Maja Prinzessin von Hohenzollern ist Botschafterin des ETN e.V. und setzt sich seit vielen Jahren international für die Rechte und den Schutz von Tieren ein. Für die Straßenhunde in der Ukraine kämpft sie schon lange mit bewunderswertem Engagement und schier unerschöpflicher Energie. Stadthunde.com sprach mit Prinzessin Maja von Hohenzollern über die aktuelle Lage in der Ukraine.
Maja Prinzessin von Hohenzollern ist Botschafterin des ETN e.V. und setzt sich seit vielen Jahren international für die Rechte und den Schutz von Tieren ein. Sie kämpft besonders für die Abschaffung aller Tötungsstationen in Europa, auf der Ebene des EU-Parlaments für ein europaweites Tierschutzgesetz, welches das Töten von Straßentieren verbietet und dafür Sterilisationsprogramme vorsieht sowie für frühpädagogische Bildungsprogramme, die Kindern ein besseres Verständnis für Tiere vermitteln.
Außerdem setzt sie sich für die juristische Anerkennung von Tieren als „Lebewesen“ sowie der Anerkennung und schärferen Ahndung von Verbrechen an Tieren ein. Dafür reist sie in viele Krisengebiete, rettet aktiv Tiere, rüttelt wach, klärt auf und führt mit Regierungen Verhandlungen. Für ihre Engagement wurde Maja von Hohenzollern mit dem „Europäischen Tierschutzpreis (2009), der „Aachener Tierschutzmedaille“ (2010) und dem „Shining World Heroine Award“ (2011) ausgezeichnet. Die Prinzessin ist Vegetarierin und hat selbst 11 gerettete Hunden und drei gerettet Katzen von der Straße und aus Tötungsstationen.
„Tiere lieben uns auf eine einzigartige, ehrliche Weise, ohne jede Berechnung, egal ob wir arm, alt, hübsch, hässlich oder gehandicapt sind. Überlegen Sie, wie viele Freunde mit diesen Qualitäten Sie unter Menschen haben.“ (Maja von Hohenzollern)
Stadthunde.com-Interview mit Prinzessin Maja von Hohenzollern
Stadthunde.com: Sie haben in der Ukraine unlängst einen großen Teilerfolg für die Straßenhunde- und -Katzen erzielt – die Hundetötungen genießen keine politische Rückendeckung mehr. Welche konkreten Änderungen der Situation sind zu erwarten?
Maja Prinzessin von Hohenzollern: Es mir mit viel Kraftaufwand gelungen, auf dieses Verbrechen an Straßenhunden aufmerksam zu machen und so Druck auf die Ukraine auszuüben. Nun müssen Taten und Hilfsaktionen folgen, Tierschutzgesetze eingehalten werden. Von „Erfolg“ würde ich erst sprechen, wenn die Situation der Straßentiere in der Ukraine nachhaltig verbessert und kein Tier mehr getötet würde.
Auch dass die Tötungen keine politische Rückendeckung mehr genießen, würde ich nicht behaupten. Sie beziehen sich wahrscheinlich auf die Aussage des Ukrainischen Umweltministers, der am 16.11.2011 die Bürgermeister aufforderte die Tötung einzustellen. Aus dieser Aussage kann man zum einem entnehmen, dass er damit offiziell zugegeben hat, dass Tötungen stattgefunden haben. Zum anderen hat diese Aussage leider keine Bedeutung und ist als politische Schutzbehauptung zu werten, um die Wogen des Protests zu glätten.
Sicher „reiner Zufall“, dass er diese Aussage genau am dem Tag tätigte, wo wir mit dem ETN e.V. nach Kiew kamen, um offiziell bei dem verantwortlichen Bürgermeister und den Behörden sowie der UEFA gegen den Massenmord an unschuldigen Straßenhunden zu protestieren und dazu eine große Pressekonferenz bei der renommierten Presseagentur INTERFAX abhielten und parallel dazu die Ukrainische Botschaft in Berlin von Tierschützern bestreikt wurde…
Der Umweltminister hat seine Aussage nicht einmal mit einem Verweis auf das 2006 bestehen Tierschutzgesetz in der Ukraine untermauert, das das Töten von Straßentieren verbietet. Wir haben genügend Beweise dafür, dass auch nach dem 16.11.2011 das Töten der Straßenhunde fortgesetzt wurde und wird, um so mehr müssen wir für die Rettung und den Schutz der Straßentiere in der Ukraine kämpfen.
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Stadthunde.com: Neben Vitali Klitschko haben Sie nun auch einen weiteren, sehr einflussreichen Mitstreiter an Ihrer Seite: Rinat Achmetow. Was erhoffen Sie sich von der Zusammenarbeit?
Maja Prinzessin von Hohenzollern: Die meisten Menschen in der Ukraine haben nahezu keine Empathie für Hunde und Katzen und es werden kaum Straßenhunde- und katzen aus Tierheimen adoptiert. Es ist mir sehr wichtig auch im Land selbst gesellschaftliche Prozesse anzustoßen, um eine andere Kultur im Umgang mit Straßenhunden und-katzen zu implementieren. Die Hilfe kann nicht immer nur von außen kommen, das Lands selbst muss einen Reifeprozess erfahren.
