"Wir haben eine Podenco-Pointer Hündig (17 Monate) aus Fuerteventura, welche wir selber leider erst mit 5 Monate bekommen haben. Ich bin mittlerweile ziemlich verzweifelt und hoffe, dass sie mir weiterhelfen können. Das Ganze fing Ostern in diesem Jahre an (von einem Tag auf den Nächsten), dass sie einfach anfing, Jogger und Radfahrer anzubellen.
Sie kreist sie ein und verbellt sie. Mittlerweile haben wir herausgefunden, dass das nicht alle Jogger, Radfahrer usw. sind, sondern nur die, welche selber Angst vor Hunden haben. Sehr viele Personen gehen an ihr vorbei, ohne, dass sie überhaupt eine Reaktion zeigt. Wir hatten Ihr Verhalten, bis gestern, soweit gut im Griff, immer rechtzeitig hergerufen und sie bei uns laufen lassen, dann ist sie auch nicht von uns weg um denjenigen anzubellen, sondern blieb bei uns. Wenn sich jedoch unbemerkt ein Jogger annähert, welcher noch Angst dazu hat, geht sie z. B. auch aus dem Spielen mit anderen Hunden raus, um den Jogger (Person) anzubellen.
Gestern jedoch hatten wir den Höhepunkt, vor dem ich bis jetzt gehofft hatte, dass sie diese Barrierre hoffentlich nie übertreten würde. Wir waren spazieren, es gingen Leute vorbei, sie lief bei uns. Doch dann kam später plötzlich von hinten ein Mann herangelaufen. Sie machte nichts, er lief an uns vorbei und sie machte die Nase lang, schnüffelte und lief ihm nur nach. Dann wollte ich (weil er sich schon umdrehte), dass sie bei uns bleibt und rief sie zu mir. Dieser Zuruf war vielleicht zu heftig oder Sie hat unsere Unruhe gemerkt, ich weiß es nicht. Jedenfalls bellte sie ihn an. Ich bat ihn, stehen zubleiben und sie zu ignorieren. An die Leine bekommen habe ich sie jedoch nicht, da sie dann fang mich doch spielt und noch in voller Aggression war. Der Mann lief dann wieder weiter und sie fing erneut an und dann redete er sie und uns an, wir sollen sie anleinen (verständlich, nur leichter gesagt, als getan) und dann zwickte sie ihn plötzlich ganz leicht, zögerlich in die Hose. Für mich war dann meine schlimmste Befürchtung bestätigt worden und eine Welt brach für mich zusammen. Ich konnte es nicht fassen. Wir unterhielten uns noch kurz mit dem Mann, woher ihr Verhalten kommt und entschuldigten uns. Dann ging er weiter und unsere Hündin blieb da. Wir haben öfters in der Anfangsphase bei der Nachforschung des Grundes gemerkt, dass sie damit aufhört, wenn sie nicht beachtet wird. Anfangs hat sie das nur bei mir gemacht, wenn Jogger (männlich) vorbeikamen. Da dachten wir, sie denkt da kommt Herrchen und ich will mitlaufen, doch nach und nach hat sie das auch bei meinem Freund gemacht.
Doch ich kann doch nicht in eine andere Richtung laufen, wenn sie den Radfahrer nachgeht und ich mir nicht 100%-ig sicher bin, dass sie nicht zwickt (was sich ja nun letztendlich bestätigt hat). Wir hatten zuvor mit Schleppleine geübt, doch an der Leine zeigt sie dieses verhalten nicht. Doch einen Podenco schon ohne Leine kriegt man schon kaum kaputt, müde und dann noch dauerhaft an der Leine, ist unmöglich. Zudem Sie immer und überall zu anderen Hunden rennen muss, wenn sie schon die Fährte am Anfang des Weges aufnimmt, dass da grad noch ein Hund war. Unsere Hündin ist sehr ängstlich, vor Fremden geht sie zurück, auch Radkappen, Müllbeutel o. Ä. auf der Straße macht sie nen großen Bogen rum. Sie braucht immer etwas Zeit und dann kommt sie auf denjenigen zu. Mir wurde jetzt schon öferts hier von anderen Hundebesitzern gesagt, dass Aggression und Angst beides Adrenalin ausstößt und unsere Hündin das noch nicht unterscheiden könne. Sie denkt der Mensch mit Angst, wolle sie angreifen, deshalb greift sie vorher an, aber das würde sie noch lernen. Nur wann? Ich weiß auch, dass Hunde es merken, wenn wir innerlich unruhig sind, doch ich kann ehrlich gesagt nicht richtig entspannt mit ihr Gassi gehen, wenn ich schon von weitem Jogger, Radfahrer usw. sehe. Natürlich denke ich mir, hoffentlich bellt sie die nicht wieder an bzw. kommt sie rechtzeitig zu mir, wenn ich sie rufe. Ich rufe sie auch schon extra mit unterschiedlicher Stimme, damit sie den Unterschied nicht merkt, ob da was kommt oder nicht. Einfach gelassen zu sein bzw. keinen Gedanken daran zu haben, ob sie die heranlaufende Person wieder anbellt, ist fast unmöglich.
