Hund mit Schutzengel

Theraphiehündin Snow hatte einen Schutzengel

Therapie- und Behindertenbegleithündin „Snow“ ist für ihre Patienten ein kleiner weißer Engel auf vier Pfoten. Als sie nach einem Verkehrsunfall in blinder Todesangst davonlief, brauchte Snow selbst einen Schutzengel.

 

Mitte November erlebte Kati Zimmermann die schlimmsten Tage ihres bisherigen Lebens. 500 Kilometer von Zuhause entfernt, erhielt sie einen Anruf, der zum Alptraum-Inventar eines jeden Hundefreundes gehört: ihre Hündin „Snow“, zuhause in der Obhut einer Freundin, war unter die Räder eines Autos geraten.

 

Ob und wie schwer sie verletzt worden war, wusste niemand – denn Snow war nach dem Unfall in blinder Todesangst geflüchtet. Und damit direkt in den Rachen des Sturms gelaufen, der in diesen Tagen im Norden Deutschlands tobte. Jeder Hundehalter wird sich vorstellen können, was Kati Zimmermann durchlebte, als sie nach Hause geeilt kam und Snow nicht bereit stand, um sie schwanzwedelnd zu begrüßen.



Ungewissheit war das Schlimmste



 „Die Ungewissheit war das allerschlimmste,“ sagt Kati Zimmermann, gelernte Altenpflegerin und angehende Besuchshundeausbilderin, heute. War Snow verletzt? Lag sie womöglich irgendwo schwer verwundet in der Wildnis? Hatte sie im Sturm die Orientierung verloren, war von einem umstürzenden Baum eingeklemmt worden? Lebte sie überhaupt noch? „Es war die Hölle,“ erklärt Kati Zimmermann und atmet tief durch.



Natürlich wurden sofort alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Snow wieder zu finden. Man kann guten Gewissens behaupten, dass Kati Zimmermann keine Möglichkeit ungenutzt ließ. Sämtliche Tierheime der Umgebung wurden informiert, die Polizei eingeschaltet, lokale Zeitungen berichteten und auch wir von Stadthunde.com wurden auf den Plan gerufen. Ja, sogar eine Tierkommunikatorin wurde konsultiert. Jeder Hundehalter hätte in Kati Zimmermanns Situation sicher genau dasselbe getan. Doch Snow ist kein Hund wie jeder andere.

 

Snow ist etwas ganz Besonderes



Snow war schon immer ein Ausnahmehund. Abgesehen davon, dass sie ein in Deutschland immer noch sehr seltener American White Collie ist, ein weißer Collie also, verblüffte sie schon von klein auf mit ihrem ruhigen, absolut gelassenen und menschenfreundlichen Wesen. Im zarten Alter von zwei Jahren war sie bereits eine ausgebildete und zertifizierte Therapie- und Behindertenbegleithündin und leistete Besuchsdienst in verschiedenen Einrichtungen für Kinder, Senioren oder geistig behinderte Menschen.



Aufgrund ihrer besonderen Eignung wurde sie auch in geschlossenen psychiatrischen Einrichtungen zum Einsatz gebracht. Die Arbeit mit diesen Patrienten verlangt einem Besuchshund sogar noch mehr ab als die mit Senioren oder Kindern. Denn psychisch kranke Menschen neigen dazu, sich unberechenbar zu verhalten,  merkwürdige Bewegungen und Geräusche zu machen, die auf viele Hunde sehr abschreckend und verstörend wirken.

 

 

 

Snow brachte alten und behinderten Menschen Lebensfreude

 

Doch Snow kannte keine Berührungsängste, sie akzeptierte ihre Patienten so, wie sie waren. Mit ihrem sanften, fröhlichen Wesen und ihrem feinen Gespür ging sie stets auf die Menschen zu und fand immer einen Zugang zu ihnen. Die junge, schöne Collehündin brachte stets Lebensfreude in ihre Einrichtungen und zauberte ein Lächeln auf das Gesicht der Patienten.



Vielleicht hatte sie deshalb so einen mächtigen Schutzengel. Es war am fünften Tag nach Snows Unfall, dass ihr Frauchen mit ihrer anderen Hündin im heimischen Garten war und plötzlich irgendwo in der Nähe ein Bellen hörte, das schmerzlich vertraut klang. Alarmiert ließ sie ihre zweite Hündin zurückbellen, und prompt erscholl das Bellen wieder.



Wie gelähmt folgte Kati Zimmermann dem Bellen – und konnte es nicht fassen, als eine weiße Colliehündin vor ihr stand, mit wunden Pfoten, voller Zecken, abgemagert, verstört, aber ansonsten wohlauf. „Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte,“ gesteht sie.



Snow nimmt ihren Besuchshundedienst wieder auf



Snow hat ihre Arbeit als Besuchshund mittlerweile wieder aufgenommen. Sie läßt es zwar noch etwas langsam angehen, denn ganz spurlos ist das alptraumhafte Erlebnis an ihr nicht vorüber gegangen. Autos machen der vorher so furchtlosen Hündin im Moment noch Angst. In der ersten Zeit nach ihrer Rückkehr ließ Kati Zimmermann Snow erst einmal nicht von der Leine und half ihr mit viel Liebe und Ruhe, wieder zurück in ihren Alltag zu finden.

Mit der Zeit und Frauchens Unterstützung wird Snow die traumatischen Erlebnisse sicher verarbeiten. Wo sie war, während ihr Frauchen um sie gebangt hat, und was sie in dieser Zeit erlebte, wird aber wohl für immer ihr Geheimnis bleiben. Ihre Patienten jedenfalls strahlen nun wieder vor Freude, wenn es die kleine Schneeflocke zu ihnen weht. (je)

 

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