Collie-Mix hat Schwierigkeiten in seinem Rudel

"Akko ist bei uns geboren und hat immer im Rudel gelebt (im Haus), mit seiner Wurfschwester Elli und Mutter Ruby (verstorben). Seit Mai haben wir noch 2 BorderCollie/Huskywelpen dazugeholt, anfangs war er der tolle Onkel, der mit den Kleinen spielte und sie zurückholte, wenn sie draußen zu weit wegliefen.

 

Den Nachbar-Westierüden, der ihn ständig durch den Zaun ankläfft, hasst Arno mit Inbrunst. Er hatte aber auch schon Beißereien mit Elli, meist wegen Futter oder weil er die Welpenerziehung an sich reißen wollte. Seit einem schlechten Erlebnis mit dem Westie vor ein paar Wochen am Gartenzaun, bei dem sich auch mein Mann und der Nachbar anbrüllten, ist Akko daueraggressiv - gegen seine 3 Rudelmitglieder und leider auch gegen Menschen, knurrt jeden an, der am Hof vorbeigeht, besonders auch Jungen (als Welpe ist er mal von Nachbarsjungen geärgert worden). Akko ist intelligent, im Haus sehr lieb und schmusig, seit heute knurrt er aber sogar die beiden Welpen an, die sonst alles bei ihm durften (sind jetzt 5 Monate alt). Er hatte schon immer "Alpha-Tendenzen", die wir aber zu unterdrücken versucht haben. Eine "chemische Kastration auf Zeit" per Spritze brachte keine Verhaltensänderung, daher haben wir ihn auch nicht kastrieren lassen. An der Leine ist er immer aggressiv - früher nur gegen andere Rüden (egal wie groß), inzwischen gegen jeden anderen Hund.

 

Wir wollen natürlich keine Beißereien im Rudel und uns auch nicht von Akko trennen müssen. Unsere Hunde nehmen wir überall mit hin, sie sind nie allein zuhause (mein Mann ist selbständig und nimmt sich viel Zeit für sie), sie dürfen draußen frei laufen und werden auch ansonsten artgerecht gehalten. Im Haus dürfen sie überall hin, "zu Besuch" auch ins Bett. Akko schlief bislang in meinem Bett am Fußende, dies werde ich aber jetzt verbieten, damit er nicht erhöht schläft gegenüber den anderen Hunden, die sich nachts ums Bett herum verteilen."

 

Johanna K. mit Collie-Mix Akko (3 Jahre alt)

 

Unsere Expertin: Hier Hund ist vielleicht überfordert

 

So, wie Sie mir Akko beschreiben ist er in seinem Rudel und in Ihrem Haus mit seinen Aufgaben komplett überfordert. Er muss sich um die Welpenerziehung kümmern, er muss den Nachbarhund zurechtweisen, er muss territorial den Hof vor Fremden verteidigen, er muss sich vor dem Nachbarjungen verteidigen, er „darf“ ins Bett und „darf“ ohne Grenzen überall hin. Wow, da hat er genug zu tun. Dass er dann mit aggressiven Verhalten weiterkommt, ist klar. Das ist keine artgerechte Hundeerziehung sondern eine Komplettüberfoderung eines Hundes. Dass die chemische Kastration nicht gewirkt hat wundert nicht, da das Verhalten, das Akko zeigt nicht auf sexuellem Hintergrund basiert.

 

Aus Ihrer Sicht bieten Sie Ako ein tolles Leben. Aber Hunde brauchen Grenzen, sie brauchen einen „Rudelführer“, der ihnen die Wege zeigt, die sie jeden Tag gehen müssen. Aus Akko`s Sicht ist er es, der in Ihrem ganzen Rudel das Sagen hat. Und dies kann er nicht bewältigen.

 

Zunächst einmal sind die Junghunde mit 5 Monaten keine Welpen mehr und Akko beginnt, die Kleinen stärker zu korrigieren,. Es ist aber nicht seine Aufgabe, die Welpen/Junghunde zu erziehen sondern es ist Ihre Aufgabe! Lassen Sie es nicht zu, dass Akko dies an sich reißt.

 

Nehmen Sie Akko aus dem Bett und lassen Sie ihn nicht erhöht schlafen. Dadurch weisen Sie ihm einen strategisch wichtigen Platz zu und geben ihm eine exklusivere Stellung.

 

Generell kann man nicht sagen, dass Hunde, die im Bett schlafen, Probleme machen oder die Rangordnung in Frage stellen,. In Ihrem Fall ist dies aber so, da Akko nämlich genau damit ein Problem hat.

 

Grenzen Sie Akko viel mehr ein, lassen Sie ihn nicht überall hin und geben Sie ihm ein Gerüst an Grenzen, mit dem er zurecht kommt.
Läuft es so weiter wie jetzt, bekommen Sie mit Akko ein großes Problem und nicht, weil er besonders aggressiv ist sondern weil er zu gestresst und einfach nur überfordert ist.

 

Viel Spaß mit Akko und dem Rest des Rudels.

 

Ihre Bettina Baumgart