Im Hinterkopf ist das einfach immer da und wenn sie das schon merkt und deshalb so reagiert .... Ich bin zufällig auf die Seite gekommen, durch Googlen, da ich mich schon sehr viel mit dem Thema befasse. Würde das Buch "Der ängstliche Hund" von Nicole Wild uns in diesem Falle evtl. helfen, bzw. wäre es hilfreich? Ebenfalls habe ich schon überlegt, unsere Homöopathin zu Fragen, ob es Globuli gegen Angst gibt. Ich hoffe sehr, dass sie uns helfen können. Unsere Hündin ist eine Mischung aus Angst-Neugierde. Eine Hundepsychologin (selbst ernannt) hier bei uns in Würzburg therapiert Angst-Aggression nur mit Kette. Doch unsere Hündin ist sehr sensibel und dies wäre der falsche Weg, meine ich jedenfalls. Für Ihre Hilfe bedanke ich mich vielmals im Voraus."
Julia S. mit Podenco-Mix „Emma“ (1 Jahr alt)
Unsere Expertin: Sie haben es hier mit einem Vollblut Jagdhund zu tun!
Vielen Dank für Ihre Anfrage. Als erstes bin ich auch der Meinung, dass dieses Verhalten nicht mit einer Kette oder sonstigen diversen Hilfsmittel zu beheben ist. Sie haben mit Ihrer Emma einen Vollblut Jagdhund: ein Podenco ist ein sogenannter Sichthetzer, der auf die Jagd geht und dem hinterherläuft, was er sieht und ein Pointer, wie der Name schon sagt, zeigt die Beute an.
Genau dieses Verhalten zeigt Emma beim „jagen“ des Joggers. Das Emma den Jogger gezwickt hat liegt auch auf der Hand und wundert nicht. Aus Ihrer Sicht hat sie die Beute gejagt und gestellt und die Beute ist unverschämterweise dann doch wieder weitergelaufen und wollte weg. Also ging Emma einen Schritt weiter und hat die Beute durch zwicken dazu gezwungen, stehen zu bleiben: Mit Erfolg!. In diesem Falle gut, dass sie gegenüber Menschen eher unsicher ist und es „nur“ ein zögerliches Zwicken wurde. Diese Unsicherheit erklärt auch unter anderem die Tatsache, dass Emma nicht jedem Jogger hinterherläuft sondern eher auch unsicheren Menschen. Es wäre jetzt von mir allerdings zu einfach, das Verhalten einzig allein auf die Jagd zu beziehen. Es spielen bei Emma bestimmt verschiedene Komponenten eine Rolle, wie z.B. Aufmerksamkeit, sozial motiviertes und auch territoriales Verhalten. Das ist allerdings aus der Ferne sehr schwierig zu beurteilen.
Wie können Sie Emma dieses Verhalten abgewöhnen. Zunächst einmal möchte ich dazu sagen, dass ein Jagdhund ein Jäger ist und auch bleibt. Das wird immer sehr gerne vergessen und viele Hundebesitzer denken, dass man diese Gene aus einem Hund raustrainieren kann. Dem ist nicht so. Jagdhunde brauchen allerdings viel mehr Beschäftigung und einen sehr guten Grundgehorsam.
Ich möchte Sie bitten, Emma wieder an die Schleppleine zu nehmen.
Das soll natürlich nicht für immer sein, aber ich möchte vermeiden, dass Emma noch mehr von diesen positiven Erfolgen bekommt. Außerdem ist es mir wichtig, dass Sie während der Spaziergänge wieder ruhiger werden und mehr Vertrauen in Emma geben. Mit 17 Monaten ist Emma auch noch jung und testet ihre Grenzen. Trotz Leine kann Emma ja auch weiterhin mit anderen Hunden spielen und Sie haben die Möglichkeit, viel schneller einzugreifen, falls Emma wieder losstarten sollte.
Ändern Sie Ihre Spaziergänge und arbeiten Sie mehr mit Emma: Bringen Sie Ihr das Apportieren bei und machen Sie die Spaziergänge interessanter, so dass es Emma letztendlich viel mehr Spaß macht, etwas mit Ihnen zu tun als dem Jogger hinterherzulaufen.
Beschäftigungsmöglichkeiten wie Reizangeltraining (Erklärung dazu finden Sie im Internet) sind für Sichthetzer sehr gut geeignet.
Generell gilt: Je mehr Emma während der Spaziergänge auf sich alleine gestellt ist, desto mehr kann sie auf „dumme Gedanken“ kommen.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit dem Training und bitte Sie, von anderen Hilfsmitteln abzusehen.
Liebe Grüße
Ihre Bettina Baumgart


