"Ich brauche Tipps, Anregungen, Hilfe und Erfahrensberichte. Mein 4-jähriger Leonberger Rüde verhält sich sehr aggressiv. Ist er auf unserem Balkon, von der er Sicht auf die Straße hat, bellt er Alles und Jedes an und reiß fast den Balkon ab!
Liegt er auf dem Grundstück, an dem die Hauptstraße vorbeiführt, wiederholt sich dieses Verhalten. Große Magenschmerzen bereiten mir die täglichen Spaziergänge. Sieht er Passanten, Radfahrer, Jogger, andere Hunde etc. so fängt er stark zu atmen an. Danach knurrt er, die Explosion steht unmittelbar bevor. Er trägt ein Coregon Halsband und ein Halti. Zu Zeit löse ich dieses Problem, indem ich der Situation ausweiche. Dies darf aber wohl nicht "Der Weisheit letzter Schluss sein". Leonberger haben eine Lebenserwartung von 8 - 10 Jahren. Da diese Probleme schon seit ca. 2 Jahren bestehen, habe ich schon viele Euronen an so genannte Hundetrainer gezahlt, ohne Fortschritte zu erzielen!"
Rolf G. mit Leonberger Markus (4 Jahre alt)
Unsere Expertin: Nehmen Sie ihrem Hund die Aufgabe des Rudelführers!
Das Verhalten von Markus in Ihrem Garten und Haus ist ein sehr typisches Verhalten für die Rasse der Leonberger. Bei manchen ist es ausgeprägter, bei manchen einfach weniger. Markus ist ein territorialer Hund, der sein Territorium bewacht und auch verteidigt. Durch das Bellen verbellt er Passanten, Radfahrer, Jogger etc. Dadurch, dass er von Ihnen auch diese Plätze unbewusst zugeordnet bekommt, nimmt er seine Aufgabe natürlich sehr ernst. Ich gehe bei meiner Fernanalyse davon aus, dass Markus in den ersten wichtigen Monaten gut auf Menschen und Hunde sozialisiert wurde. Wäre dies nicht der Fall, würde es auch eine Änderung im Training bedeuten.
Auf Ihren Spaziergängen führt Markus sein Verhalten von zu Hause fort. Bitte stellen Sie sich vor, dass aus der Sicht von Markus seine Aufgabe in Ihrem „Familienrudel“ ist, das Rudel mit zu Hause zu beschützen. Dies kann er sehr erfolgreich im Garten und vor der Tür, also macht er auf den Spaziergängen weiter.
Was bedeutet dies für Ihr Training? Zunächst einmal ist es wichtig, dass Sie Markus nicht mehr alleine in den Garten und vor die Haustüre lassen. Es wird ihm nicht gefallen, da Sie ihm aus seiner Sicht eine wichtige Aufgabe nehmen. Ziel wird es sein, dass Sie diese übernehmen und Markus damit zeigen, dass Sie „das Rudel anführen können“. Geben Sie ihm nicht so viele Freiheiten und soviel Raum, um Situationen selbst zu lösen. Schränken Sie ihm mehr ein.
Wenn wir Markus mit diesem Training aus seiner Sicht relativ viel nehmen, dann müssen wir ihm aber auch etwas geben. Und das ist das Training mit Ihnen zusammen. Nehmen Sie sich die Zeit und Arbeiten Sie während der Spaziergänge mehr mit ihm, so dass seine Aufmerksamkeit auf Sie gerichtet wird und weniger auf die anderen Hunde.
Viele Grüße,
Ihre Bettina Baumgart


