Angst bei Nachtspaziergängen

„Unser Nielo, ein vier Monate alter Weimaraner-Vizla-Mix, ist besonders Nachts beim Gassi gehen extrem ängstlich und reagiert auf jede Person, die im Dunkeln auf ihn zukommt mit knurren und bellen (und stellt sein Fell hoch), obwohl ich ruhig bleibe und mit einem klaren Nein reagiere. Ist das falsch? Letztens hat er sogar den Schatten eines Verkehrsschildes angebellt. Wie soll ich reagieren? Soll ich...

 

...beruhigend auf ihn einreden oder es deutlich unterbinden? Es gibt Tage, an denen er toll an der Leine läuft, und Tage, an denen sein Bewegungsdrang so groß ist, dass er auf gar nichts hört. Ich bleibe dann  immer stehen, warte bis er den Kontakt sucht und lobe ihn dann. Ich habe einen Befehl "langsam bleib" - der funktioniert aber nicht immer. Beim Gassi gehen würde er am liebsten die Biker und Jogger anspringen, aber nicht immer. Ich habe die letzten paar Male beobachtet, dass wenn ich in der Zeit, in der die Radler oder Jogger an uns vorbeiziehen mit ihm rede, beruhigend auf ihn einrede, macht er es nicht. Ich kann aber nicht immer nach hinten schauen. Vor allem Radfahrer sind ziemlich lautlos unterwegs. Was kann ich tun, damit er die Radfahrer und Jogger nicht als potentielle Jagdbeute betrachtet? Über ein paar Tipps, insbesondere jetzt wo es früher Dunkel wird, würde ich mich sehr freuen.“

 

Lale K. mit Nielo (vier Monate alt)

 

Unsere Expertin: "Zu viel Aufmerksamkeit verstärkt die Angst"

 

Ihr Nielo ist mit seinen vier Monaten ja in den Endzügen der Welpen-Zeit und muss noch ganz viele Sachen lernen. Gerade in dieser Zeit schauen sich die Hunde uns als Besitzer sehr genau an und beobachten unsere Reaktionen. Zeigen Sie Nielo bei Spaziergängen im Dunkeln, dass er nichts zu befürchten hat, indem sie diese Situationen selbst auch nicht bewerten und nicht auf ihn eingehen. Je mehr Sie beginnen, mit ihm zu reden und zu beruhigen, desto mehr lernt Nielo, dass diese Situation wirklich beängstigend und wichtig sein muss. Es ist egal, was Sie zu ihm sagen, sie bestätigen ihn erst einmal in seinem gezeigten Verhalten. Gehen Sie einfach zielstrebig weiter. Nielo wird sich an die Spaziergänge im Dunkeln gewöhnen und dann werden auch die Dinge, vor denen er jetzt noch Angst hat, ganz normal für ihn werden.

 

Junge Hunde sind natürlich noch sehr verspielt und neugierig auf die große Welt. Bringen Sie mit der Erziehung auch viel Geduld mit. Dinge, die heute super funktionieren, werden vielleicht am nächsten Tag gar nicht umgesetzt. Bleiben Sie konsequent in Ihren Kommandos und Ihrem Verhalten.

 

Damit Nielo Radfahrern und Joggern nicht weiter hinterher läuft, rate ich Ihnen, sich mit Nielo mal in die Nähe eines Fahrradweges zu begeben, ihn dort an der Leine zu lassen, den Fuß auf die Leine zu stellen und die Fahrradfahrer und/oder Jogger vorbeizulassen. Gewöhnen Sie Nielo mehr daran. Vielleicht haben Sie ja in Ihrem Bekanntenkreis auch jemanden, der sich als Jogger oder Radfahrer zum Üben für Sie zur Verfügung stellt. Mit ihm können Sie dann verschiedene Situationen durchspielen, auch mal mit dem Menschen reden und Nielo dabei zuschauen lassen. Geben Sie ihm während dieses Trainings nicht zu viel Aufmerksamkeit.

 

Parallel dazu können Sie schon beginnen, Nielo z.B. das Apportieren beizubringen, um ihn geistig zu beschäftigen. Der Mix aus Weimaraner und Vizla braucht Kopfarbeit, damit er nicht auf „dumme Gedanken“ kommt. Dann steht einer guten Hund-Mensch-Beziehung nichts im Wege.

 

Ich wünsche Ihnen mit Nielo viel Spaß!

 

Ihre Bettina Baumgart

 

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