"Mein 5-jähriger Puli-Rüde Bodri kann tagelang lammfromm sein, dann bellt er auf Spaziergängen an der Leine unberechenbar und aggressiv andere (meist große Rüden), Menschen (meist Männer und kleine Kinder - auch im Kinderwagen) an. Nun habe ich den Fehler gemacht, dass ich mit ihm ein Seminar besuchte, bei dem er sehr gestresst einen Mann, der sich ihm zu schnell zu sehr näherte in den Arm zwickte. Gott sei Dank kein Blut.
Generell mag er es nicht, wenn sich ihm fremde Menschen (Männer und Kinder) zu sehr nähern oder ihn gar anfassen. Er kann dann richtig ausflippen. Gebissen hat er bis zu diesem Vorfall aber noch nie! Auch nicht gezwickt, obwohl er sehr gerne den Postboten und den Nachbarsjungen verfolgt. Wenn er die Leute gestellt hat, bellt er nur wie verrückt, geht ein paar Schritte rückwärts als ob er Anlauf nimmt und bellt wieder los.
Dieses Verhalten war aber am Anfang, als ich ihn als zweijährigen Rüden bekam viel ausgeprägter. Damals konnte ich ihn nicht zurückrufen. Ich kannte ihn noch zu wenig. Wenn ich heute bemerke, dass er dazu ansetzt den Nachbarsjungen zu verfolgen (wir haben keinen Zaun) sage ich ein lautes, sehr energisches Nein. Das wirkt. Dann bleibt er bei mir.
Mein Hund ist in Ungarn geboren und kam mit einem Münchner als Welpe nach Deutschland, der mit ihm züchten wollte(mein Hund hasst Autofahren). Als dieser bemerkte, dass der Rüde unter Kryptorchismus (Hodenhochstand) litt und deshalb zu Zuchtzwecken ungeeignet ist, bot er ihn und seine Schwester auf einem Markt an. Dort wurden die beiden Hunde von den Vorbesitzern erworben. Bei ihnen lebte er in einem größeren Rudel, mit verschiedenen Hunden. Er war der einzige Rüde.
Als die Familie vom Land in die Stadt zog, mussten sie schnellstmöglich ihre Tiere loswerden und boten für null Euro die Hunde im Internet an. So kam Bodri zu mir. Auch vor meinem Mann und meinem Sohn und bei Familienfesten war er anfangs sehr gestresst. Inzwischen fühlt er sich aber sehr wohl. Liebt meine Familie heiß und innig und schmust sogar mit den Männern in meiner Verwandtschaft.
Das größte Problem für uns ist für seine Aggressivität gegenüber Kindern, fremden Männern und großen unkastrierten Rüden. In der Hundeschule war ich anfangs auch schon mit ihm. Als die Trainerin mir zeigen wollte, wie ich mit dem Hund "umzugehen" habe, ging er in die passive Verweigerung, legte sich auf den Boden auf den Rücken und war zu keiner Handlung mehr zu bewegen! Die Hundetrainerin wurde von den anderen ausgelacht und meine Motivation war auf dem Nullpunkt. Ich habe auch keine Lust auf autoritäre Hundetrainer, die den Tierbesitzer vor allen Leuten zur Schnecke machen. Was raten Sie mir?"
Gabriele K. mit Puli-Rüde Bodri (5 Jahre alt)
Unsere Expertin: Sie haben schon viel erreicht - trainieren Sie weiter mit Ihrem Hund!
Erst einmal möchte ich Ihnen ein Kompliment machen. Nach Ihrer Schilderung haben Sie bei Bodri schon sehr viel erreicht. Er vertraut Ihnen. Dieses Vertrauen gilt es weiter aufzubauen und zu fördern.
Achten Sie mehr auf Bodri und lernen Sie, früh genug zu erkennen, wann es Bodri zu viel wird. Z.B. sind solche Seminarbesuche mit Hunden vielen Hunden zu viel und sie können diese Reize nicht verarbeiten. Dann endet es oft mit einem ungewünschten Verhalten wie z.B. einem Zwicken. Gleichzeitig wird das Vertrauen von Bodri zu Ihnen nicht besser.
Bodri wird mit Männern keine guten Erinnerungen haben und so erklärt sich sein Verhalten und seine Aggressivität. Trainieren Sie mit Bodri zunächst weiter einen guten Grundgehorsam und arbeiten Sie auf den Spaziergängen mit ihm. Beschäftigen Sie ihn, machen Sie etwas mit ihm zusammen und starten diese Arbeit in Entfernung von Kindern, Männer und anderen Hunden und lassen Sie langsam die Entfernung kleiner werden. Holen Sie sich Bodris Aufmerksamkeit und zeigen Sie ihm damit, dass er nicht aggressiv sein muss, wenn er mit Ihnen zusammen ist. Dieses Training braucht viel Zeit und Geduld, wird sich aber auf Dauer hin gesehen positiv auf ihn auswirken.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihrem Bodri!
Liebe Grüße, Ihre Bettina Baumgart


