Interview mit Stefanie Momm

"Terror-Krümmel" und "Drama-Queen" 

Anlässlich der New Yorker Pet Fashion Week - der New Yorker Tiermode-Woche - sprachen wir mit Stefanie Momm, Inhaberin von "LuxuryDogs" in Hamburg-Winterhude und somit einer Top-Expertin für Hunde-Mode. Stefanie Momm ist eine echte Hundenärrin, die selbst drei Vierbeiner hält, von denen Sie zwei auf den nebenstehenden Fotos zu sehen sind.

 

Stadthunde.com: Guten Tag, Frau Momm. Schön, dass Sie sich die Zeit nehmen, uns ein paar Fragen zum aktuellen Trend der immer umfangreicher werdenden Hundebekleidungsartikel zu beantworten.
 
Ist das, was beispielsweise auf der New Yorker Tiermode-Woche, der Pet Fashion Week, gezeigt wurde, einfach ein kurzzeitiger Hype, oder wird sich dies dauerhaft weiterentwickeln?  

 

Stefanie Momm: Ich denke nicht, dass die Mode, die auf der New Yorker Pet Fashion Week gezeigt wird, wirklich tragbar ist. Man muss sich das ähnlich wie bei den Pret-a-Porter-Schauen der Modelabel in Paris vorstellen – die auf dem Laufsteg gezeigten Modelle sind hier auch nicht unbedingt alltagstauglich.

 

Stadthunde.com: Können Sie am Kauf- oder Nachfrageverhalten Ihrer Kundschaft bereits jetzt abschätzen, ob und wie die zum Teil wirklich sehr skurril wirkenden „Bekleidungsobjekte“ und Accessoires ankommen werden?


Stefanie Momm: Wie schon eben erwähnt, glaube ich nicht, dass diese wie Sie es nennen „Bekleidungsobjekte“ irgendwann wirklich käuflich zu erwerben sind oder gar von den Hunden beim Gassigehen getragen werden. Und erst recht nicht in Deutschland – hier sind die Tierbesitzer noch deutlich zurückhaltender in Sachen Hundebekleidung als in Amerika oder Japan.

 

Stadthunde.com: Gibt es denn auch  bei uns in Deutschland die Klientel, die ihre Hunde in sündhaft teuren schwarzen Samt hüllen?

 
Stefanie Momm: In Deutschland gibt es tatsächlich Hundebesitzer, die Ihre Vierbeiner gerne mit echtem Nerzmantel oder in sündhaft teure Maßanfertigungen kleiden, gerne dann auch im Partner-Look Frauchen / Hund. Diese Klientel besteht jedoch aus einigen wenigen Kunden, die dann die entsprechende Bekleidung von dem Schneider ihres Vertrauens anfertigen lassen.

 

Stadthunde.com: Eine Hundedame in rosa Daunenjacke mit Strass- und Glitterbesatz, Hochzeitskleider in Weiß und Rosé, Smoking inklusive Zylinder, oder aber auch Fliegerjacke aus Leder. Werden Hunde in solchen Outfits zunehmend zum Stadtbild gehören, oder weiter die Ausnahme bleiben?

 

Stefanie Momm: Hundebekleidung wird in jeden Fall zunehmend zum Stadtbild gehören. Viele Hunderassen haben kein Unterfell und frieren somit schnell bei kaltem und feuchtem Wetter. Früher gab es für diesen Fall nur den „Standard-Hundemantel“, heute ist das Angebot deutlich vielfältiger und vor allem auch modischer geworden. Wobei Hochzeitskleider und Smokings hauptsächlich für Hochzeiten der Hundebesitzer gekauft werden und die Tiere die Kleidung dann nur kurz für Fotoaufnahmen tragen. Zum Stadtbild wird diese Art von Hundebekleidung also auch in naher Zukunft nicht zählen.

 

Stadthunde.com: Gibt es mittlerweile, so wie bei uns Menschen, Saisonprodukte, wie etwa Sonnebrillen, Bademode, oder Strandkleider und Winterstiefel?

 

Stefanie Momm: Es gibt auch im Hunde-Segement Saisonprodukte wie z. B. Sonnenbrillen, die allerdings kein modisches Accessoire darstellen sollten, sondern den Hund beim Cabrio-Fahren vor Zugluft oder bei der Bergwanderung vor grellem UV-Licht schützen sollen. Winterstiefel können sinnvoll sein, wenn der Hund z. B. eine Verletzung an der Pfote hat oder aber das gestreute Salz im Winter Schmerzen an  den Pfoten verursacht. Von Bademonde oder anderen aus der „Menschen-Welt“ adaptieren Accessoires, die nicht wirklich einen Zweck erfüllen, distanzieren wir uns. So verkaufen wir weder Bikinis für Hunde noch Nagellack oder ähnliches.

