Wölfe in Deutschland

Wolf wird wieder heimisch

Wölfe waren in Deutschland fast zweihundert Jahre lang vollständig ausgerottet. Im Jahr 2000 wurden erstmals wieder freie Wolfswelpen in Deutschland geboren. Heute leben bei uns sieben Wolfsfamilien. Wird der Wolf bald zu unserem Alltag gehören?

 

Vor rund zehn Jahren brachte eine Wölfin in Deutschland Welpen zur Welt – in Freiheit, erstmals seit fast zweihundert Jahren! Eine Nachricht, die seinerzeit für Gänsehaut sorgte – bei den einen, weil sie so bewegt waren über dieses wunderschöne Zeichen der Rückkehr des Wolfes. Bei den anderen, weil sie sich dunkel an alte, furchteinflößende Ammenmärchen erinnerten.

Kein Wunder, waren wir doch ohne jede eigene Erinnerung an freilebende Wölfe aufgewachsen und kannten diese faszinierenden Tiere nur aus Wildparks – oder eben dem Grimmschen Märchen Rotkäppchen. 150 Jahre lang gab es keine freien Wölfe auf Deutschem Boden, nur noch selten und vereinzelt durchstreiften sie unsere Wälder. Der letzte, einsame Wolf wurde 1904 in der Lausitz zur Strecke gebracht. Mittlerweile sind Wölfe durch nationales und internationales Recht streng geschützt. Weltweit gibt es schätzungsweise etwa 150.000 – 200.000 Wölfe – als Vergleich: Alleine in Deutschland leben über 5,3 Millionen Haushunde.

Wölfe sind vorsichtig und menschenscheu

Schätzungen zufolge leben mittlerweile etwa 50 freilebende Wölfe bei uns. Dass wir auf unserem Spaziergang mit dem Hund plötzlich Aug' in Aug' einem Wolf gegenüberstehen, ist nicht zu befürchten, denn Wölfe sind scheu und meiden den Menschen. Das, geben Wissenschaftler zu bedenken, ist allerdings kein natürlicher Instinkt des Wolfes. Vielmehr hat sich die Scheu vor Menschen durch natürliche Selektion entwickelt: es ist nachvollziehbar, dass in den letzten 200 Jahren nur die vorsichtigsten und zurückhaltendsten Tiere überleben und sich fortpflanzen konnten. Deshalb sollten auch Wolfs-Freunde davon absehen, die freilebenden Tiere an den Menschen zu gewöhnen, indem etwa Futterreste ausgelegt werden. Halbzahme Wölfe und Wolfshybriden könnten zu Konflikten führen.

Denn ihre natürliche Scheu ist der größte Schutz der Wölfe und eine Voraussetzung für die friedliche Ko-Existenz. Ernsthaftes Gefahrenpotential für den Menschen ging in den vergangenen Jahrhunderten höchstens von tollwütigen Wölfen aus. Glücklicherweise ist Tollwut heute dank umfassender Impfungs-Aktionen kein Thema mehr. Da Wölfe sehr große Territorien benötigen, werden sie in Deutschland niemals zu den häufig anzutreffenden Waldbewohnern gehören. Übergriffen auf Nutztieren kann mit dem Einsatz von Herdenschutzhunden oder Elektrozäunen begegnet werden. Auch Lamas sind exzellente Wolfs-Wächter! Kommt es doch einmal dazu, dass Wölfe Nutztiere reissen, leistet der Staat nach dem aktuellen Wolfsmanagement-Plan Entschädigung.

 

Wölfe sind in Deutschland willkommen

Die Rückkehr der Wölfe ist in Deutschland größtenteils sehr positiv aufgefasst worden, die Beliebtheit des faszinierenden Raubtiers wächst stetig an. In der Tat ist die Wieder-Ansiedlung der Raubtiere für uns ein großer Gewinn. Wölfe sind unverzichtbar für das ökologische Gleichgewicht von Flora und Fauna. Ein Experiment mit ausgewilderten Wölfen im Greater Yellowstone Ecosystem in den U.S.A. zeigte, dass nach der Wieder-Ansiedlung der Wölfe die Vielfalt der Tierarten deutlich zunahm. Wölfe sind opportunistische Beutegreifer, sie ernähren sich vorwiegend von den Tieren, die es besonders häufig gibt oder die aufgrund von Krankheit oder Alter leichte Beute sind. Damit übernehmen sie die wertvolle Rolle einer natürlichen Gesundheitspolizei. Die Zahl der Wölfe wird durch die Häufigkeit ihrer Beutetiere auf natürliche Weise reguliert.

Derzeit gibt es nur in wenigen Bundesländern Wölfe – in Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklemburg-Vorpommern und in Hessen wurden Wölfe nachgewiesen. Da Wölfe große Anpassungskünstler sind, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie auch in den anderen Bundesländern heimisch werden. Von Beutetieren wie Rehe, Hirsche und Wildschweine gibt es fast überall enorme Populationen. Rückzugsorte finden Wölfe in größeren Waldgebieten oder auf alten, verlassenen Militäranlagen.

Wölfe brauchen unsere Unterstützung

Die wichtigste Bedingung ist jedoch eine offene und aufgeklärte Einstellung der Bevölkerung zum Wolf – fernab von abergläubischer Furcht oder verklärter Euphorie. Die Tragödien der letzten Jahrhunderte dürfen sich nicht wiederholen. Wolfs-Organisationen wie die Gesellschaft zum Schutz der Wölfe, das Wolfsbüro Lausitz und das NABU-Projekt Willkommen Wolf haben sich dieser Aufgabe verschrieben. Wer aktiv dabei helfen möchte, kann das beispielsweise mit einer Wolfs-Patenschaft tun. Wem das nicht reicht, kann als Wolfs-Botschafter aktiv vor Ort mit Aufklärungsarbeit Unterstützung leisten – damit der Wolf wieder ein natürlicher, wenn auch unsichtbarer Teil unseres Lebens wird. (je)

 

Fotos: Wolfsbüro Lausitz, S.Koerner/NABU Willkommen Wolf, S.Zibolsky

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