Knöcherne Beweise einer langen Freundschaft

Bereits seit 10.000 Jahren begleiten Hunde ihre Menschen und umgekehrt. In einigen Fällen bis in den Tod. Auf dem nordamerikanischen Kontinent fanden Archäologen an zwei Ausgrabungsorten in Illinois die sterblichen Überreste von Hunden. Bestattet wurden sie vor ca. 10.000 Jahren. Sie sind  damit die bisher ältesten domestizierten Hunde auf dem amerikanischen Kontinent.

Besonderheit: Einzelbestattung

Insgesamt waren es drei Hunde, deren Knochen eingehend untersucht wurden. Zooarchäologin Angela Perri (Durham University) konnte auf der US-amerikanischen Konferenz der Society for American Archaeology am 13. April berichten, dass dieser Fund zugleich die älteste einzelne Grabstätte weltweit darstellt. Ein in Bonn-Oberkassel gefundener Hund war zwar bereits vor 14.000 Jahren begraben wurden, allerdings gemeinsam mit seinen Menschen. Im Falle der Funde von Illinois hatten die Hunde jeweils ihr eigenes Grab. Das könnte für eine Art Sonderstatus und -behandlung sprechen. Zudem seien sie eines natürlichen Todes gestorben. Dafür spricht, dass die Forscher keine steinernen Waffen oder Werkzeuge fanden. Außerdem zeigten die Knochen keine Zeichen von Gewalteinwirkung oder Verletzungen.

Zu Fuß unterwegs in die neue Welt?

Einige Wissenschaftler vertreten die These, dass die ersten Vorstöße auf den amerikanischen Kontinent mit Hilfe von Hundeschlitten geschahen. Eine Besiedelung fand jedoch bereits deutlich vor den datierten Hundefunden statt. Die ersten Einwohner Südamerikas erreichten den Kontinent bereits vor 15.000 Jahren. Gruppen, die auf dem Landweg kamen, schienen entweder keine Hunde zu haben oder sich erst vor 10.000 Jahren relativ schnell auf den Kontinent zu bewegen. „So sehr wir auch glauben wollen, dass Hunde uns ursprünglich in die neue Welt brachten. Das war möglicherweise nicht der Fall“, erklärt Perri. Sie vermutet: Bei einer zweiten Migrationswelle von Asien nach Nordamerika waren Hunde dabei. Diese fand vor etwa 11.500 Jahren statt.

Genetik: europäischer Einfluss

Perris Team stellte bei zwei der aufgefundenen Tieren Ähnlichkeiten zum modernen Wolf fest,  insbesondere im Bereich des Unterkiefers. Zugleich zeigte einer der Hunde Ähnlichkeit zum Koyoten. Das könnte auf eine frühe genetische Vermischung hindeuten.

Die Ursprünge des Hundes liegen bislang weitgehend im Dunkeln. Vermutlich hatten alle amerikanischen Hunde jedoch einen gemeinsamen Vorfahren, der vor 15.000 Jahren lebte, wie Zellbiologin Kelsey Witt Dillon von der Universität von Kalifornien argumentiert. Dieser vorläufige Rückschluss basiert auf der Untersuchung von 78 Genomen von Hunden aus mehr als 20 nordamerikanischen Fundorten. Die untersuchten Knochen waren zwischen 800 und 10.000 Jahre alt. Die Untersuchung zeigte: Die DNA dieser Hunde überschneidet sich kaum mit der DNA der aktuell in Amerika lebenden Hunde. Das legt nahe: Die Ankunft europäischer Hunde veränderte die Erbinformation amerikanischer Hunde in den letzten Jahrhunderten nachhaltig.

Kurz und knackig:

  • Die Knochen von 3 Hunden, die im US-Bundesstaat Illinois gefunden wurden,sind rund 10.000 Jahre alt.
  • Das macht sie zu den bisher ältesten domestizierten Hundenauf dem amerikanischen Kontinent. 
  • Die 3 Hunde hatten ihre eigenen Gräber. Das deutet darauf hin, dass die Menschen diese Hunde besonders schätzten.
  • Die Unterkiefer und Zähne von zwei der untersuchten Hunde wiesen Ähnlichkeiten zu denen moderner Wölfe auf.
  • Die Erbinformation der 800 bis 1.000 Jahre alten Hundeskeletteunterscheidet sich stark von der DNA von Hunden, die heuteauf dem amerikanischen Kontinent leben. Grund dafür:der Einfluss europäischer Hunderassen.

 

Quelle: www.sciencenews.org

Hier geht´s zum Original-Artikel (auf Englisch): 

https://www.sciencenews.org/article/dogs-lived-and-died-humans-10000-years-ago-americas

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