Interview mit Bettina Elze - www.flugpate.com

Stadthunde.com: Frau Elze, wie sind Sie auf die Idee zu Flugpate.com gekommen, und wen erreichen Sie mit dem Angebot?

Bettina Elze: Ich bin gelernte Reiseverkehrskauffrau und war in meinen früheren Jobs viel in Urlaubsländern unterwegs. Das Elend der dort lebenden Straßenhunde hat mich einfach schockiert, und so kam mir der Gedanke: Da muss man etwas machen! Bereits aktive Tierschützer erzählten mir dann, dass es gar nicht mal ein so großes Problem wäre, die Tiere unterzubringen. Problematischer wäre da eher der Transport aus den Herkunftsländern. Durch meine Arbeit kannte ich ja bereits die Richtlinien der Airlines und hatte auch einige Bekannte und Kontakte. Die Idee, Flugpate.com aufzubauen, kam daher sehr schnell und wurde ebenso rasch umgesetzt. Zunächst hatte ich angenommen, dass sich hauptsächlich Paten melden würden, doch inzwischen hat sich die Zusammenarbeit mit Tierschützern aus den verschiedensten Ländern und Regionen weit darüber hinaus entwickelt.

Stadthunde.com: Seit wann gibt es Flugpate.com und wie ist die Resonanz auf die Seite?

Elze: Begonnen haben wir am 1.1.2004. Seitdem hat sich eine Menge getan: In 2004 konnten wir insgesamt etwa 500 Transporte organisieren, in diesem Jahr sind es bis zum heutigen Tag schon über 2500. Diese Zahl wäre aber sicher noch größer, wenn es nicht auch viele negative Medienberichte und teilweise auch Kritik von Tierärzten gegeben hätte. Letztlich kann man aber sagen: Die Leute wollen helfen.

Stadthunde.com: Was erwartet Menschen, die sich als Flugpate registrieren lassen?

Elze: Zunächst einmal bekommen die angehenden Paten eine Bestätigungs-Email. Darin beschreiben wir, wie Ihr Angebot, ein Tier in Begleitung zu nehmen, weitergeleitet wird. Ein Beispiel: Ein Pate will von Malaga nach Deutschland fliegen. Wir geben dies an den örtlichen Tierschutzverein, mit dem wir zusammenarbeiten, weiter – diese wenden sich dann direkt an den Paten. Natürlich kann es auch mal passieren, dass vor Ort gerade kein Tier transportiert werden muss, oder kein Abnehmer in Deutschland gefunden werden konnte. So kann es natürlich auch mal sein, dass Flugpatenschaften nicht genutzt werden können.

Stadthunde.com: Wonach wählt Ihr die Tierschützer vor Ort aus? Werden diese auch kontrolliert?

Elze: Inzwischen arbeiten wir mit über 200 Stellen zusammen. Da müssen wir natürlich schon aufpassen, dass diese auch seriös arbeiten. Das bedeutet: Nachfragen, sich bei bereits bekannten Tierschützern über die „Neuen“ informieren und eventuell die Zusammenarbeit einstellen. Um es aber deutlich zu sagen: Dies war bisher nur sehr selten der Fall – die allermeisten Leute, mit denen wir es zu tun hatten, waren absolut vertrauenswürdig. Im Übrigen gibt es interne Listen, auf denen Leute aufgeführt sind, denen wir keine Tiere mehr anvertrauen wollen – diese sind aber nicht sehr lang.

Stadthunde.com: Wie viele Menschen engagieren sich – neben den Paten – für Flugpate.com?

Elze: Das ganze ist zu einem großen Netzwerk geworden. Da fällt es etwas schwer, zu sagen, wie viele Personen dabei sind. Neben den genannten Vereinen, mit ihren vielen aktiven Mitgliedern und Helfern, haben wir auch etliche persönliche Kontakte gemacht, die wir auch pflegen. Die Zahl derer, die für die Sache da sind, ist also sehr groß.

Stadthunde.com: Wie viel persönlicher Arbeitseinsatz steckt für Sie dahinter?

Elze: Das Minimum sind zwei bis drei Stunden am Tag. Mittlerweile geht es dabei gar nicht mehr in erster Linie um die Sache Flugpate.com selbst, sondern um viele verschiedene Anfragen von Tierschützern aus unserem Netzwerk. Dabei geht es etwa um aktuelle Not-Hunde, die Kontrolle von aufnehmenden Stellen oder die Vermittlung von sonstigen bedürftigen Tieren.

Stadthunde.com: Wie läuft die Zusammenarbeit mit Tierschützern und Airlines?

Elze: Wir haben generell eine sehr gute Zusammenarbeit mit den verschiedenen Tierschutzvereinen und engagierten Einzelpersonen. Natürlich gibt es da einzelne Vereine, mit denen man sehr viel zusammenarbeitet, bei anderen läuft der Kontakt eher sporadisch. Bei den Airlines sieht das Ganze naturgemäß etwas anders aus. Um ein paar Namen zu nennen: Eine Fluglinie wie Air Berlin kommt uns sehr weit entgegen. Dies galt früher auch für Condor, die in letzter Zeit aber mehr auf den Kurs einer TUIfly oder diverser Billig-Airlines umgeschwenkt ist.

Stadthunde.com: Auf Flugpate.com finden sich viele Berichte über Einzelschicksale von geretteten Hunden. Welcher Fall ist Ihnen am eindringlichsten im Gedächtnis geblieben?

Elze: Am Anfang hat mich jeder Einzelfall so mitgenommen, dass die Arbeit schon darunter gelitten hat. Man braucht einfach einen gewissen Abstand, um konstruktiv helfen zu können. Mittlerweile sind es vor allem die ganz „armen Socken“ – etwa unvermittelbare so genannte Kampfhunde oder behinderte Tiere – bei denen man noch stärker mitfühlt, als ohnehin schon.

Stadthunde.com: Gibt es einen ganz aktuellen Fall?

Elze: Spontan fällt mir da „Hank“ ein: Ein zwölfeinhalb Jahre alter Staffordshire Terrier, der beinahe sein gesamtes Leben – nämlich 12 lange Jahre - in Tierheimen verbringen musste. Solche „Unvermittelbaren“ liegen einem natürlich besonders am Herzen.

Stadthunde.com: Frustriert Sie die Arbeit nicht manchmal? Schließlich ist die Zahl der Hunde groß, denen am Ende nicht geholfen werden kann.

Elze: Natürlich ist es eine Sisyphusarbeit. Doch ich bin der Überzeugung, dass auch diese Sinn macht. Wenn man den Kopf in den Sand steckt, wird gar keinem Tier geholfen.

Stadthunde.com: Worin besteht also die Hoffnung für die Zukunft, was soll durch Flugpate.com erreicht werden?

Elze: Die größte Hoffnung ist natürlich, dass sich die Situation in den betreffenden Ländern verändert. Unsere Arbeit wäre damit zwar vorbei, aber gleichzeitig ein wichtiger Schritt zum Schutz der Tiere gemacht. Das Ende unseres Einsatzes sehe ich also erst, wenn die Lage für die Not leidenden Tiere ein andere, bessere geworden ist.

Stadthunde.com bedankt sich für das ausführliche Gespräch!