Pilze suchen mit Hund

Der Nase nach: Pfifferlinge, Steinpilze und Trüffel finden

Im Herbst locken heimische Wälder zum Pilzesuchen vor die Tür. Mit ein bisschen Training und den Tipps von Pilzexperte Dieter Honstraß sind Euch volle Pilzkörbe sicher, wenn Ihr Euren Hund mitnehmt - wer könnte schließlich ein besserer Begleiter auf der Suche nach Steinpilzen, Pfifferlingen oder sogar Trüffeln sein als der Nasenspezialist Hund?

Der Wald gleicht aus Hundesicht einem großen Abenteuerspielplatz, in dem verschiedenste Gerüche entdeckt werden wollen. So viel Natur wie hier erleben unsere Hunde an keinem anderen Ort. Ein herbstlicher Ausflug zum Pilzesammeln in den Wald ist deshalb nicht nur für Frauchen und Herrchen ein willkommenes Vorhaben - Euer Hund wird Euch begeistert begleiten.


Wichtig:

Um heimische Vögel und Wildtiere nicht zu stören, solltet Ihr Euren Hund im Wald immer an der Leine führen. Während der Brut- und Setzzeit zwischen März und Juli ist besondere Rücksicht geboten, damit brütende Tiere nicht verscheucht und Jungtiere ungestört aufgezogen werden können.

Hunde entdecken die Welt überwiegend mit ihrer Nase. Ihr überdurchschnittlich gut ausgeprägter Geruchssinn ermöglicht es ihnen, feinste Duftmoleküle aus der Luft zu filtern und zuzuordnen. Ist es damit möglich, den Hund aktiv in die Pilzsuche einzubeziehen?

Wir haben zu dieser Frage mit dem Pilzexperten Dieter Honstraß gesprochen. Dieter Honstraß ist Inhaber der Pilzschule (www.pilzschule.de) und bietet neben Seminaren zur Pilzsuche und Pilzbestimmung auch Kurse zur Trüffelsuche mit Hund an.


"Trüffelpapst" Dieter Honstraß mit seiner Hündin Loki, ein Lagotto Romagnolo. Foto. D. Honstraß

Stadthunde.com: Trüffelkurse für Hunde - Herr Honstraß, wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Dieter Honstraß: Ich gebe seit Jahren in ganz Deutschland Kurse zum Thema Pilze sammeln und bestimmen, bilde Pilzberater und Pilzsachverständige aus. Da ist es naheliegend, sich auch der Erforschung der unterirdisch wachsenden Pilzarten zuzuwenden. Mir geht es darum, entgegen der verbreiteten Annahme, Trüffeln seien selten, die tatsächlichen Vorkommen und deren Verbreitung zu ermitteln.

Stadthunde.com: Was muss ein Hund mitbringen, um das Trüffelsuchen zu erlernen? Welche Hunde eignen sich dafür, welche eher nicht?

Dieter Honstraß: Die können das schon. Ob Mops oder Windhund - alle Hunde erkunden, beurteilen und erleben ihre Umwelt über den Geruchssinn. Tag für Tag. Von morgens bis abends. Egal, welche Rasse und welches Alter, jedem Hund kann man beibringen, Trüffeln zu suchen und anzuzeigen. Besonders talentiert sind allerdings Rassen, die so gut wie keinen Jagdtrieb haben, dabei intelligent, arbeitsfreudig und ausdauernd sind.

Stadthunde.com: Welchen Part nimmt der Mensch bei der Trüffelsuche ein?

Dieter Honstraß: Jeder Kursteilnehmer merkt schnell, dass von ihm mehr erwartet wird als von seinem Hund. Immerhin geht es darum, anhand ökologischer, geologischer und topografischer Kriterien potenzielle Trüffelbereiche ausfindig zu machen und später eine gefundene Trüffel zu bestimmen. Schließlich kommt es darauf an, mit klaren eigenen Verhaltensmustern seinen Hund über viele Wochen und Monate so weiter zu trainieren, dass der Suchablauf zur Routine wird.

Stadthunde.com: Was ist beim Trüffelsuchen die größte Schwierigkeit für Mensch-Hund-Teams?

Dieter Honstraß:
Bei einem Team sind Aufgaben und Kompetenzen klar definiert. Die größte Schwierigkeit ist für viele, dem Hund das notwendige Vertrauen zu schenken, ihn bei der Suche ständig zu beobachten und die kleinsten Hinweise über die Körpersprache richtig zu deuten. Findet der Hunde keine Trüffeln, liegt das Problem beim Hundeführer.


Stadthunde.com:
Was bewirkt so ein Kurs?

Dieter Honstraß: Vorbei sind die langweiligen Spaziergänge mit dem Hund. Selbst beim Gassigehen mitten in der Stadt findet ein gut trainierter Hund Trüffeln. Aber: Kurse dieser Art machen zunächst sehr deutlich und decken schonungslos auf, wie sehr es allein auf das Verhalten des Menschen zu seinem Hund ankommt. Diese Trainingseinheiten führen alsbald zu einer Festigung der Beziehung. Und dann macht es erst richtig Spaß, mit dem Hund gemeinsam etwas zu unternehmen. Glücksgefühle bei jedem Fund.

Stadthunde.com: Trüffel gelten als kulinarische Delikatesse. Sind Trüffel denn so verbreitet, dass wir sie hierzulande überhaupt finden können?

Dieter Honstraß: Wichtig zu wissen ist zunächst, dass von etwa 300 in Mitteleuropa vorkommenden Arten allenfalls 15-20 Arten essbar wären. Dazu gehören auch einige Arten, die im Handel als Importware erhältlich sind, aber in Deutschland nicht gesammelt werden dürfen. Diese Arten galten bis vor wenigen Jahren als sehr selten.

Das ganze Gegenteil ist jedoch der Fall: In den wenigen Jahren meiner Aufklärungstätigkeit konnte ich mit der von mir gegründeten Forschungsgruppe „Hypogäen“ nachweisen, dass Trüffeln überhaupt zu den häufigsten heimischen Pilzarten gehören. Vereinfacht kann man sagen, dass es sehr schwer für ein gutes Team ist, auf kalkhaltigen Böden trüffelfreie Bereiche zu finden.

Stadthunde.com: Lässt sich das Training zur Trüffelsuche auf andere Pilze übertragen?

Dieter Honstraß: Auch wenn einige Hunde bestimmte Trüffelarten gern fressen - in manchen Regionen führen Hundebesitzer regelmäßig ihre Hunde zum Trüffelfressen aus - für den Hund ist das eine seinem Wesen entsprechende Aufgabe, der er gern nachgeht. Hat er erst einmal "das Spiel" begriffen, lässt er sich leicht auf andere Pilze wie Steinpilze, Speisemorcheln oder Pfifferlinge einstimmen.

Weitere Informationen zur Pilz- und Trüffelsuche mit Hund und zu Kursen der Pilzschule findet Ihr hier: www.pilzschule.de

 

 

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