Senioren-Besuchshunde Teil 2

Herausforderung für Hund und Hundeführer

Jeder Besuch hier ist eine neue Herausforderung und verlangt vollständige Aufmerksamkeit vom Hundeführer. „Man kann nie auf erreichten Standards aufbauen. Die Situationen sind jedes Mal anders. Ein Bewohner, der letzte Woche hocherfreut auf den Hund reagiert hat, möchte ihn dieses Mal vielleicht überhaupt nicht sehen. Ein anderer erklärte uns letztes Mal energisch, dass er Hunde nicht ausstehen kann, und diese Woche animiert er den Hund sogar dazu, auf sein Bett zu springen«.

 

Hundeführer brauchen Fingerspitzen- gefühl

 

Für die ehrenamtlichen Hundeführer ist diese Tätigkeit sehr anspruchsvoll. Sie tragen die Verantwortung dafür, Situationen zu schaffen, in denen die alten Menschen sich ebenso wohl fühlen wie die Hunde. Gerade schwer Demenzerkrankte sind oft unberechenbar. Das verlangt nicht nur eine Menge Fingerspitzengefühl, sondern auch Fachwissen und Kompetenz.

 

„Wir bieten vielfältige Fortbildungen in den Bereichen Kynologie, Medizin und Validation für unsere Hundeführer an“, erklärt Brigitte Bongartz. »Sie lernen nicht nur vieles über das Verhalten und die Stresssignale der Hunde, sondern auch über den richtigen Umgang mit alten Menschen und schwerst Demenzkranken“.

 

Nicht jeder Hund ist als Besuchshund geeignet

 

Die Fortbildungen sind unverzichtbar, um den Ehrenamtlichen Sicherheit in ihrer Tätigkeit zu geben. „Leider gibt es keine allgemeinen Richtlinien oder eine einheitliche Ausbildung für Besuchshunde. Während die Heime früher eher wenig zugänglich für unsere Idee waren, möchten heute alle Besuchshunde haben und achten leider oft nicht auf die Eignung ihrer Teams“, so Bongartz.

 

Es wäre naiv zu glauben, die Tätigkeit der Besuchshunde-Teams sei eine unkomplizierte Freizeitbeschäftigung für jeden Hundehalter, der gerne einmal nette alte Leutchen erfreuen möchte. Brigitte Bongartz sucht die Besuchshundeteams sorgfältig aus. Der Hund muss über einen sicheren Gehorsam verfügen und dazu gelassen und kontaktfreudig sein, ohne dabei aber stürmisch oder aufdringlich zu werden. Ungewöhnliche Körperbewegungen, nicht alltägliche Verhaltensweisen und auch Gerüche dürfen den Hund nicht übermäßig irritieren, ablenken oder verunsichern.

 

Ungeeignete Hunde können schnell ernste Konfliktsituationen auslösen. Kleine oder hektische Hunde können von den Bewohnern übersehen werden, was schnell zu Stürzen führen kann. Auch kann es passieren, dass solche Hunde versehentlich angerempelt oder gequetscht werden und daraufhin die Zähne zeigen. Solche Situationen dürfen gar nicht erst entstehen, deshalb ist die Wahl des Hundes besonders wichtig.

 

Vorfreude auf die Vierbeiner meist riesig

 

Doch ihre Aufgabe lohnt sich, darin sind sich die Ehrenamtlichen einig: „Wenn ein alter Mensch stundenlang lethargisch da sitzt und auf keinen Reiz reagiert – und plötzlich streckt er die Hand aus und fährt durch das Hundefell, das ist schon ein bewegender Moment“, erzählt Uschi Wagner.

 

Viele Bewohner freuen sich schon lange im Voraus auf die Besuche der Hunde. Sie geben Ihnen die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen – zu dem Hund selbst ebenso wie zu anderen Menschen. Das Streicheln des Hundesfells wirkt entspannend und ist für viele demenzkranke Bewohner Anlass, für kurze Zeit ihre innere Welt zu verlassen und wieder am Leben teilzunehmen.

 

Auch die Hunde haben Freude an ihrer Arbeit

 

Dass auch die Hunde Freude an der Arbeit haben, davon ist Uschi Wagner überzeugt: „Molly freut sich jedes Mal wie verrückt, wenn ich sage, wir gehen die alten Leute besuchen. Sie betrachtet das als ihre Aufgabe, und ihr begegnet ja hier auch nur Positives – sie wird gestreichelt, bekommt freundliche Worte und Leckerchen“. Und sollte sie je den Eindruck bekommen, dass Molly ihre Arbeit keine Freude mehr bereitet, würde sie sofort aufhören. Denn: Das Wohl des Hundes steht an erster Stelle.

 

Die alte Dame tätschelt Molly zum Abschied den Kopf. Uschi Wagner fragt, ob sie in der nächsten Woche wiederkommen dürfen. „Ja, das dürfen Sie“, erwidert die alte Dame würdevoll. Ihr Gesicht verrät keine Regung, nur in ihrem Blick funkelt ein verborgenes Lächeln, und man hat das Gefühl, dass Molly zurücklächelt.

 

Kontakt: „Tiere helfen Menschen e. V.“ im Internet: www.thmev.de

 

Seniorenzentrum Vossenack im Internet: www.geschwister-louis-haus.de



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