Sprechstunde mit Hunde-Erziehungsexpertin Christine Holst

Hündin kann nicht allein bleiben

 

"Liebe Frau Holst,

 

unsere Hündin Miley macht ein Riesentheater, sobald wir nur mal kurz aus der Tür gehen. Sie bellt und jault wie verrückt. Genauso, wenn wir mit ihr spazieren gehen: Sobald wir stehen bleiben, zum Beispiel an einer Ampel, bellt und jault sie. Was kann man da tun?"

 

Jenny P. mit Mischlingshündin Miley (ein Jahr alt)


Unsere Expertin: Training mit mehr Konsequenz

 

 

Es klingt ganz so, als wolle Ihre Miley Ihre ganze Aufmerksamkeit; und dies pausenlos. Von daher ist es wichtig ihr beizubringen, dass sie weder mit Gebell, Gejaule oder was auch immer sie sich einfallen lässt, erfolgreich ist. Draußen könnte es helfen, sie zu ignorieren und bewusst noch einen Moment länger stehen zu bleiben. Und erst dann weiter gehen, wenn sie mit dem unerwünschten Verhalten aufgehört hat. Manchmal hilft es auch, dem Hund in dem Moment ein ganz anderes – als vom Hund vermeintlich erwartetes - Kommando zu geben; beispielsweise das Sitz einfordern. In beiden Varianten ist das Timing entscheidend. Das heißt, dass Sie wirklich nur genau in dem Moment weitergehen, wenn Miley sich ruhig verhält. Ansonsten wird sie weiter in ihrem Verhalten bestärkt, denn es führt ja schließlich zum Erfolg.

 

Hunde-Körbchen als Ruheort

 

Zuhause sollte Miley lernen, wann immer Sie es wünschen, in Ihrem Körbchen zu liegen und dort so lange zu verweilen, bis Sie sie wieder zu sich rufen. Ebenso sollte Miley nie für ihr aufmerksamkeitsforderndes Verhalten belohnt werden. Sei es durch Blickkontakt, positive oder negative Ansprache, Streichel- oder Spieleinheiten etc. Kurzum, Sie agieren und Ihr Hund wird auf die Reaktion beschränkt. Aktuell ist es ja leider genau umgekehrt.


Junge Hunde sind formbar

 

All dies wird Ihren Hund zunächst verwirren und höchstwahrscheinlich das Verhalten noch steigern. Aber erfahrungsgemäß, vorausgesetzt Sie sind geduldig, konsequent und ruhig in diesem Training, lernt gerade ein so junger Hund schnell seine Verhaltensweisen zu ändern. Hunde lernen eben sehr effizient und erfolgsorientiert

 

 

 

Hund zunächst nur kurz allein lassen

 

Wenn sich für Sie hier die ersten Erfolge einstellen, beginnen Sie parallel mit dem Alleinelassen. Aber bitte zunächst in kleinen Schritten. Auch hier kann das „Verwirrspiel“ helfen. Das heißt, alles was bisher ritualisiert war, hat nun keine Gültigkeit mehr. Sie ziehen sich an, nehmen beispielsweise die Leine und gehen doch nicht weg oder nur ins Badezimmer und dann mal kurz aus der Wohnung usw. Bei der Rückkehr wird ihr Hund solange ignoriert, bis er sozusagen aufgegeben hat. Erst dann wird die Hündin begrüßt. Dieses Ignorieren dient dazu, ihr zu zeigen, dass es kein besonderes Ereignis darstellt, wenn Sie wieder kommen. Wenn sich dieser ganze Prozess irgendwann normalisiert und stabilisiert hat, dann darf Miley sicher auch mal wieder mit Erfolg agieren und begrüßt werden. Schließlich gehört diese Interaktion zur Verhaltenbiologie der Hundeartigen.

 

Hunde wollen ausgelastet werden

 

Zu guter letzt ist es gerade für so eine „brisante“ Mischung und gleichzeitig junge Hündin extrem wichtig, sie einerseits körperlich und geistig auszulasten und anderseits durch konsequente Erziehung zu zeigen, wer hier das Rudel anführt.

Ich wünsche Ihnen gute Nerven und viel Erfolg!

Ihre Christine Holst