Straßenhunden und-katzen auch durch Unterzeichnen von Petitionen kundtun und nicht zuletzt, kann man die Fußball EM einfach nicht anschauen, keine Fanartikel kaufen und somit auch klar machen, dass man Mord an unschuldigen Straßentieren für den Fußball nicht toleriert.
Stadthunde.com: Viele Tierschützer äußern die Befürchtung, dass Tierschutzkonzepte in der Ukraine nur kurzzeitig verfolgt werden könnten und Programme zur Verbesserung der Situation der Straßenhunde nach Ende der EM 2012 möglicherweise ausgesetzt werden. Was sagen Sie dazu?
Maja Prinzessin von Hohenzollern: Diese Befürchtung ist durchaus berechtigt. Die Ukraine versucht momentan auf Zeit zu spielen, Behörden und Regierung geben sich angesichts der riesigen Protestwelle kooperativ, aber konkrete Taten oder das Erteilen von Genehmigungen, damit Tierschutzorganisationen vor Ort tätig werden können, stehen noch aus und Behörden lassen sich mit dem Beantworten von Briefen sehr viel Zeit. Vielleicht versucht man so die Zeit bis zur EM zu überbrücken und hofft dann, dass das Interesse an den Tieren nachlässt. Zutrauen würde ich denen alles. Daher ist es wichtig, dass wir an dem Thema dranbleiben und den Druck aufrecht erhalten.
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Stadthunde.com: Für viele Hundeliebhaber in Deutschland fällt es schwer, die Beziehung der Menschen in der Ukraine zu Hunden im Allgemeinen und den Straßenhunden im Speziellen einzuschätzen. Wie würden Sie diese Beziehung beschreiben – und welche Möglichkeiten sehen Sie, den Tierschutzgedanken auch bei der breiten Bevölkerung zu fördern?
Maja Prinzessin von Hohenzollern: Die Menschen in der Ukraine haben keine Beziehung zu Hunden und Katzen, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Es gibt einige freiwillige Volontäre, die sich um die Straßenhunde in ihrem Bezirk kümmern und die aufopfernde Arbeit leisten, aber sie sehen sich auch vielen Anfeindungen und wenig Unterstützung ausgesetzt.
Wenn sich jemand in der Ukraine einen Hund kauft, dann muss er in eine Gucci-Tasche passen oder er liegt on Hof an der Kette. Es ist dort keineswegs so verbreitet einen Hund oder eine Katze zu besitzen, wie bei uns. Kindergarten- und Schulprogramme wären nötig, die Kindern einen Zugang zu Tieren vermitteln und ihr Verhalten gegenüber Tieren nachhaltig positiv verändern. Menschen mit Vorbildcharakter in der Ukraine, die sich für den Schutz von Tieren einsetzen, können ebenfalls viel bewegen. Im Ukrainischen TV gibt es keine Tiersendungen a-la „Herrchen gesucht“, so ein Format oder Reportagen über Hunde und Katzen, ihre tollen Fähigkeiten und liebenswerten Eigenschaften zeigen, könnten auch zu einem anderem Bild verhelfen.
Nicht zuletzt wäre es sehr hilfreich, wenn die katholisch/orthodoxe Kirche, also unser deutscher Papst endlich einmal Stellung für die Tiere beziehen würde. Da die kath./orth. Kirche aber meint, Tiere hätten keine Seele und im Katechismus steht, der Mensch solle Tiere nicht lieben, kein Geld für sie ausgeben und Tiere dienen ihm lediglich als Ressource für Kleidung und Nahrung und zudem Tierversuche befürwortet, ist von der Seite wohl kaum Hilfe zu erwarten. Dabei wurde der Papst schon so oft aufgefordert, Tiere als Teil der Schöpfung und mit Seele anzuerkennen, leider ohne Erfolg. Er könnte damit Millionen Tieren in katholisch/orthodoxen Ländern das Leben retten, wenn er wollte. Denn auffallender Weise wird mit Tieren in genau diesen Ländern besonders schlimm umgegangen. Vielleicht liegt es daran, dass Tiere keine Kirchensteuer zahlen.
Aus dem katholischen Katechismus:
Ratzinger, heute Papst, fordert darin, die Tiere als Ressourcen anzusehen.
2415:
Die Reserven der Bodenschätze und Tiere sind zum Wohl der Menschheit bestimmt.
2417:
«Somit darf man sich der Tiere zur Ernährung und zur Herstellung von Kleidern bedienen. Man darf sie zähmen, um sie dem Menschen bei der Arbeit und in der Freizeit dienstbar zu machen. Medizinische und wissenschaftliche Tierversuche sind in vernünftigen Grenzen sittlich zulässig, weil sie dazu beitragen, menschliches Leben zu heilen und zu retten.»
2418:
«Auch ist es unwürdig, für sie [die Tiere] Geld auszugeben, das in erster Linie menschliche Not lindern sollte. Man darf Tiere gern haben, soll ihnen aber nicht die Liebe zuwenden, die einzig Menschen gebührt.»
Stadthunde.com: Herzlichen Dank für das Gespräch! <<zurück
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