Zweithund - Zusammenleben

Konfliktvermeidung, Regeln und Rücksichtnahme - Teil 4 der Serie

Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt führten unsere beiden Collies die perfekte Hundebeziehung. Dann passierte es: Der Rüde – etwas unsensibel, wie Männer eben so sind – trat der Hündin auf die Pfote! Die Hündin – etwas übersensibel, wie Frauen eben so sind –  veranstaltete ein mächtiges Getöse – und hörte damit auch nicht mehr auf. Bis jemand „Stop!“ sagte.

 

Passt der Zweithund wirklich gut zum Ersthund und wurde die Zusammenführung fachgerecht durchgeführt, gibt es meist nur wenig Konfliktpotential im Alltag. Wichtig ist, dass beide Hunde den Menschen als Rudelführer anerkennen und respektieren, dass sein Wort Gesetz ist.

 

Kleine Unstimmigkeiten können Hunde untereinander austragen, doch sollte der Mensch immer ein Auge darauf haben, ob es die Verhältnisse noch stimmen. Denn wer lapidar meint, dass Hunde alles unter sich austragen, darf sich danach nicht beschweren, wenn diese Einstellung direkt zum Tierarzt führt.

 

Ressourcen werden vom Menschen verteilt

 

Streitigkeiten gibt es meist um Ressourcen – das ist in der Hauptsache Futter, genauso gut können aber auch Spielsachen oder Anderes eine Ressource sein. Wichtig ist deshalb, dass die Hunde lernen, dass der Mensch für die Verteilung der Ressourcen zuständig ist. Um Ressourcen muss also nicht gestritten werden, sie werden ohne Diskussionen vom Menschen zugewiesen.

 

Stellt ein Hund die Verteilung in Frage, obliegt es auch dem Zweibeiner, seine Entscheidung durch zu setzen. Bekommen also beide Hunde ein Rinderohr und hat einer seines bereits verschlungen und macht sich an das seines Kollegen heran, sollte interveniert werden. In Wolfsrudeln halten sich die ranghöheren Wölfe aus den Ressourcenstreitigkeiten der  rangniedrigeren Tiere zwar heraus. Doch dort hat auch jedes Tier das Recht, seine Ressource zu verteidigen.

 

Wer also nicht mit ständigen Ressourcenstreitigkeiten leben, sondern zwei entspannte Hunde haben möchte, sollte nicht nur die Ressourcen zuweisen, sondern auch darauf achten, dass diese Zuweisung respektiert wird. Ist das der Fall, wird sich jeder Hund entspannt mit dem ihm zugewiesenen Rinderohr hinlegen und es genüsslich verspeisen, ohne daran zu denken, dem anderen seines streitig zu machen.

 

Im Gegenzug muss jedoch auch der Mensch darauf achten, bei seinen Zuweisungen die natürliche Rangordnung seiner beiden Hunde zu respektieren.

 

Rangordnung der Hunde untereinander muss berücksichtigt werden

 

In vielen Zweihundehaushalten ist eine eindeutige Rangordnung der Hunde untereinander gar nicht erkennbar – in verschiedenen Situationen dominiert mal der eine, mal der andere, und das in stillschweigendem Einvernehmen. In so einer Konstellation darf der Mensch tatsächlich mit Maßstäben menschlicher Gerechtigkeit vorgehen und seine Aufmerksamkeiten gleichwertig verteilen.

 

In anderen Konstellationen kann es aber sein, dass ein Hund klar die Nase vorne hat – weil er älter und erfahrener ist, weil er zuerst in der Familie war oder weil er charakterlich einfach durchsetzungsstärker ist -daran ist von menschlicher Seite nicht zu rütteln. Ist ein Hund ranghöherer, kann es zu Konflikten führen, wenn der Mensch diese natürliche Rangordnung nicht respektiert. Lässt er dem rangniedrigeren Tier aus Anteilnahme ständig mehr Aufmerksamkeit zukommen als dem ranghöheren, wird das zwangsläufig zu Streitigkeiten führen.

 

Der ranghöhere Hund wird sich womöglich ständig gezwungen sehen, seine Position vehement deutlich zu machen. Es kann auch passieren, dass der rangniedrigere Hund das Vertrauen in die Voranstellung seines Kollegen verliert und versucht, seine eigene Position zu verbessern, obwohl ihm die notwendigen Voraussetzungen dazu fehlen. Beides führt zwangsläufig zu einem nicht zur Ruhe kommenden Konflikt, verbunden mit ständigem Stress und Frustration.

 

Vernünftiger wäre es, hier die Position des ranghöheren Hundes zu respektieren und ihr auch im Alltag gerecht zu werden. Das heißt konkret: Ein deutlich ranghöherer Hund kommt immer zuerst. Das ist durchaus nicht herzlos, sondern für Hunde absolut nachvollziehbar und der beste Schutz vor ständigen Konflikten.

 

 

Unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigen

 

Zwei Hunde können unterschiedliche Bedürfnisse haben, für die ein aufmerksamer Mensch rasch ein Gespür entwickeln wird. Damit es möglich ist, die Kommunikation scharf abzugrenzen und wirklich nur den Hund anzusprechen, der gemeint ist, ist es sinnvoll, mit Körpersprache zu arbeiten. Die Hunde sollten lernen: Derjenige, der Blickkontakt hat, ist gemeint. Derjenige, dem der Rücken zugewandt ist, ist nicht gemeint. Vor alle Kommandos sollte immer der Name des betreffenden Hundes gesetzt werden.

 

Auch wenn zwei Hunde sich wunderbar mit sich selbst beschäftigen können, sollte der Mensch sich regelmäßig die Zeit nehmen, getrennt etwas mit ihnen zu unternehmen. Nur wenn er phasenweise einem Hund seine ganze Aufmerksamkeit schenken kann, kann eine gute Bindung aufrecht erhalten werden. Denn auch bei der Haltung von zwei Hunden sollte die Bindung zum Menschen an erster Stelle stehen und erst danach die Bindung zum anderen Hund folgen. Ideal ist es, wenn in einem Zweihunde-Haushalt jeder Hund eine eigene Bezugsperson hat. 

 

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