Marmaduke – Die Interviews

Christian Ulmen im Stadthunde-Interview


Marmadukes trockene Sprüche treffen den Nagel stets auf den Kopf. Wer hätte die lakonische Rolle besser sprechen können als der beliebte Schauspieler und Comedian Christian Ulmen (Herr Lehmann, Maria ihm schmeckt's nicht, Jerry Cotton u.v.m.)? Wir trafen Christian in Berlin und plauderten mit ihm über Marmaduke und abenteuerliche Kindheitserinnerungen an Hunde.

Stadthunde.com: In den U.S.A. hat es sich als schwierig gestaltet, die richtige Sprechbesetzung für die Titelrolle zu finden – bis letztlich durch Zufall Owen Wilson gefunden wurde. Wie haben die Rolle 'Marmaduke' und Du zueinander gefunden?

Christian Ulmen: Es gab erst ein Sprecher-Casting, das ist bei Synchronrollen grundsätzlich so, um auszutesten, ob die Stimmen auch funktionieren. Das habe ich gemacht und dann ging es auch schon los. Eine sehr unspektakuläre Geschichte, aber so unspektakulär war's.

Stadthunde.com: Ist es eine besondere Herausforderung, einen Hund zu sprechen?

Christian Ulmen: Die Lippenbewegungen der Hunde sind ja eher diffus. Da kann man quasi alles drauf quatschen – das ist aber bei der Synchronisation von Menschen auch ähnlich. Das Hirn verbindet offenbar automatisch das, was es sieht, mit einem Klang. Darum ist Synchronsprechen eigentlich gar nicht so schwierig. (Pause) Na gut, schwierig ist es schon, aber zumindest bei einem Hund ist die Lippensynchronität nicht das größte Problem.

Stadthunde.com: Bist Du durch die diffusere Lippenbewegung künstlerisch freier?

Christian Ulmen: Es geht gar nicht in erster Linie um die Lippenbewegung, sondern eher darum, dass der Ausdruck stimmt – also, wie redet Marmaduke, wann wird er eher laut, wann wird er leise, wann schreit er mal.

Stadthunde.com: Hast Du Dich dabei eher an Owen Wilson orientiert oder einen ganz neuen Marmaduke erfunden?

Christian Ulmen:
Ich habe natürlich eine ganz andere Stimme als Owen Wilson - und seinen Akzent kann man nicht eindeutschen. Bestimmte amerikanische Redewendungen und Ausdrücke kann man auch gar nicht übersetzen – darum kann man den amerikanischen Marmaduke gar nicht 1:1 übernehmen. Man muss schon einen neuen, deutschen Marmaduke kreieren.

Stadthunde.com: Was hat Dir besonders Spaß gemacht - oder was war besonders schwierig?

Christian Ulmen: Ich mag, dass Owen Wilsons den Marmaduke sehr lakonisch angelegt hat. Schwierig war allerdings, von Owen Wilsons typischem Südstaaten-Akzent abzuweichen und dieses Lakonische anders umzusetzen.

Stadthunde.com: Du hast Marmaduke auch einen leichten Dialekt verpasst, ein wenig norddeutsch-schnodderig und trocken?

Christian Ulmen: Ja, das kann man durchaus so sagen, das hat der deutsche Marmaduke von mir mitbekommen.

Stadthunde.com:
Wie fühlt man sich in eine exorbitant-chaotische Dogge ein?

Christian Ulmen: Man musste sich gar nicht wirklich einfühlen, weil ja schon alles vorhanden war: Marmaduke hat eine Mimik und einen Ausdruck – ich muss ja nur die Stimme dazu geben, und das ist eigentlich eher ein technisches Unterfangen. Ich muss eigentlich nur genau hingucken, aber mich nicht in den Hund hineinfühlen.

 

 

Stadthunde.com: Baut man trotzdem eine persönliche Beziehung zu diesem Hund auf?

Christian Ulmen: Ja, natürlich baut man die auf, weil man alles nachfühlen muss, um die richtige Stimmlage zu finden – aber man beurteilt die Figur nicht. Man ist so tief in der Emotionalität drin, dass man das nicht bewertet, dazu fehlt die kritische Distanz.

Stadthunde.com: Mal ein wenig weg von Film: Welche Kindheitserinnerungen verbindest Du mit Hunden?

Christian Ulmen:
Oh, wir hatten so eine esoterisch veranlagte Nachbarin, deren Hund ich ab und zu ausgeführt habe - und mir danach Geistergeschichten von ihr anhören konnte, das war sehr spannend. Der Hund war ein Foxterrier, er hatte eine Magenproblem und übergab sich so etwa alle acht Meter. Es war halt ein besonderer Hund, dachte ich mir – der hebt nicht das Bein, der öffnet den Mund. (Die Tür öffnet sich und Nora Tschirner steht schweigend mit einer überdimensional großen Sonnenbrille im Türspalt, Anmerk. der Redaktion) Das ist nicht schön, Nora! (Die Tür schließt sich wieder, Nora ist fort, Anmerk. der Redaktion.)

Stadthunde.com: Welche Erfahrungen hast Du mit Hunden vor der Kamera gemacht?

Christian Ulmen: Monica Cruz hat ihre Hunde in den Drehpausen bei „Jerry Cotton“ immer geküßt. Bis dahin hatte sich Christian Trammitz immer auf die Kussszenen mit ihr gefreut. Bei 'Mein neuer Freund' gab es einen Hund, den ich immer mit Wurst bestochen habe. Er stand nicht auf Trockenfutter, sondern nur auf Fleischwurst, die trug ich deshalb immer in der Tasche. Nunja, es war sehr heiß unter dem Jackett und die Wurst begann, sich in eine Wurstbrühe zu verwandeln. Ich verbinde seitdem Hunde auch immer mit diesem Wurstgeruch. Hunde sind Wurstbrühe, sozusagen.

Stadthunde.com: Was macht Marmaduke Deiner Meinung nach so besonders?

Christian Ulmen: Es geht zwar um einen witzigen Hund, aber auch noch um mehr: um das Erwachsenwerden. Es gibt viele Metaphern, vieles passiert ja auch uns Menschen: Wie komme ich in diese Clique, verstelle ich mich, spiele ich den Coolen? Eine menschliche Story, verbunden mit einem Hund – das hat man so einfach noch nicht gesehen. Für Hundehalter ist es sicherlich auch sehr spannend, diese typischen Parkbegebenheiten aus der Sicht eines Hundes zu sehen.

Stadthunde.com: Wenn Du ein Hund wärst, welcher Hund wärst Du?

Christian Ulmen: Eine dänische Dogge, natürlich!

 

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