Wolf und Hund

Wölfe und Hunde – Klischee und Wirklichkeit

Wölfe stimmen heute noch genetisch zu über 99% mit unseren Hunden überein. Doch die Ähnlichkeiten - und Unterschiede - zwischen Wolf und Hund sind vielfältig und oft genug Grund für Missverständnisse. Wieviel Wolf steckt wirklich noch im Hund?

Ob Schäferhund oder Mops, jeder Hund stammt von Urahn Wolf ab – so unähnlich sich Canis Lupus und Canis Lupus Familiaris von ihrer äußeren Erscheinung her auch in manchen Fällen geworden sein mögen. Dennoch scheint es selbst Fachleuten oft schwer zu fallen, einen echten Wolf von einem wolfsähnlichen Hund zu unterscheiden – zumindest waren Verwechslungen häufig der Grund von Wolfsabschüssen durch Jäger.

Dabei gibt es einige Körpermerkmale, in denen sich Wolf und Hund deutlich unterscheiden. Wölfe besitzen eine quadratische Körperform, während Hunde meist eher rechteckig gebaut sind. Die Schnauze von Wölfen ist meist deutlich länger als die der meisten Hunde-Rassen, die hellen Markierungen über den Augen, an den Wangen und an den Seiten des Halses sind deutlicher ausgeprägt. Die Rute ist niemals gerollt, sondern hängt meist gerade nach unten, charakteristisch ist die schwarze Schwanzspitze. Wölfe besitzen hellgelbe bis gelbgrüne Augen, während Hunde-Augen braun sind. Im Vergleich zum Hund hat der Wolf deutlich kleinere, dreieckige Stehohren. Seine Größe beträgt dafür stattliche 80cm - mehr als die meisten wolfsähnlichen Hunderassen.

Hund und Wolf – Ernährungsbedürfnisse und Jagdtrieb

In anderen Bereichen haben Hund und Wolf allerdings noch verblüffende Gemeinsamkeiten. So ähnelt die Hunde-Ernährungsphysiologie immer noch enorm der des Wolfs, denn der Organismus des Hundes hat sich in dieser Hinsicht seit der Domestikation nur wenig verändert. Ein Hund hat also immer noch sehr ähnliche Ernährungsbedürfnisse wie ein Wolf, und viele der Fressgewohnheiten, die wir von unseren Hunden kennen, sind auch bei Wölfen zu beobachten. So sind Wölfe von Natur aus Schlingfresser, deren flexibler Kehlkopf und dehnbarer Magen für das schnelle Schlingen unzerkauter Nahrung ideal sind. Auch Hunde schlingen ihre Nahrung oft, was bei der Fütterung von Hunde-Trockenfutter problematisch sein kann.

Den Jagdtrieb haben unsere Hunde von Stammvater Wolf geerbt. Viele Sequenzen der Jagd sehen wir heute bei unseren Hunden, sei es beim Spiel oder bei der Sichtung von Wild: Das Fixieren, das Heranpirschen, das Hetzen. Biologisch Funktionale Jäger sind Hunde jedoch nicht mehr. Der Tötungstrieb fehlt den meisten Hunden, und selbst wenn ein Hund Wild erlegt, beißt er willkürlich und ohne die kraftvolle Präzision eines Wolfes zu.

 

 

Im Bereich der Hunde-Erziehung wird es immer beliebter, sich auf die vermeindlichen Regeln eines Wolfsrudels zu beziehen und eine Erziehungsmethode deshalb als besonders artgerecht und für den Hund nachvollziehbar zu propagieren. Hier ist jedoch Vorsicht gefragt, denn zum einen sind unsere Hunde keine Wölfe mehr, ihre Lebenssituation unterscheidet sich fundamental von der freilebender Wölfe.

Hund und Wolf – echte Leitwölfe sind sehr gelassen

Einige Behauptungen fußen darüber hinaus auf falscher Beobachtung oder Deutung. Das vielgepriesene „Nackenschütteln zur Disziplinierung“ wird von Wölfen beispielsweise keineswegs bei ihrem Nachwuchs praktiziert. Das Nackenschütteln ist eine Handlung aus dem Jagdrepertoire und dient dazu, Beute zu töten – bei Welpen kann eine solche Zurechtweisung zu einem großen Vertrauensverlust führen. Wölfe maßregeln ihren Nachwuchs durch Ignorieren, einen Schnauzgriff oder das vorsichtige, aber nachdrückliche Umschubsen und Auf-den-Rücken-Drehen.

Auch die Behauptung, dass ein „Leitwolf“ die absolute Kontrolle über alle Ressourcen haben und jederzeit dominant sein muss, ist eine Mär: Jedes Wolfsindividuum verteidigt die Ressourcen immer nach persönlicher Interessenlage und unabhängig vom Rangstatus. Ein Leittier setzt sich zwar insgesamt häufiger durch, tut das aber keineswegs durch ständiges Pochen auf seine Autorität. Im Gegenteil kann ein Leitwolf sich auf souveräne Weise großzügig zeigen, während das ständige Demonstrieren von Dominanz eher ein Hinweis auf Führungsschwäche ist. Die selbstverständliche Gelassenheit eines echten Leitwolfs ist auch eine ideale Ausgangsposition für die Hunde-Erziehung. (je)

 

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