Herdenschutzhunde

Hunde sind der effektivste Schutz vor Wölfen

Hunde werden bereits seit vielen Jahrhunderten dazu eingesetzt, Viehherden vor Raubtieren und Dieben zu schützen. Seit der Wolf in unsere Breiten zurückgekehrt ist, erinnert man sich auch bei uns wieder an die Dienste der Herdenschutzhunde.

In der weiten Landschaft der Pyrenäen schreiten sie majestätisch an den Rändern ihrer Herde entlang. Wenn sie sich zur Ruhe legen, sind sie kaum von den Schafen zu unterscheiden – doch ihre Sinne sind immer wachsam. In Frankreich, Polen, Bulgarien und Italien werden Herdenschutzhunde schon seit Jahrhunderten zum Schutz von Nutztieren vor Raubtieren, aber auch vor menschlichen Dieben eingesetzt.

Auch bei uns sieht man Vertreter dieser Hunde-Rassen manchmal, dann jedoch vorwiegend als Begleithunde. Jahrhunderte auf ihre Fähigkeiten hin selektiert, sind Herdenschutzhunden als normale Familienhunde jedoch oft nicht unproblematisch. Denn Pyrenäenberghund, Kangal, Kuvasz, Ovcharka und Maremma sind sehr eigenständig, instinktsicher – und mutig genug, im Zweifelsfall auch einem großen Raubtier gegenüber zu treten.

Herdenschutzhunde schützen durch ihre Anwesenheit

Doch soweit kommt es meist erst gar nicht. In der Regel genügt schon die Anwesenheit eines Herdenschutzhundes, um Feinde abzuwehren. In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde dokumentiert, dass von Hunden bewachte Herden nicht von Wölfen angegriffen wurden  – obwohl die Wölfe regelmäßig in die Nähe der Herde kamen. Allerdings gab es auch keinerlei körperliche Auseinandersetzung – die Präsenz der Herdenschutzhunde reichte bereits aus, um das Interesse der Wölfe erlöschen zu lassen.

Ein Herdenschutzhund zeigt seine Präsenz durch das Markieren des Territoriums und imponierendes Auf- und Abschreiten. Alles, was ihm verdächtig erscheint, meldet er mit eindrucksvollem Gebell. In Ländern, in denen Herdenschutzhunde eine lange Tradition haben, berichten die Hirten in ausgeschmückten Erzählungen von den kämpferischen Heldentaten ihrer Hunde – dies sollte man jedoch nicht allzu ernst nehmen, denn ein Kampf zwischen Herdenschutzhund und Wolf ist die absolute Ausnahme. Dennoch: Wenn es sein muss, tritt der Herdenschutzhund auch mutig zwischen einen Bären und seine Herde.

Herdenschutzhunde wachsen in der Herde auf

Diese unbedingte Loyalität seiner Herde gegenüber ist das Ergebnis jahrhundertelanger Selektion und sorgsamer Aufzucht. Die meisten Herdenschutzhunde werden bereits in der Schafsherde geboren. Oft wirft die Hündin ihre Welpen bei den Lämmern, denn so wachsen die Hundewelpen bereits mit den Lämmern als Sozialpartner auf. Spätestens jedoch mit der 8. Lebenswoche muss die Sozialisation mit den Schafen beginnen – denn sie werden die wichtigsten, ja die einzigen Sozialpartner des Herdenschutzhundes.

Die Prägung auf Menschen bleibt eher nebensächlich. Natürlich müssen Herdenschutzhunde hierzulande auch den Kontaktknigge mit anderen Hunden, Radfahrern, Joggern und Wanderern lernen, doch in erster Linie sollen sie ein Teil der Herde werden, ihr überall hin folgen. Die Bindungsfähigkeit des Herdenschutzhundes an den Menschen, seine Unterwerfungs- und Lernbereitschaft sind daher nicht sehr stark ausgeprägt. In manchen Regionen bleiben Hunde und Schafe wochenlang sich selbst überlassen, deshalb müssen Herdenschutzhunde unabhängig und selbstständig sein.

Herdenschutzhunde sind deshalb, wie man sich sicher vorstellen kann, nicht gerade die richtigen Hunde für Hunde-Tricks oder Hundesport. Dennoch kann auch ein Herdenschutzhund, je nach Rasse, Aufzucht, Prägung, Hunde-Erziehung und Haltungsbedingungen, ein wundervoller Familienhund sein. Wer mit dem Gedanken spielt, einen Herdenschutzhund vom Züchter oder aus dem Tierschutz aufzunehmen, sollte sich in jedem Fall umfassend von fachkundigen Herdenschutzhunde-Experten beraten lassen und seine Fähigkeit, einem solchen Hund gerecht werden zu können, sorgsam prüfen. (je)

...

Weitere Artikel zum Thema: