Interview mit Mareike Doll-Degenhardt Teil 2

"Tiere sind da für die meisten Produktionen ein unberechenbarer Faktor, den wir durch bestmögliche Vorbereitung und unsere langjährige Erfahrung so klein wie möglich halten."



Stadthunde.com: In welchem Alter beginnt die Auswahl und die Ausbildung der geeigneten Hunde?

 

Mareike Doll-Degenhardt: Sobald ich ihn habe. Er wird eingeclickert, er bekommt ein spezielles Desensibilisierungsprogramm, er wird an verschiedene Situationen heran geführt, usw.

 

Stadthunde.com: Wie wird die „Arbeitszeit“ der Hunde organisiert? Wie erkennt man die individuelle Leistungsfähigkeit, wie werden Ruhephasen festgelegt, gibt es Ruhetage und Wochenenden?

 

Mareike Doll-Degenhardt: Die enge Zusammenarbeit mit dem Tier ist Voraussetzung, genau wie die individuellen Bedürfnisse jedes einzelnen Tieres genau zu kennen. Es ist mein Job, mein Tier so schonend wie möglich, mit größtmöglichem Einsatz für die Produktionsfirmen einzusetzen. Ansonsten leidet mein Tier und deshalb ist es so immens wichtig, dass diese Arbeit ausschließlich von qualifizierten, daraufhin geprüften Tiertrainern erbracht wird.

 

Stadthunde.com: Wie anspruchsvoll ist die Arbeit vor und hinter der Kamera?

 

Mareike Doll-Degenhardt: Sehr anspruchsvoll -  je nach Produktion ein 8 Stundentag, oft mit Nachtsdrehs und mit sehr vielen sehr anspruchsvollen Bildern, deshalb müssen sowohl das Tier so gut wie möglich vorbereitet sein, als auch der Tiertrainer entsprechend ausgebildet sein, zu erkennen, welche Situationen könnten für das jeweilige Individuum anstrengende werden, wie kann ich ihm die Situation erleichtern, wie kann ich vor Ort noch Hilfestellung geben, etc.

 

Stadthunde.com: Hunde im Büro sollen für ein gutes Arbeitsklima sorgen, Hunde besuchen Senioren oder Kinder, um die Stimmung aufzuhellen. Herrscht beim Dreh mit Hund auch immer eine entspannte Atmosphäre, oder ein Hund vor der Kamera für das Team eher eine heikle Angelegenheit?

 

Mareike Doll-Degenhardt: Eher eine heikle Angelegenheit. Beim Film ist jeder für seinen Job ein Spezialist. Jeder muss von jedem größtmögliche Professionalität und Effektivität erwarten, ansonsten kostet es sowohl unnötig viel Geld, als auch die Arbeitszeit von allen. Tiere sind da für die meisten Produktionen ein unberechenbarer Faktor, den wir durch bestmögliche Vorbereitung und unsere langjährige Erfahrung so klein wie möglich halten.

 

Stadthunde.com: Leben Filmhunde in normalen Familien, oder ist „Filmhund“ ein Fulltime-Job und das dauerhafte Zusammenleben mit dem Trainer notwendig?

 

Mareike Doll-Degenhardt: Das kommt darauf an: ich habe sowohl eigene Filmhunde, die natürlich so normal wie möglich mit uns zusammen leben, als auch Hunde aus unserer Kartei, die natürlich normalerweise bei und mit ihren Besitzern leben. Diese Hunde kenne ich aber sehr gut und es ist eine Grundvoraussetzung für die Aufnahme in die Kartei, dass die Hunde auch mit mir und für mich arbeiten wollen.

 

Stadthunde.com: Wie sieht der Alltag eines Filmhundes aus und worin unterscheidet sich sein Leben von dem normaler Familienhunde?

 

Mareike Doll-Degenhardt: Ein Filmhund hat viele mehr Freiheiten als ein „normaler“ Hund, er bekommt nicht ernsthaft verboten, etwas zu Essen vom Tisch zu klauen , denn das soll er bei Film oft genug machen. Er darf Menschen anspringen, denn auch das ist ein oft benötigter Trick und vieles mehr, was dem normalen Familienhund verpönt, beim Filmhund aber absolut notwendig ist.

 

Hier geht es weiter: Mareike Doll-Degenhardt im Interview Teil 3

 

 

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