 

Stadthunde.com: Seit einiger Zeit voll im Trend sind diverse Hundesportarten, wie Agility, Discdogging, Dogdance, Clicker und Obedience. Wie sieht es hierzu mit den Outfits für die Vierbeiner aus? Gibt es auch schon umfangreiche Sportausstattungen?

 

Stefanie Momm: Sportausstattungen für Hunde im Sinne von Sportbekleidung gibt es noch nicht. Es gibt zwar Kapuzen-Sweater, die an unsere Sportbekleidung erinnern, diese sind aber eher für kleine Hunde, die im Winter schnell frieren. Die von Ihnen benannten Sportarten werden meist von größeren Hunden ausgeführt, die – wenn Sie nicht krank oder frisch operiert sind – im Regelfall ein ausreichend dichtes Fell haben und somit auch nicht frieren. Schon gar nicht, wenn Sie Sport treiben.

 

Stadthunde.com: Goldene Halsbänder mit Diamantbesatz oder Fressnäpfe in hochwertigen Materialien gibt es ebenfalls in einer schier unglaublichen Vielfalt. Mögen Sie uns verraten, welche Zielgruppe mit derartigen Produkten angesprochen wird und aus welchen Gesellschaftsschichten die Kunden stammen, die sich diesen Luxus für Ihre Hunde leisten?

 

Stefanie Momm: Meistens sind es Frauen, die Ihren Vierbeinern auch ein wenig Glamour bieten möchten. Dieser Trend zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten und jedes Alter. Von dem kleinen Mädchen, das sich für Ihren Hund ein rosa Glitzerhalsband wünscht,  bis zu der älteren Dame, die selbst auch gerne funkelnde Steine trägt. Männer bevorzugen da meist etwas schlichtere Dinge. 


Stadthunde.com: Die Damen unter den Vierbeinern. Wie voll ist deren Schuhschrank?

 

Stefanie Momm: Schuhe bilden da noch die Ausnahme und sollten einem Hund auch nur angezogen werden, wenn er Beschwerden bzw. Verletzungen hat. Somit werden die meisten Schuhschränke der weiblichen Hundedamen nur wenige Paare enthalten und nicht mit denen Ihrer Frauchen konkurrieren können...

 
Stadthunde.com: Haben Sie selbst eigentlich einen Hund und wenn ja, was für einen?

 

Stefanie Momm: Ich selbst habe drei Hunde. Einen Bologneser, einen Malteser und einen Havaneser-Mischling. Das war nicht ganz so geplant. Aber im Laufe der Jahre habe ich zwei kleine Rüden aufgenommen, die Problemhunde waren und in Tierheimen abgegeben werden sollten. Jetzt fühlen sich alle in ihrem kleinen Rudel rundum wohl und tollen munter durch die Welt.

 

Stadthunde.com: Welche Trends machen Ihre Hunde denn so mit? Dienen sie Ihnen auch ein wenig bei der Einkaufsberatung?

 

Stefanie Momm: Meine Hunde sind meine besten Einkaufsberater. Alle Artikel, die wir verkaufen, werden von Ihnen ausgiebig getestet. Und was nicht für gut befunden wird, kommt nicht in das Sortiment. Das fängt bei Leckerlis und Spielzeug an und hört bei Kuschelbetten und Hundekleidung auf. Zwei meiner Hunde haben kein Unterfell und haben früher im Winter sehr gefroren. So blöd es klingt, aber jetzt freuen Sie sich richtig, wenn ich vor dem Gassigehen bei Minusgraden einen Pullover hole – endlich kein Zittern mehr!


Stadthunde.com: Frau Momm, eine Frage zum Schluss: Auf welchen Trend müssen wir uns für das kommende Jahr einstellen? Was muss Hund tragen, wenn er „In“ sein will?

 

Stefanie Momm: Im Trend sind ausgefallene Brustgeschirre aus Stoff, die mit individuellen Texten wie z. B. TERROR-KRÜMEL oder DRAMA QUEEN versehen sind und somit lustige Rückschlüsse auf den Charakter des Hundes zulassen. Im  Bereich der Hundemode sind Drucke im Tatoo-Stil, wie wir  sie z. B. von Ed Hardy kennen, im kommen. Alles in allem sollten jedoch die Funktionalität des Bekleidungsstückes und der Wohlfühl-Faktor des Hundes im Vordergrund stehen. Also unbedingt vor dem Kauf von Hundemode ausprobieren, ob der Hund sich gut bewegen kann und es auch mag, Kleidung zu tragen.

 
Stadthunde.com: Frau Momm, vielen Dank für das ausführliche und informative Gespräch! (ar)

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