Die Hunde der US-Präsidenten - Teil 4

Wer folgt auf Bushs Scotch-Terrier Barney?

Derzeit hat Barney das weiße Haus noch ganz für sich alleine. Der kleine Scotch-Terrier ist der offizielle Nachfolger von Spot, dem ersten Hund George W. Bushs. Unlängst hat Bush vor laufender Kamera Barneys Beistand beschworen: Und wenn Barney und seine Frau Laura seine letzten Unterstützer wären, würde er seine Truppen nicht vorzeitig aus dem Irak zurückziehen, gab er grimmig bekannt. Es war sicherlich nicht seine Intention – doch Bush gab damit einen Hinweis darauf, was es mit dem First Dog auf sich hat, warum an der Seite jedes mächtigen Mannes ein Hund sein muss.

 

Der Hund steht für Loyalität und Hingabe

 

Seit Menschengedenken ist der Hund ein symbolisch hoch bedeutsames Tier. In der Bibel leckt er Lazarus' Geschwüre, in der Sage befreit er den heiligen Rochus von der Pest  – stets steht der Hund für absolute Hingabe und unerschütterliche Loyalität. Hundehalter wissen, dass dies sein natürliches Naturell widerspiegelt. War früher der Löwe das Symbol der einsam und absolut herrschenden, gilt heute der Hund als symbolischer Gegenpol eines modernen Machtinhabers in einem demokratischen System.

 

Der Hund steht bildhaft für die partnerschaftliche Treue des Volkes einem klugen und gerechten Staatsoberhaupt gegenüber. Er symbolisiert also nicht nur den Machtanspruch, sondern gleichzeitig auch die Pflichten des gewissenhaften Staatsmannes – und damit die ideale Beziehung zwischen Machtinhaber und Volk. Gleichzeitig trifft der Hund selbst an der Seite eines Präsidenten emotional voll ins Schwarze. Der Vierbeiner soll verdeutlichen, wie menschlich, aber auch, wie verantwortungsbewusst und fair diese Persönlichkeit ist - wird sie doch von ihrem Hund geliebt.

 

Kein Wunder also, dass Präsidenten gerne einen First Dog an ihrer Seite wissen, zumal der vierbeinige Liebling der Nation wunderbar dafür geeignet ist, wahlweise Projektionsfläche oder strategisches Ablenkungsmanöver zu bieten – so wie Checkers oder Fala, die die Karriere ihres Herrchens gerettet haben. Dabei ist aber beileibe nicht jeder Hund für diesen ganz besonderen Job geeignet. Kann man sich einen strahlend lächelnden amerikanischen Präsidenten mit einem American Staffordshire-Terrier an der Leine vorstellen? Würden einem Präsidentschaftskandidaten mit einem Rudel Rottweiler die Stimmen zufliegen?

 

First Dogs müssen ein tadelloses Image haben

 

Die First Dogs waren Spaniel, Scotchterrier, Labradore, Setter oder Pudel, also alles Hunderassen mit blütenweißer Weste und tadellosem, familienfreundlichen Image. Rassen, die in der kritischen Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit stehen, sind tabu. Dasselbe gilt für Rassen, die mit bestimmten anderen Persönlichkeiten in Verbindung gebracht werden. So würden zweifellos sämtliche Imageberater einen Herzinfarkt bekommen, sollte ein Präsident plötzlich sein Herz an einen Deutschen Schäferhund verlieren – ist doch bekannt, dass Adolf Hitler einen Deutschen Schäferhund namens Blondie besaß. Auch Corgis, die geradezu symbolisch für die englische Königsfamilie stehen, oder andere Rassen, die vorzugsweise von Monarchen als Statussymbol gehalten wurden, werden sorgsam gemieden.

 

Denn die Idee des Hundes als Symbol einer Machtposition ist keineswegs neu. Zu allen Zeiten zeigten sich die Herrschenden gerne mit Tieren, seien es exotische Affen oder Elefanten, die von weiten Reisen und Eroberungen kündeten; wilde Raubkatzen, die den absoluten Machtanspruch demonstrierten, oder eben Hunde. Auf Gemälden ließen sich Adelige oft mit dem  Lieblingsjagdhund abbilden - wobei der Hund wohl weniger als Partner zu verstehen war als vielmehr als Symbol der Jagd zu Pferd, die ja ausschließlich dem Adel vorbehalten war. Hier wurde der Hund genutzt, um die distanzierte Überlegenheit dem einfachen Volk gegenüber zu betonen.

 

Queen Victorias Hunde sorgten für mehr Nähe zum Volk

 

Die Revolution in Sachen First Dogs fand jedoch nicht in Amerika, sondern in Großbritannien statt: Queen Victoria war eine wahre Hundenärrin und versammelte Hunde schlichtweg deshalb um sich, weil sie sie abgöttisch liebte. Sie gründete den ersten Tierschutzverein der Welt und war auch züchterisch tätig. Ihre Hunde waren für sie unverzichtbares Modeaccessoire und umsorgte Gefährten in einem, sie teilten mit ihr die königlichen Räumlichkeiten, Sofas, Betten und Sessel und wurden sogar von einem Maler auf Leinwand gebannt. Dem englischen Volk waren ihre Hunde namentlich bekannt und ein beliebtes Gesprächsthema – ein Novum, sorgten die Vierbeiner doch plötzlich für mehr Nähe zum Herrschenden, anstatt für Distanz. So gestaltete sich die erste Dreiecksbeziehung zwischen Volk, Hund und Herrscher, und es war nahe liegend, die vierbeinigen Lieblinge der Nation direkt für die Public Relations einzuspannen.

 

Ob die First Dogs der amerikanischen Präsidenten auch Sofa, Sessel und Betten Ihrer Herrchen teilen, ist wohl eher fraglich. Ernüchternde Gerüchte besagen, dass die meisten modernen First Dogs in der Realität den präsidialen Angestellten, die sie versorgen, näher stehen als dem Staatsoberhaupt selbst. Trotzdem ist kaum anzunehmen, dass das Leben als First Dog heutzutage trist und trostlos ist – ganz im Gegenteil.

 

Und in Sachen Öffentlichkeitsarbeit haben die Vierbeiner die Nase immer noch ganz weit vorn: Auf der Internetpräsenz des Weißen Hauses werden Kinder vom virtuellen Pendant Barneys durch die Räumlichkeiten des Präsidenten geführt, und Hillary Clintons Buch „Dear Socks, dear Buddy“ wurde ein voller Erfolg. Und ganz gleich, ob bald ein Pudelwelpe im Präsidentensitz herumtollen wird oder ein anderer Vierbeiner – man darf davon ausgehen, dass das Weiße Haus nicht ohne den obligatorischen Hund bleiben wird. Seien Sie also gespannt auf die neuen Anekdoten vom Vierbeiner der Nation – wir werden natürlich taufrisch darüber berichten. (je)
 

 

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