"Wir besitzen zwei Beagle-Rüden aus dem Versuchslabor, die 9 und 10 Jahre alt sind. Fips kam zu uns im Alter von 8 Monaten und hat eine Versuchsreihe mitgemacht. Bingo kam zu uns im Alter von 17 Wochen und war eine so genannte Überproduktion. Es geht hier in erster Linie um Bingo 9 Jahre.
Beide Hunde hören gut, können ohne Probleme frei laufen und wir sind regelmäßig in einem IRJGV mit den beiden am Arbeiten.
Bingo war nicht in einer Welpen-Gruppe, er durfte damals laut der Trainerin vom DVG den wir anfänglich noch besuchten nicht mit in die Gruppe. Wir saßen oft ca. 2Std bevor wir mal 10 Minuten auf den Platz trainieren konnten. Irgendwann fing er an zu fiepsen, daraus wurde bellen bis man mich dann vom Platz verbannte mit dem Argument mein Hund wäre Hyperaktiv und ich dürfte nur wieder zum Training kommen wenn ich einen Hundetrainer ( Name und Adresse drückte man mir in die Hand aufsuchen würde). Außerdem würde das ziehen an der Leine durch mein kaputtes Bein kommen. Nun ja, ich war damals ein gebranntes Kind, hatte ich doch früher einen Schäferhund der aggressiv war, wollte ich diesmal alles richtig machen.
Ich fuhr zu diesem Hundeversteher und man machte mir klar, dass Bingo Dominant wäre und ich ihn unterdrücken müsste dann würde auch mein Problem das ziehen an der Leine aufhören. Er zeigte mir den Flankengriff, den ich blöderweise auch eine Woche ausübte aber dann damit aufhörte, weil ich es einfach nicht mehr übers Herz brachte meinem Hund das weiter anzutun. Der zweite Trainer den ich aufsuchte verpasste mir den Legleader aber das ging mit meinem kaputten Knie gar nicht.
Ich kürze unsere Leidensgeschichte ab. Ich wollte nur, dass sie einen kurzen Einblick bekommen. Bingo zerrte früher wie wild an der Leine ich kam überhaupt nicht zu ihm durch weder mit Leckerlie, noch Richtungswechsel, stehen bleiben etc. Halti ging gar nicht. Nicht falsch verstehen ich habe jede Methode über Monate versucht bevor ich aufgegeben habe und etwas neues versuchte. Mein Bein ist kaputt und er bringt mich durch ruckartiges ziehen regelrecht aus dem Gleichgewicht.
Ich hab es so weit in den Griff bekommen das ich mit ihm normal spazieren gehen kann nur wenn ein Hund kommt geht gar nichts mehr. Laut bellend springt er in die Leine. Keine Reaktion auf Ablenkung durch Futter, Spielzeug das einzige was klappt ist wenn ich mich umdrehe und von dem Hund weggehe. Das passiert nur wenn der Hund uns frontal entgegen kommt. Ist er auf der anderen Straßenseite oder überholt uns von hinten kein Problem.
Zweites Problem beide Hunde bellen im Auto und fordern ihren Spaziergang ein. Das nur wenn ich im Auto sitze und nur wenn sie merken es geht Richtung Wald, Feld, Wiese etc., fahr ich Richtung Innenstadt und sie Wissen „ok ist nichts mit spazieren gehen“, ist Ruhe im Auto. Heißt so lange wie sie „Grün“ draußen sehen bellen sie. Das ist ziemlich stressig und nervig während der fahrt.
Drittes Problem durch das lange sitzen damals bei dem DVG bellt und weint Bingo sofort wenn ich mal stehen bleiben während des Spazierganges oder in der Pause im Hundeverein. Ich hoffe das war jetzt alles nicht zu durcheinander aber ich denke es war wichtig, dass sie einen kleinen Einblick bekommen haben. Es hat lange gedauert bis ich das Vertrauen, was ich mir durch den Flankengriff kaputt gemacht habe, wieder aufgebaut habe. Ich merke das der Hund stress hat im Auto und beim Hundekontakt es ist nur noch wichtig für mich es uns allen ein wenig leichter zu machen. Vor allem unseren Hunden, lieber Gruß."
Astrid S. mit Beagle Bingo (8 Jahre alt)
Unsere Expertin: Auch in diesem Alter lernen Hunde noch gerne!
Da haben Sie und Ihr Bingo ja wirklich schon viele Höhen und Tiefen durchgemacht. Es ist gar nicht so einfach einem 9 jährigen Hund, der schon viele Methoden durchlebt hat, an ein neues Verhalten zu gewöhnen. Aber: Auch in diesem Alter lernen Hunde noch gerne.
Zunächst einmal zu Ihrem Autoproblem.
Vielleicht haben Sie schon gelesen, dass ich in solchen fällen immer gerne eine Box empfehle und zwar nicht nur aus dem Grunde, dass ich einen Hund „wegsperren“ möchte sondern aus dem Grunde, dass die Hunde weniger sehen und auch viel ruhiger werden und somit selbst weniger Stress haben.
Sollten Ihre Hunde immer nur dann anfangen zu bellen, wenn Sie zur Hundewiese fahren, dann üben Sie bitte folgendes mit Ihnen. Fahren Sie immer wieder an diese Orte ohne, dass etwas passiert. Sie steigen nicht aus, Sie lassen Ihre Hunde nicht raus sondern fahren einfach wieder. Dieses Training wird allerdings nicht von heute auf morgen Ruhe bei Ihren Hunden bringen, da das Verhalten schon über wohl Jahre hinweg ritualisiert ist. Gewöhnen Sie sich daran, Ihre Hunde nur dann aus dem Auto zu lassen, wenn sie ruhig sind, auch wenn dies viel Geduld und Zeit von Ihnen erfordert.
Bingos Weinen beim Stehenbleiben, ist, so wie Sie es mir beschreiben, ein anerlerntes Verhalten aus frühester Zeit. Fürs Training bedeutet dies für Sie, das Weinen und Bellen während des Stehenbleibens durchzustehen und zu ignorieren. Wie bei der obigen Übung bekommt Bingo während dieser Zeit keine Aufmerksamkeit und es geht erst dann weiter, wenn er ruhig ist. Auch hier ist Ihre Zeit und Geduld gefragt.
Ihr Problem mit anderen Hunden ist für mich sehr schwierig aus der Ferne zu beurteilen und Ihnen Tipps zu geben, da ich hier erst die Ursache analysieren möchte, bevor ich etwas dazu sagen kann. Da würde ich Sie bitten, einen Verhaltenstrainer zu kontaktieren, der sich vor Ort Bingo anschaut.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig weiterhelfen und wünsche Ihnen viel Spaß mit Ihrem Training.
Liebe Grüße
Bettina Baumgart


