Hunde mit Jobs

Schmuser, Versteher und Animateure – Besuchshunde im Seniorenheim

Wer als alter Mensch ins Seniorenheim zieht, muss vieles zurücklassen – oft auch das geliebte Haustier. Dabei ist es schon lange nichts Neues mehr, dass Tiere einen ausgesprochen positiven Effekt auf alte Menschen haben können. Im einem Seniorenheim in der Nähe von Aachen bringen deshalb „Molly“ und ihre vierbeinigen Kollegen von „Tiere helfen Menschen e.V.“ einmal in der Woche die Bewohner in Schwung.

 

Die alte Dame sitzt auf ihrem Sofa und schaut reglos ins Leere. Wo sie hier ist und wie sie hier her kam, das weiß sie nicht mehr so genau. Die meiste Zeit lebt sie zurückgezogen und alleine in ihrer eigenen, kleinen Welt. Doch heute fällt ihr Blick auf Molly, ihre vierbeinige, wuschelige Besucherin. »Du hast genau so graue Haare wie ich«, stellt sie lakonisch fest.

 

Molly wedelt freudig mit dem Schwanz, als wisse sie, dass es etwas ganz besonderes ist, dass die alte Dame spricht. „Und Deine Zähne sind fast so schön wie meine“, fügt die Seniorin spitzbübisch hinzu. Molly ist darüber nicht pikiert, sie schleckt lieber einige Leckerchen aus der Hand der alten Dame. Uschi Wagner, Mollys Besitzerin und Besuchshundeführerin, wischt sanft die nasse Hand ab. „Ganz schön schnodderig, so eine Hundeschnauze, was?“, scherzt sie. Die alte Dame gluckst leise.

 

Besuchshund ist nicht gleich Therapiehund

 

„Ein Besuchshund ist nicht dasselbe wie ein Therapiehund“, erklärt Brigitte Bongartz, ausgebildete Pflegeassistentin, Regionalleiterin des Vereins „Tiere helfen Menschen e.V.“ und seit vier Jahren mit ihrer Besuchshundestaffel im Einsatz. Im Rahmen der „Tiergestützten Aktivität“ besuchen die ehrenamtlichen Helfer mit ihrem Hund eine soziale Einrichtung, weil der Kontakt zu dem Tier älteren Menschen, Kindern oder Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen in vielerlei Hinsicht gut tun kann. Anders als ein Therapiehund werden die Hunde jedoch von fortgebildeten Laien geführt und nicht in einen Therapieablauf integriert. Der Besuch eines Hundes ist eine individuelle, offene Begegnung zwischen Mensch und Tier und hat kein vorbestimmtes Therapieziel.

 

Heim-Bewohner trifft Hund

 

Vier Hunde und ihre Halter sind hier in Vossenack in der Nähe von Aachen derzeit im Einsatz. Sie besuchen einzelne Bewohner in ihren Zimmern und setzen sich auch mal gemütlich in den Aufenthaltsraum. Was die Bewohner mit dem Hund machen möchten - und was der Hund mit ihnen machen darf - bestimmt jeder Bewohner selbst. „Na, darf die Molly auf Ihren Schoß“, fragt Uschi Wagner schelmisch. „Nein, nein, das geht nicht“, wehrt die alte Dame entrüstet ab.

 

Wir betrachten ein vergilbtes Foto, das auf dem Tisch liegt: eine hübsche junge Frau, die einen Hund umarmt ist zu sehen. „Ob ein Bewohner positiv auf unsere Hunde anspricht oder nicht, hängt nicht davon ab, ob er früher selbst Hunde gehalten hat“, kommentiert Brigitte Bongartz - und ergänzt: „Es gibt Menschen, die selbst Hunde hatten, aber heute keine mehr sehen möchten. Und es gibt welche, die nie engeren Kontakt zu Hunden pflegten, aber heute aufblühen, wenn wir gemeinsam mit ihnen eine Runde spazieren gehen“. 

 

Weiterlesen! Teil 2 - Herausforderung für Hund und Hundeführer

 

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