Jule und die Japaner

Diese kleine Episode hat weniger mit Jule zu tun als mit Menschen in ihrem direkten Umfeld.

 

Hunde scheiden die Geister der Menschen – das ist bekannt. Diejenigen, die Hunde nicht mögen, blenden wir an dieser Stelle mal aus. Die anderen, die Hunde mögen/lieben, gründen ihre Zuneigung auf zahlreiche Facetten des Wesens der Hunde. Und Hundebesitzer können mit Fug und Recht behaupten, dass sie jeden Tag neue Facetten entdecken – da kann der erste verschlafene Blick aus dem Hundekorb morgens schon ausreichen.

 



Nun weiß ja jeder, dass ein Hundewelpe einem dazu verhelfen kann, seinen Bekanntenkreis innerhalb weniger Wochen mindesten zu verdreifachen. Auch wird jeder Hundebesitzer wissen, dass ein Hundewelpe hemmungslos mit seiner Umwelt flirtet und Herrchen oder Frauchen so manche neugierige Frage gestellt bekommt, wenn der Partner dazu kommt. Natürlich sind auch ausgewachsene Hunde die „Kommunikatoren“ schlechthin. Nie steht man auf der Hundewiese allein. Man unterhält sich immer über den neuesten „Hunde-Schnack“, rutscht dann ganz selbstverständlich in andere Bereiche und hat am Ende eines Spaziergangs die Lösung erarbeitet, warum zum Beispiel der HSV am Wochenende gegen Bochum mal wieder recht alt aussah.

 

Jule - der neue Star am Hundehimmel

 

Hunde sind also kommunikativ und ziehen die Blicke der Menschen auf sich. Was mir allerdings neu war: Sie legen in Sachen Öffentlichkeitswirkung echte „Rockstar-Qualitäten“ an den Tag. 



 

Um es kurz zu machen und endlich zum Thema der Überschrift zu kommen: Ich ging wie gewöhnlich jeden Wochentag mit Jule vom Büro nach Hause. Das erste Stück ohne Leine und in der Nähe des Mundsburger Damms (4-spurig) an der Leine. Wir näherten uns langsam der Ampel. Aus der anderen Richtung kam eine Gruppe Japaner, die nun wirklich jedes Klischee bediente. Vor allem waren sie natürlich alle bis an die Zähne mit den neusten Digicams bewaffnet. Mit großem Hallo und ehrlicher Freude wurde Jule zur Kenntnis genommen und man wartete neben uns an der Ampel. An dieser Stelle muss ich mir zur Hausaufgabe machen, mich darüber zu informieren, wie es sich mit der Labrador-Population in Japan verhält. Ich würde vermuten, dass sie ausschließlich digital existieren und statt in Garten und Haus im Nintendo DS leben, denn die Gruppe Japaner traute - glaube ich - ihren Augen nicht, dass es Jule wirklich gab.

 


Jule war von der ihr gezollten Aufmerksamkeit ganz aus dem Häuschen und tat alles, um die ersten bereiten Digicams zu unterhalten. Sie setze sich hin, legte den Kopf schief, zog eine Augenbraue hoch und wedelte mit dem Schwanz. Und als ob sie sagen wollte: „So Herrchen und gleich weißt du, wie Tokio-Hotel sich fühlt,“ blieb sie wie selbstverständlich sitzen als die Ampel auf „grün“ schaltete und fing an, sich zu kratzen. Herrlich was dann passierte. Jule, der Star der Kreuzung! Es wurde gelacht, gezeigt und sämtliche Digicams schossen auf uns. Ich sah zu, dass ich Jule einigermaßen in der Grünphase über die Fahrbahn bekam und ging etwas irritiert nach Hause.

 

Christian

 

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