Zweithund - ja oder nein?

Überlegungen, Vor- und Nachteile - Teil 1

 

Mit unseren drei Hunden durch den Park zu schlendern ist ein herrliches Gefühl. Die beiden Collies halten ständig stumme Zwiesprache miteinander, bewegen sich in wunderbarer Harmonie wie zwei Tänzer, gehorchen zeitgleich aufs Wort und ziehen bewundernden Blicke auf sich. Ich platze fast vor Stolz – das Leben als Mehrhundehalter ist herrlich! Dann wirft sich der kleine Terrier in die Leine und pöbelt einen Artgenossen an. Mit viel Elan fallen die beiden Collies in das höllische Gezeter ein. Drei Leinen spannen und verheddern sich, das Chaos ist perfekt und aus meiner stolzgeschwellten Brust wird ein schamroter Kopf.

 

 

Im Leben eines Hundehalters kann es viele gute, ganz persönliche Gründe geben, einen weiteren Hund aufzunehmen. Vielleicht möchte man nicht mehr nur von der Wunschrasse träumen? Dem Tierschutz-Hund einen Hund der Traumrasse an die Seite stellen? Oder man lernt einen Partner kennen, der selbst einen Hund hält? Vielleicht möchte aber auch ein anderes Familienmitglied endlich seinen eigenen Hund haben; oder man selbst versucht, sich den langsamen Abschied von einem sehr alten Hund mit einem Junghund erleichtern?

 

Letztlich möchte auch jeder moderne Hundehalter seinem Schützling ein möglichst artgerechtes Leben bieten. Und schließlich wissen wir ja alle: Hunde sind Rudeltiere! Beobachten wir, wie sie ausgelassen mit Artgenossen spielen, geht uns das Herz auf: das kann ein Mensch doch gar nicht ersetzen!

 

Zwei Hunde sind ein Rudel

 

Stimmt! Doch das allein ist kein ausreichender Grund, dem eigenen Hund einen dauerhaften Partner an die Seite zu setzen. Zugegeben, dem perfekt eingespielten Hunde-Team zu schauen zu können, ist auch für uns Menschen herrlich. Doch zwei Hunde sind bereits ein Rudel, und im Rudel herrscht eine ganz eigene Dynamik, die besonders für weniger erfahrene Hundehalter oft schwer einzuschätzen ist.

 

Erziehungsdefizite oder Verhaltensprobleme verdoppeln sich nicht, sondern potenzieren sich oft und sind dann nur schwer kontrollierbar. Zwitschert der Ersthund beim Spaziergang gerne ab, um einem Hasen hinterher zu hechten, wird der Zweithund höchstwahrscheinlich mit Freuden mitmachen. Und macht einer Terror an der Leine, wird der Zweithund begeistert mit bellen.

 

Die Rudeldynamik ist einer der großen Nachteile der Mehrhundehaltung. Auf dieses Abenteuer sollte sich nur einlassen, wer seinen Ersthund in- und auswendig kennt und weiß, dass die Rangordnungsfrage eindeutig geklärt ist. Die Alternative ist die zeitgleiche Ausbildung zweier Hunde. Kein unmögliches, aber ein sehr zeitaufwändiges und nervenaufreibendes Unterfangen: getrennte Spaziergänge, getrenntes Training, immer wieder Rückfälle verkraften.

 

Zweithund: Nicht jeder Ersthund ist begeistert

 

Wer mit einem Zweithund kokettiert, sollte auch bedenken: Hunde sind zwar Rudeltiere, aber in erste Linie Individuen! So begeistert der eigene Hund auch mit fremden Hunden tobt – nicht jeder Hund möchte direkt sein eigenes Hunderudel gründen. Viele Vierbeiner sind sehr glücklich, ihr Frauchen oder Herrchen nach dem Spielen wieder ganz für sich zu haben und gar nicht begeistert, den geliebten Menschen plötzlich teilen zu müssen.

 

Eifersuchtsdramen können in Zweihundehaushalten an der Tagesordnung sein, und auch der Mensch sollte sich fragen: Komme ich persönlich damit klar, wenn mein heißgeliebter Ersthund sich plötzlich in der Hunde-Rangordnung an Position zwei wiederfindet? Denn auch wenn der Mensch der Boss ist: an der Hierarchie der Hunde untereinander kann er nicht rütteln.

 

Auch ständiger Streit um Ressourcen wie Futter, Spielzeug, den Lieblingsplatz oder Aufmerksamkeit können zermürbend werden. Ob ein Hund wirklich mit einem Zweithund zusammenleben kann, sollte daher vorher ausgetestet werden: Mit einem Ferien- oder Pflegehund zum Beispiel.

 

Zwei Hunde sind im Alltag oft problematisch

 

Wer über eine gewisse Zeit mit einem Ferien- oder Pflegehund zusammengelebt hat, lernt auch meist rasch die weiteren Nachteile eines Zweithundes im Alltag kennen. Die Kosten für Futter und Tierarzt verdoppeln sich, je nach Rasse des Hundes werden auch mal skeptische Blicke von Mitmenschen geerntet. Im Restaurant oder Ferienhaus wird meist ein einzelner Hund noch geduldet, ein zweiter aber oft schon nicht mehr. Die Hundesteuer für den Zweithund ist meist teurer als die für den Ersthund und oft spielt der Vermieter bei zwei Hunden auch nicht mehr mit.

 

 

Es stimmt zwar, dass zwei Hunde sich gegenseitig mit Spiel und Kommunikation zu Hause oder auf dem gemeinsamen Spaziergang beschäftigen können. Doch wer zwei Hunde hält, sollte in jedem Fall auch Zeit einplanen, um einmal getrennt mit ihnen zu spielen oder zu trainieren. Die Erziehung zweier Hunde ist sehr anspruchsvoll. Zwar ist es hilfreich, wenn der Ersthund als gutes Vorbild dienen kann, dennoch braucht es für zwei Hunde unterm Strich letztlich meist mehr Zeit als für einen Hund allein.

 

Zweithund hat auch Vorteile

 

Wer sich nun von all diesen Nachteilen nicht abschrecken lässt, der darf sich auch über einige Vorteile der Hunde-Großfamilie freuen. Es ist sehr tröstlich zu wissen, dass der Vierbeiner nicht alleine ist, wenn man ihn einmal zu Hause lassen muss. Die eigenen Hunden beim fröhlichen Spielen, Zerren, Nachlaufen und Toben zu beobachten, beruhigt das Gewissen ungemein, wenn man einmal etwas weniger Zeit hat, sich um Beschäftigung und Auslastung zu kümmern. Die feine Kommunikation der Tiere untereinander studieren zu können, ist faszinierend und inspirierend.

 

Je nach Zusammensetzung des kleinen Rudels kann sich die Mehrhundehaltung auch positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung eines Hundes auswirken. Ängstliche und zurückhaltende Hunde können viel Selbstbewusstsein und Temperament gewinnen, wenn sie an der Seite eines souveränen Hundes leben. Überdrehte oder extrem extrovertierte Hunde können wiederum ruhiger und ausgeglichener werden, quirlige und nervöse Hunde entspannter und gelassener.

 

Zweithund sollte klug ausgewählt werden

 

Ob bei der Zweihundehaltung die Vor- oder Nachteile überwiegen, hängt auch maßgeblich von der klugen Auswahl des Zweithundes und der einfühlsamen Zusammenführung ab. (je)


Mehr dazu gibt’s in Teil 2 unserer Serie „Zweithund - doppelte Freude, weniger Probleme?“ 

 

Hier geht's zurück zur Übersicht

 

 

Diese Artikel könnten Dich auch interessieren:

Aktuelle Stadthunde-News und Artikel zum Thema finden Sie unter:    Hunde heilen Beziehungen - Flirtfaktor Hund 

 

Hier geht es zurück zu Hund und Partnerschaft

Bewertung des Beitrages (4 Bewertungen)