Zweithund - Fazit und Prognose

Wieviel Hund braucht der Mensch?

Mein Collierüde kannte anderen Rüden gegenüber nicht den Hauch einer Aggression. Bis zu dem Tag, an dem er Meinung war, dieser fremde Rüde hätte nichts, aber auch rein gar nichts bei unserer – seiner! Colliehündin verloren. Ein kurzes, drohendes Aufblitzen seines Eckzahnes, ein tiefes Grollen, und der Rüde war bis ins Mark erschüttert. Ich übrigens auch.

 

Am Anfang der Zweihundehaltung steht natürlich, wie am Anfang jeder anderen Hundehaltung auch, ein - meist glühender - Hundewunsch. Dieser Hundewunsch kann vielfältige Ursachen haben - die einen gut, die anderen weniger gut.

 

Den Ersthund ohne schlechtes Gewissen alleine lassen zu können oder aber endlich einen Hund zu bekommen, bei dem grundsätzlich alles besser wird als beim ersten, sind wenig legitime Gründe. Letztlich ist aber die entscheidende Frage: Ist der Hundewunsch groß genug?

 

Die Anschaffung eines Zweithundes wird in jedem Fall Veränderungen mit sich bringen – in einem Ausmaß, das niemand voraussehen kann. Der Alltag, das Zusammenleben, vor allem aber auch der Ersthund werden sich verändern. Diese Veränderungen können wunderbar, haarsträubend oder auch beides sein. Doch wer wirklich den letzten Schritt tut und den Zweithund aufnimmt, sollte sich sicher sein, dass der Hundewunsch ihm diese Veränderungen wert ist.

 

Zweihundehalter brauchen Organisationstalent

 

Zwei Hunde sind, selbst wenn sie noch so beneidenswert gut erzogen sind, immer eine gewisse nervliche Belastung. Ganz gleich, ob der Alltag zuhause, gemeinsame Spaziergänge, Ausflüge, Freizeitaktivitäten oder gar ein Urlaub – zwei Hunde erfordern immer eine Menge Voraussicht, Mitdenken - ein regelrechtes Management.

 

Ein Hund kann, sofern er gut sozialisiert und erzogen ist, meist noch einfach nebenher laufen. Bei zwei Hunden geht das schon aus organisatorischer Sicht nicht mehr, ohne ein mittelschweres Chaos herauf zu beschwören. Wer zwei oder mehr Hunde hält, muss seinen Alltag zu großen Teilen nach ihnen ausrichten – entweder kann er weitere Hobbies weitestgehend aufgeben, oder er sollte einen zuverlässigen und mindestens ebenso hundeverrückten Partner an seiner Seite haben. Die Entscheidung zum Zweithund muss ebenso von alle Familienangehörigen getragen werden wie die zur Hundehaltung überhaupt - denn Zweihundehaltung ist quasi Hundehaltung².

 

Selbstverständlich kann man auch zwei oder drei Hunde einfach nebenher laufen lassen. Leider ist genau diese Art der sorglosen Hundehaltung oft der Grund für die vielen Vorurteile, denen Mehrhundehalter begegnen. Wenn ein Hunderudel irgendwo auftritt, rechnen die meisten schon fest mit Chaos, nehmen Reißaus oder lehnen sich entspannt zurück, um die zweifellos eindrucksvolle Show zu genießen. Und leider oft zurecht.

 

 

Mit dickem Fell und fortwährender Aufklärung gegen Vorurteile

 

Mit Vorurteilen müssen Zweihundehalter noch besser umgehen können als Menschen mit nur einem Hund. Wer sich direkt zwei Hunde von schlechtem Ruf – so ungerechtfertigt der auch ist! - zulegt, sollte wissen, worauf er sich einlässt. Wer ein unüberwindbares emotionales Problem damit hat, kritisch von seinen Mitmenschen beäugt zu werden, sollte nicht unbedingt drei Staffordshire-Terrier an der Leine führen.

 

Wer sich mit zwei Collies in die Öffentlichkeit traut, sollte darauf eingerichtet sein, alle paar Meter ein jauchzendes "Lassie!" zu hören, verbunden mit vielen Händen, die unvermittelt nach den eigenen Hunden grabschen. Das klingt herzerwärmend, kann für einen Mehrhundehalter aber Stress pur sein - denn auch Collies haben irgendwann einfach keine Lust mehr, umarmt und getätschelt zu werden.

 

Hat man sein Herz nun einmal an einen bestimmten Typ oder eine bestimmte Rasse von Hund verloren, sollte man möglichst sein Bestes geben, verantwortungsvolle Aufklärungsarbeit zu leisten und auch dem Image der Rasse in der Öffentlichkeit dienlich zu sein.

 

Hier geht es weiter: Zweithund-Serie Fazit Teil 2

 

 

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