Starker Freund auf vier Pfoten

Mit Besuchshund Leo im Lebenshilfswerk Geesthacht

Ein Beitrag unserer Hunde-Erziehungsexpertin Kate Kitchenham

 

Jeden Montag und Dienstag ist Kuschelstunde im Lebenshilfewerk: Besuchshund Leo ist  für alle seine Freunde aus der Fördergruppe da, lässt sich geduldig streicheln, füttern, bürsten.

 

„Leo kommt!“ „Da ist Leo!“ – kaum betritt Doris Wieck, 61, mit Golden Retriever „Leo“ die Gebäude vom Lebenshilfewerk Geesthacht, verbreitet sich die Nachricht rasend schnell. Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen kommen an den Gang, lachen, freuen sich über den fröhlichen Hund mit der feuchten Nase.

 

Besuchshund ist "Attraktion der Woche"

 

Leo nimmt die Aufregung um seine Person gelassen hin: Zielstrebig rennt er den Flur entlang. „Der kennt den Weg!“ , lacht Doris Wieck und öffnet die nächste Tür. Sofort kommen die Mitglieder der Fördergruppe:  „Leo!“ ruft Nicole (26). Sie streckt die Hände aus, versucht sein weiches Fell zu berühren. Viele fragen, ob sie heute dabei sein dürfen. „Leo ist hier die Attraktion der Woche,“ sagt Heilpädagogin Stephanie Gürtler, 31 und freut sich: „Auch wenn sich unsere Gruppenmitglieder sonst wenig merken können – wann Leo kommt, wissen alle ganz genau.“

 

Und heute ist es endlich wieder so weit: Der fröhliche Hund läuft vor in den Besuchsraum – und alle kommen hinterher. Ein Stuhlkreis wurde aufgestellt, jeder setzt sich sofort hin. „Das an sich ist schon außergewöhnlich“, erklärt Hannelore Vogt, 52, die für die Arbeits- und Berufsförderung der Menschen in der Fördergruppe zuständig ist. „Sonst schafft man es nie, sie alle zusammen für eine Aktion zum Stillsitzen zu bewegen. Und kaum ist Leo da, sind alle konzentriert und ausgeglichen.“

 

Leo setzt Gefühle frei

 

So wie Andre Adam, 39, der sich sonst immer weigert, irgendetwas in die Hand zu nehmen. Bei Leo macht er eine Ausnahme: Er kann es sichtbar kaum erwarten, bis er an der Reihe ist und den großen, blonden Hund streicheln darf. Schließlich legt er sogar seinen Kopf auf das weiche Fell, schließt die Augen und lächelt selig.

 

„Die Menschen haben in ihrem Alltag sonst kaum Gelegenheit, Gefühle zu zeigen,“ erklärt Stephanie Gürtler. „Wenn Leo kommt ist das ganz anders: Mit dem Hund dürfen sie zärtlich sein.“ Leo ist der einzige Hund, der das Lebenshilfewerk in Geesthacht regelmäßig besucht. Hier arbeiten ca. 220 behinderte Menschen in den Bereichen Tischlerei, Metallbearbeitung, Hauswirtschaft, Montage/Verpackung, Aktenvernichtung sowie Garten- und Landschaftspflege.

 

"Hunde helfen Menschen e.V." vermittelt Besuche

 

Leo besucht nur die Fördergruppe. Der Grund: Hier kann sich keiner lange konzentrieren oder richtige Arbeiten ausführen. Trotzdem sollen diese Menschen beschäftigt und weiter gefördert werden. „Der Hundebesuch ist für diese Menschen ein wichtiges Ereignis: Hier erfahren sie eine besondere Art der Zuwendung, können Ängste überwinden, dem Hund etwas zu fressen geben, ihn anfassen und sein Verhalten beobachten,“ erklärt der Leiter der Einrichtung, Ludwig Beckmann.

 

Das war für ihn Grund genug, dem Besuchsdienst vor zwei Jahren zuzustimmen. Die Idee dazu kam von Stephanie Gürtler, die einen Bericht im Fernsehen über Besuchshunde gesehen hat. „Das wollte ich auch für die Menschen meiner Gruppe möglich machen,“ erklärt die engagierte junge Frau. „Nach ein bisschen Suchen bin ich auf den Verein „Hunde helfen Menschen e.V.“ gestoßen, der uns Frau Wieck und Leo vermittelt hat.“

 

Für Doris Wieck ist die ehrenamtliche Tätigkeit Herzenssache: „Die Freude in den Augen dieser Menschen zu sehen, das macht mich selber glücklich“ erzählt sie. Mittlerweile hat Leo seine dritte Runde im Stuhlkreis gedreht. Jetzt darf ihn jeder einmal bürsten. Zum Abschluss ist noch einmal Kuscheln angesagt: Auf Zuruf von Doris Wieck springt der Hund mit den Vorderläufen abwechselnd auf den Schoß von Andre (39), Nicole (26), Eckart (49) und Antje (26). Jeder legt die Arme um seinen großen, warmen Vorderkörper, er hält ganz still.

 

Besuchshunde sind geduldige Schmuser

 

Doris Wieck: „Leo spürt, dass er hier ruhig sein muss. Draußen ist er viel temperamentvoller! Aber sobald wir das Gebäude betreten, ist er wie ausgewechselt.“ Doch auch der geduldigste Schmuser braucht mal eine Pause. Deshalb ist nach einer guten halben Stunde die Besuchszeit um. „So gut Leo die Arbeit macht – es ist für ihn auch sehr anstrengend“ erklärt Doris Wieck. Sie wird von ihren Freunden bis auf den Parkplatz begleitet, dort heißt es Abschied nehmen.

 

Damit den Mitgliedern der Fördergruppe die Zeit bis zum nächsten Besuch nicht zu lang wird, wurde ein großes Foto von Leo im Arbeitsraum aufgehängt: „Leo“ steht dort in großen Buchstaben. „Und immer wieder im Laufe eines Tages“, erzählt Stephanie Gürtler, „kommen seine Freunde, sehen das Bild an, reden mit ihm.“ Wie gut, dass es Leo gibt. (kk)

 

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