Zweithund - richtige Auswahl

Dreamteam oder Problemteam – Teil 2 der Serie 

Zwei Hunden beim gemeinsamen Spielen zuzuschauen ist grandios! Allerdings schlägt meine kleine Terrierhündin schon einmal ein paar unfreiwillige, aber ziemlich spektakuläre Saltos, wenn sie zwischen die Pfoten des 25kg schwereren Collierüden gerät. Die Arme! Aber Terrier sind ja ziemlich robust. So robust, dass sie auch mal ein paar klarere Worte brauchen. Während die Terrierhündin allerdings völlig unbeeindruckt bleibt, fühlt sich der Collierüde angesprochen und wirft sich gottergeben vor mir in den Staub. Der Arme! Aber Collies sind ja ziemlich sensibel. Eine clevere Kombination?

 

Die kluge Auswahl eines passenden Hundes ist ein Unterfangen, das mit mindestens ebensolcher Sorgfalt, Geduld und Aufrichtigkeit geschehen sollte. Während sich der hundelose Mensch noch alle Optionen bei der Auswahl seines neuen Gefährten offen halten kann, ist die Auswahl bei einem bereits vorhandenen Hund stark eingeschränkt.

 

Immerhin soll der Zuwachs nicht nur zu Herrchen oder Frauchen passen, sondern insbesondere auch zum vorhandenen Ersthund.

 

Denn auch wenn Hunde Rudeltiere sind: so wenig, wie jeder Ersthund sich insgeheim nach einem Hundegefährten sehnt, so wenig wäre jeder beliebige Zweithund eine Bereicherung für den Ersthund. Auf Zweihundehalter kommt ohnehin schon eine Menge zu – stimmt die Chemie zwischen den beiden Hunden nicht, kann das Projekt Zweithund nur in einem Desaster enden.

 

Zweithund – ein Patentrezept gibt es nicht

 

Ein Patentrezept für den passenden Zweithund gibt es nicht. Jeder Ersthund sollte individuell entscheiden dürfen, mit wem er sein Leben teilen möchte, und wen er lieber nicht in seinen eigenen vier Wänden haben möchte. Ein vorheriges Kennenlernen der Hunde bleibt deshalb unerlässlich.

 

Bei zwei erwachsenen Hunden ist es ideal, wenn das Kennenlernen mit Geduld angegangen werden kann und das Zusammenspiel der Hunde in verschiedenen Situationen ausgetestet werden kann.
So bieten zum Beispiel viele Tierschutzvereine an, einen Hund in Pflege zu nehmen, mit der Option auf Festübernahme. Auch ein mehrfaches gemeinsames Spazieren gehen mit einem Tierheim-Hund bietet die Möglichkeit eines gründlichen Kennenlernens. Jeder Hundehalter, der in Erwägung zieht, einen Zweithund aufzunehmen, sollte so geschult sein in der Kommunikation der Hunde untereinander, dass er ein solches Treffen sinnvoll gestalten und richtig bewerten kann.

 

Einen Welpen als Zweithund aufzunehmen, kann viele Konflikte vermeiden, bedeutet aber auch viel Arbeit. Kommt der Familienzuwachs aus Züchterhand, sollte bereits im Vorfeld überlegt werden, welche Rasse grundsätzlich zu dem Ersthund passen würde. Ein seriöser Züchter wird sich gerne Zeit nehmen, auch in dieser Hinsicht zu beraten und den am besten geeigneten Welpen auszusuchen. Auch der Ersthund sollte die Möglichkeit bekommen, die Welpen kennen zu lernen.


Zweithund-Kombinationen: Dreamteam und Problemteam

 

Auch wenn es keine Patentlösung für den Zweithund gibt, gibt es immer bestimmte Hunde-Kombinationen, die vielversprechend sind, und andere, die deutlich mehr Konfliktpotenzial haben. Das Leben spielt nicht immer so, wie man plant – doch wer Stress mit zwei Hunden vermeiden möchte, sollte zumindest versuchen, ein „Dreamteam“ anzustreben und ein „Problemteam“ zu vermeiden.

 

Grundsätzlich verstehen sich Rüde und Hündin beispielsweise meist besser als eine gleichgeschlechtliche Kombination. Natürlich sollte hier darauf geachtet werden, dass kein unerwünschter Nachwuchs entstehen kann. Zwei unkastrierte, gegengeschlechtliche Hunde in einem Haus sind eine sehr große Verantwortung und bedeuten zumindest während der Läufigkeit der Hündin viel Stress für alle Beteiligten. Es genügt allerdings meist, einen der beiden kastrieren zu lassen. Ob dies Hündin oder Rüde ist, hängt von vielen Faktoren ab und muss eine sorgsam bedachte Einzelfallentscheidung bleiben.

 

Auch Hunde-Kombinationen, in denen die Rangordnung zwischen beiden Hunden von vorne herein ganz klar und nachhaltig geklärt ist, sind meist harmonischer als solche, wo die sie immer wieder aufs Neue diskutiert wird. Deshalb ist es sinnvoll, auch diesen Aspekt bei der Auswahl des Zweithundes zu berücksichtigen. Welcher Hund bei der Rangordnungsfrage die Nase vorn hat, kann natürlich nicht mit Sicherheit vorausgesehen werden. Einige Faktoren begünstigen jedoch die Höherstellung im Rudel.

 

Der Hund, der zuerst da war, hat grundsätzlich bessere Aussichten als der Hund, der neu ins Rudel kommt. Ebenso hat der Hund, der älter ist, gute Chancen, von dem Jüngeren als ranghöher akzeptiert zu werden. Und letztlich hat in einer gegengeschlechtlichen Kombination fast immer die Hündin den Rüden ganz gut im Griff. Optimal wäre es also, wenn ein jüngerer Rüde zu einer älteren Hündin ins Haus kommt – davon abgesehen, dass diese etwas zickig reagieren könnte, wird ihre priveligierte Stellung höchstwahrscheinlich von dem Rüden nie in Frage gestellt werden und er wird sich Zeit seines Lebens mit dem zweiten Platz zufrieden geben.

 

Wer einer zur Dominanz neigenden Hündin eine ebenso zur Dominanz neigende, gleichaltrige Hündin dazu gesellt, hat dagegen gute Aussichten, sich ein Hundeleben lang mit einem „Problemteam“ herumschlagen zu können.

 

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