Tier-Physiotherapeutin Tina Lintl im Interview

Hunde leiden an vielen Erkrankungen: Oft betroffen sind Muskeln und Gelenke. Wie in der Humanmedizin kann auch beim Tier zusätzlich zur tierärztlichen Behandlung die Physiotherapie helfen. Tina Lintl ist Tier-Physiotherapeutin – mit uns sprach Sie über Ihre Arbeit.

 

Stadthunde.com: Was haben Sie für eine Ausbildung gemacht? Worauf sollte man bei einer fundierten Ausbildung zum Physiotherapeuten achten?

 

Tina Lintl: Ich habe zuerst eine Ausbildung zur Tier- heilpraktikerin gemacht, um mein Wissen über Tiere und Krankheiten zu schulen. Danach bzw. zeitgleich habe ich eine Ausbildung zur Kleintier-physiotherapeutin begonnen, sprich nicht nur für Hunde.

 

Wichtig ist, dass bei der Ausbildung die Gesamtheit des Tieres in Betracht gezogen wird und auch an kranken Tieren gearbeitet wird. Wenn man Glück hat wäre es auch schön, so wie in meinem Fall, da ich meine Ausbildung in einer Tierklinik gemacht habe, wenn man auch bei Operationen dabei sein kann und Fälle, wie Bandscheiben- ,oder Meniskusoperationen hautnah miterleben kann.
Dadurch entwickelt man ein ganz anderes Gefühl für den kleinen Patienten und seine Sorgen.

 

Stadthunde.com: Wo liegen Ihrer Meinung nach die Schwerpunkte & Möglichkeiten bei der Physiotherapie?

 

Tina Lintl: Die Schwerpunkte in der Physiotherapie liegen wie auch in der humanen Physiotherapie auf der Wiederherstellung und Mobilisierung des Hundes. Die Möglichkeiten sind sehr weitläufig auch bei den Hunden, angefangen von der klassischen manuellen Therapie, bis hin zur Elektrotherapie, Ultraschall, Wasserbecken und dann noch den vielen schönen Hausaufgaben die ich meinen Patienteneltern mit nach Hause gebe, denn auch die müssen Ihren Teil dazu beitragen und sind sehr wichtig dafür!


Stadthunde.com:
Physiotherapie beim Hund – können Sie uns anhand eines konkreten Beispiels aus Ihrer Praxis erklären, wie man dem Hund helfen kann?

 

Tina Lintl: Vorbeuge ist immer etwas schwierig, wenn man es den Leuten nicht zeigt. Die beste Vorbeuge ist ausgewogenen Ernährung und Bewegung, auch alte Hunde, denn wer rastet, der rostet... und daher sollte man alte Tiere auch nicht unbedingt schonen. Nicht zuviel auf den Hüften ist ganz wichtig, da das immer auf die Gelenke geht und dann im Alter immer schmerzhaft wird. Aber nicht nur im Alter, vorallem dann auch, wenn es nach nach Unfällen wieder heilen soll, tut der Hund mit weniger auf den Hüften sich deutlich leichter wieder auf die "Beine" zu kommen, als der Hund mit mehr auf den Hüften!

 

Beim kranken Hunde würde ich das immer mit dem Physiotherapeuten speziell auf den einzelnen Hund absprechen und mir ein individuelles Programm geben lassen, so wie beim Menschen auch!


Stadthunde.com: Sehen Sie die Physiotherapie als Begleitung zur tierärztlichen Behandlung oder gibt es durchaus auch die Möglichkeit, gesundheitliche Probleme bei Hunden allein durch Physiotherapie in den Griff zu bekommen?


Tina Lintl:
Da kommt es immer auf den Fall drauf an...im Falle einer Nachbehandlung einer Operation ist die Physiotherapie eine sehr gute Begleitung für die tierärztliche Behandlung. Will man seinem Hund aber einfach nur ab und an was gutes tun und ihn mit Massagen verwöhnen lassen, oder aber auch ältere Hunde wieder mobiler zu machen, dann kann das auch gut ohne tierärztliche Behandlung sein. Wie gesagt dies kommt immer auf den einzelnen Fall an und muss vorher mit dem Besitzer gut abgesprochen werden und in einer Anamnese geklärt werden. Es gibt aber auch durchaus Fälle, welche man allein durch Physiotherapie wieder in den Griff bekommt.

 

Stadthunde.com: Kann man sagen, dass bevorzugt ältere Hunde zu Ihnen kommen, oder trifft es auch die jüngeren Hunde?


Tina Lintl: Definitiv nicht. Mein jüngster Fall war eine kleine Bulldogge, die im Park einen Abhang hinunter gekullert war und sich das Bein gebrochen hatte im Alter von 8 Monaten! Um ein gutes und gesundes Wachstum zu garantieren kam sie nach der Operation zu mir in Behandlung...heute springt sie munter wieder durch den Park. Der älteste Patient war ein 16jähriger Schäferhund bzw. eine 17jährige Katze...es gibt also kein junges, oder altes Alter für Physiotherapie!

Stadthunde.com:
Haben Sie einen praktischen Tipp, durch den jeder seinem Hund zu mehr Entspannung verhelfen kann?


Tina Lintl: Ich würde auf jeden Fall Fahrradfahren auf Asphalt vermeiden, wenn dann auf einem weichen Untergrund, denn das ist, als würden wir Barfuß bei 50Grad auf Asphalt laufen müssen und wer will das schon gern...immer einen weichen Untergrund suchen..am besten sind Waldwege, oder Wiesen! Wenn es geht auch Halsbänder vermeiden und die Hunde nicht unbedingt von hohen Sachen herunterspringen lassen.

Stadthunde.com:
Gibt es etwas, was man dringend bei seinem Hund vermeiden sollte, um gesundheitliche Schäden zu vermeiden, wie z.B. das Treppenlaufen?


Tina Lintl: Was ich immer wieder feststelle, ist, dass den Hunde Lymphdrainage und Pfotenmassagen bzw.Pfotenreflexzonenmassagen sehr gut tun....auch bestimmte Dehntechniken, die ich im Laufe der Jahre mir angewöhnt habe, die aber wirklich nur von erfahrenen Therapeuten anzuwenden sind...entspannen die Hunde unglaublich und einfach nur Ruhe, Ruhe, Ruhe und viel Liebe!!!


Stadthunde.com bedankt sich für das tolle Interview! (sp)

 

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