Stadthunde-Blog 04.01.2010

Rattengift!

 

Nachdem Lupold und ich im Urlaub bereits „Land unter“ in Folge mehrerer Rohrbrüche gemeldet hatten, dachten wir: Eigentlich können wir froh sein, dass es nicht schlimmer gekommen ist! Also waren wir froh. Und es kam schlimmer.

 

Ich fand Lupolds Gefährtin Lily im Kleiderschrank, wo sie munter in Opas alter Unterwäsche wühlte. Das alleine war nun wirklich Schreck genug  (wer die unsäglichen Angora-Wollhosen gesehen hat, weiß, wovon ich spreche) doch es kam schlimmer: Zwischen der zerwühlten Wäsche lag – uraltes Rattengift!

 

Der Wagen fuhr flott in den Kreisel – und in die Autotür

 

Bei Rattengift zählt jede Minute. Um von einer  Jagdhütte in der Pampa zum nächsten Tierarzt in der Stadt zu kommen, sind es viele Minuten – vor allem ohne Auto! Nach dem ersten atemlosen Telefonat war der notdiensthabende Tierarzt vorgewarnt, das zweite atemlose Telefonat galt Herrchen, der mit dem weit und breit einzigen Auto in der Stadt unterwegs war.

 

Herrchen legte ebenso atemlos auf, startete den Motor, fuhr ein in den Kreisverkehr – und da dachte sich das Schicksal  „Ich bin gerade so in Fahrt, ich leg noch einen drauf!“. Ein anderer Wagen fuhr frisch und flott in den Kreisel und direkt in die Tür von Herrchens Auto. Scherben, Splitter, Auto fahruntüchtig.

 

Der Taxifahrer mäkelte an Lilys schmutzigen Pfoten herum

 

Noch atemloser erklärte ich also der netten Dame der Taxi-Zentrale, dass ich einen Hund zum Tierarzt transportieren müsse und kurze Zeit später dem Taxi-Fahrer, was ich alles mit ihm anstellen würde, wenn er weiter an den angeblich dreckigen Hunde-Pfoten herum mäkelte, anstatt uns einsteigen zu lassen und Gas zu geben.

 

Weitere fünfzehn Minuten später hockte die arme Lily hundeelend im Garten des Tierarztes und fühlte sich wahrscheinlich wie nach einer zu langen Party. „Alles weitere später,“ hatte mich der Tierarzt begrüßt und noch ehe ich einen Pieps sagen konnte, die Spritze mit dem Brechmittel in Lilys Po gepfeffert. Sie reiherte nun sich die Seele aus dem Leib und freute sich trotzdem schrecklich, Herrchen zu sehen, dessen Unfall praktischerweise nur eine Querstraße vom Tierarzt entfernt gewesen war.

 

„Macht nix, ich habe selbst 10 Hunde!“

 

Unsere Maus war außer Gefahr, und glücklich fuhren wir mit einem weiteren Taxi Heim, Lily auf der Rückbank in grotesker Lautstärke würgend, während Herrchen ihr fürsorglich den Kopf hielt. „Macht nix, ich habe selbst 10 Hunde,“ kommentierte dieser Fahrer gutgelaunt, dem ich an dieser Stelle ein warmes verbales Händeschütteln zukommen lassen möchte.

 

Lily bekommt jetzt präventiv Vitamin K und ist außer Gefahr, und weil wir dem Schicksal im Moment wirklich alles zutrauen, bekommt Lupold es auch direkt. Ich würde ja jetzt gerne sagen, dass wir froh sein können und dass es hätte schlimmer kommen können – aber ich traue mich einfach nicht... (je)

 

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