Hunde-Bekleidung: Sinn und Unsinn

Hunde-Mode: Top oder Flop?

Hundebekleidung – dieses Thema erhitzt die Gemüter. Und irgendwo zwischen nüchtern-pragmatischer Funktionalität und glitzernd-sinnfreier Mode steht – der Hund! 

Ist Hundebekleidung nun der Gipfel der Albernheit oder eine sinnvolle Sache, die sich etablieren wird? Ist sie sinnvolle Unterstützung oder lediglich ein Auswuchs der Dekadenz? Diese Frage polarisiert Hundehalter. Das war schon immer so, und wer einen Blick in die Geschichte der Hundebekleidung wirft, erkennt den Grund: Hundebekleidung bewegte sich stets zwischen Funktionalität und Prestige – lediglich die Unterscheidung ist heute schwieriger als früher.

Hundebekleidung: Outdoor-Jacke oder Kroko-Outfit?

Denn dekorative Hunde-Mode nimmt immer mehr Rücksicht auf die natürlichen Bedürfnisse des Hundes, und funktionelle Bekleidung wird immer modischer – die Grenzen werden fließend. Und macht es für einen Hund, der das Tragen eines Wintermantels gewöhnt ist, wirklich einen Unterschied, ob er eine zwingend notwendige Outdoor-Jacke gegen die Kälte trägt oder eine gut sitzende, pinkfarbene Jacke aus künstlichem Kroko-Leder mit Svarowski-Steinen?

Die meisten Hundehalter sind sich Umfragen zufolge einig: Funktionelle Bekleidung, schicke Halsbänder, Leinen und Geschirre „ja“, überkandidelter Pomp und Putz „nein“. Wenn Image wichtiger ist als das Wohlbefinden des Hundes, ist das eindeutig schlecht für das Image, jedenfalls unter echten Hundefreunden. Denn, glücklicherweise: Artgerecht ist Trend!

Hundebekleidung: Vermenschlichung, Instrumentalisierung oder nur ein Gag?

Beim Thema Hundebekleidung allgegenwärtig ist der Vorwurf der Vermenschlichung. Aber wo fängt Vermenschlichung an? Beim Dirndl, das der Vierbeiner zum Oktoberfest anzieht? Oder bereits beim Halsband, das in der Lieblingsfarbe gekauft wird? Und ist Vermenschlichung an und für sich eigentlich schlimm, so lange der Hund nicht darunter leidet? Ist Hunde-Mode eine sträfliche Instrumentalisierung des Hundes oder nur ein Gag, den sogar der Hund genießt?

Hundebekleidung ist eine individuelle Frage. Hardliner bezeichnen sogar den wärmenden Wintermantel als verweichlichenden Schnickschnack, während Halter eines empfindlichen oder kranken Hundes oder eines Hunde-Seniors ihren Wintermantel meist nicht mehr missen möchten. Wie viel Unterstützung ein Hund wirklich braucht, kann sein Halter letztlich am Besten beurteilen.

 

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Hundebekleidung: Hund passend zum Outfit?

Dasselbe gilt auch für die Modefrage: Für einen stoischen Mops ist es vielleicht kein Verlust an Lebensqualität, wenn er ein gut passendes Kroko-Outfit trägt  – ein anderer Hund würde in demselben Outfit vielleicht Panikattacken erleiden. So lange es den Hund, objektiv betrachtet, nicht stört, bleibt die Sache mit der Hunde-Mode eine Geschmacksfrage und die Frage um die Verfechter von Hunde-Mode keine des Tierschutz, sondern der persönlichen Sympathie.

Problematisch daran ist, dass die Objektivität von Hundemode-Narren oft in Frage gestellt werden muss. Wenn die eigene Belustigung wichtiger ist als das Wohlbefinden des Hundes; wenn der Hund  zur Projektionsfläche wird und seine natürlichen Bedürfnisse dabei nicht mehr wahrgenommen werden, widerspricht das unserer modernen Auffassung von einer artgerechten Hundehaltung.

Promi-Damen, die ihre Hunde passend zu ihrem Outfit aussuchen – und auch wieder ablegen – sind deshalb bei echten Hundefreunden genauso wenig beliebt wie einst die feinen Damen der Pariser Gesellschaft, die ihre Hunde färbten, damit sie zur Promenadengarderobe – und dem Teint! - passten. (je)

 

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