Dazu sind Menschen mit Vorbildfunktion in der Ukraine wichtig, die sich klar gegen das Töten und für die Sterilisation von Straßentieren aussprechen. Vitali Klitschko und Rinat Akhmetov sind solche Menschen und ich hoffe, dass ihre Landsleute langsam beginnen, Tiere mit anderen zu sehen. Rinat Akhmetov möchte in Kooperation mit dem ETN e.V. ein Tierheim in Dontesk bauen, in dem nicht getötet sondern adoptiert wird.
Außerdem wollen wir unser ETN-Tierärzte-Team nach Donetsk senden, um ihm dort bei Sterilisationsmaßnahmen zu unterstützen und örtliche Tierärzte in modernen OP-Methoden zu unterrichten. Ich erhoffe mir zunächst, dass er sich an die gemachten Zusagen hält und dass wir schnellst möglich in DonetskHilfe leisten können. Derzeit warten wir noch auf die nötigen Genehmigungen.
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Stadthunde.com: Sie kommen gerade erst von einer Reise in die Ukraine zurück. Welche Eindrücke hat die aktuelle Reise bei Ihnen hinterlassen, und wie würden Sie die derzeitige Lage in der Ukraine beschreiben?
Maja Prinzessin von Hohenzollern: In der Ukraine gibt es ca. 250 000 Straßenhunde, die nach wie vor grausam, inhuman und illegal getötet werden. Dass die Hunde in fahrenden Krematorien lebendig verbrannt oder in Massengräbern teils lebend verschüttet wurden, hat mich zutiefst schockiert. Es gibt nur ein Monster auf der Welt und das heißt „Mensch“. Die Leute in der Ukraine haben, bis auf wenige Ausnahmen, fast keinen Bezug zu Hunden und Katzen und auch keine Empathie.
Es bestehen große Vorbehalte dagegen, einen Straßenhund zu adoptieren, die Menschen denken die Hunde seien Monster, aggressiv, krank und würden die Kinder schon zum Frühstück verspeisen. Das ist Ergebnis der Politik, die dieses Bild von aggressiven Straßenhunden, die angeblich Tausende Menschen anfallen, gezielt verbreitet hat, um den feigen Mord an den unschuldigen Tieren gegenüber der Bevölkerung zu legitimieren.
Gerne werden dazu Parolen, wie „ wir müssen Eure Kinder vor den Bestien“ schützen“ benutzt. Das die Politiker in Wahrheit an dem Mord an Straßenhunden extrem gut verdienen, dass verschwiegen sie natürlich. Defacto sind die meisten Straßenhunde sehr scheu, weil sie schlechte Erfahrung mit Menschen haben und nicht aggressiv. Man muss die Bevölkerung dafür sensibilisieren, dass es nicht die Schuld der Hunde ist, dass die auf der Straßen leben müssen, sondern die der Menschenm, die keine Verantwortung für sie übernommen haben.
Man muss noch viel Aufklärungsarbeit leisten und den Ukrainern klar machen, dass brutales Töten keine Lösung im Umgang mit Straßentieren ist. Ich fürchte es wird noch lange dauern, bis diese Menschen verstehen, dass Tiere wertvoll und ein Teil unserer Gesellschaft sind. Als ich vor laufender TV Kamera kürzlich einen Straßenhund auf den Arm nahm und in knuddelte und küsste, war das nahezu eine Revolution, die Bilder gingen überall in der Ukraine durch die Medien. Nur so kann man eine Lanze für die Tiere brechen, zeigen, dass die liebenswert sind.
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Stadthunde.com: Wie konnte es Ihrer Ansicht nach überhaupt dazu kommen, dass der Problematik der Straßenhunde im Vorfeld der EM 2012 mit einer so drastischen Vorgehensweise begegnet wurde?
Maja Prinzessin von Hohenzollern: Die Straßenhunde gibt es sicher schon immer in Ukraine, ein Ergebnis mangelnder Verantwortung der Menschen. Für die Fußball EM 2012 werden die Straßen nun intensiv „gesäubert“. Michel Platini soll bei einem Besuch in der Ukraine gesagt haben, dass ihn die Straßenhunde stören. Damit hat er zwar nicht gesagt, dass man die Hunde so grausam töten soll, aber die Städte sahen sich veranlasst das Problem zu lösen.
Dass ihnen dazu nur kaltblütiger Mord einfiel, spiegelt den geistigen Reifegrad der ukrainischen Gesellschaft wieder. Die Firma, die die fahrenden Krematorien verkauft, hat übrigens auch eine Homepage und erfreut sich großer Nachfrage. Ich hoffe, dass dieser Umgang mit Lebewesen auch bei der Diskussion um einen EU Beitritt der Ukraine bedacht wird.
Ich versuche den Menschen immer einen Spiegel vorzuhalten, um ihnen die Dimension ihres grausamen Handelns vor Augen zu führen. Ich frage beispielsweise, „wenn sie in der Ukraine alles euthanasieren was das Straßenbild stört, was dann außer mit den Straßenhunden mit den Bettlern, Kindern und Behinderten passiert, die sich ebenfalls auf der Straße befinden. Kommen die als nächstes dran?“ Das setzt zumindest bei einigen Denkprozesse in Bewegung.
Hier geht es weiter: Interview mit Prinzessin Maja von Hohenzollern Teil 2
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