Zweithund - erste Begegnungen

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Voller Vorfreude fuhr ich am Tag der Tage zur Züchterin, meine kleine Terrierhündin auf der Rückbank, neben ihr ein zweiter kleiner Gurt mit einem noch unbenutzten Welpengeschirr. Freudentränen standen in meinen Augen, als ich den zum Umfallen niedlichen Colliewelpen schließlich neben sie pflanzte. In ihren Augen jedoch stand das pure Entsetzen: DAS da? In IHREM Auto? Der Welpe nahm es locker und ignorierte sie einfach. Eine Haltung ihr gegenüber, die ihm einiges erleichterte – bis auf den heutigen Tag.

Wie so oft im Leben gilt auch bei der An- schaffung des Zweit- hundes: der der erste Eindruck zählt! So achtsam das gesamte Unterfangen „Zweit- hund“ angegangen werden sollte, so um- sichtig sollten auch die ersten Zusammen- treffen und schließlich die Zusammenführung sein. Dabei ist nicht nur das Wie, sondern vor allem auch das Wo entscheidend.

 

Ersthund hat Heimrecht

 

Bedenkt, dass Euer erster Hund bislang der „Herrscher über Euer Heim“ war. Jeder Ort, an dem er sich regelmäßig aufhält, steht ihm seiner Ansicht nach gesetzmäßig zu, egal ob es das Wohnzimmer, die Küche oder aber auch der Autorücksitz ist. Fremde werden zunächst gut abgecheckt, bevor sie die heiligen Gemächer betreten dürfen – oder womöglich gleich durch tosendes Gekläffe abgeschreckt.Selbst der friedlichste Vertreter findet insgeheim: my home is my castle!

 

Vor der Abholung sollten also ein paar Überlegungen stehen: Wo lasse ich die zwei Hunde zum ersten Mal aufeinander treffen? Wie möchte ich das Zusammentreffen gestalten und wie sollte ich mich als Hundeführer in den möglichen Situationen zu verhalten?

 

 

Besuchstage für Hund und Welpe

 

Holt Ihr Euch einen Welpen ins Haus, könnt Ihr Eure Besuchstage schon dazu nutzen, die Hunde langsam miteinander bekannt zu machen. Der ältere Hund hat Zeit, sich an den Neuankömmling zu gewöhnen – und das nicht in seinem geheiligten Revier, sondern auf neutralem Territorium.


Da der Welpe auch noch eine gewisse Nachsicht genießt, wird es höchstwahrscheinlich nicht zu Konflikten kommen. Ist der Welpe bereits älter als 9 Wochen, kann es sein, dass er gerade seine Grenzen austestet und Euer Ersthund sich genötigt sieht, erzieherisch tätig zu werden.

 

Ist Euer Hund gut sozialisiert, ist es grundsätzlich kein Problem, wenn er den Jungspund einmal mit einem Schnauzgriff oder dem Umstubsen durch Nase oder Pfoten in die Grenzen verweist, die er auch im späteren Zusammenleben zu beachten hat. Zeigt sich Euer Ersthund aber extrem gereizt von dem quirligen Kollegen, solltet Ihr den Plan noch einmal überdenken – vielleicht war die Entscheidung für einen Welpen doch nicht so klug?


Wart Ihr schließlich ein paar Mal mit Eurem Ersthund beim Welpen zu Besuch, wird auch die spätere Eingewöhnungsphase nicht zu lange dauern. Auch im Haus wird der Ersthund dem Welpen noch einige Regeln klarmachen – das soll auch so sein. Haltet Euch zurück und nehmt den Welpen nicht in Schutz, es sei denn, er wird tatsächlich drangsaliert.

 

In vielen Fällen ignoriert der Ersthund einen Welpen jedoch einfach, behandelt ihn im wahrsten Sinne des Wortes wie Luft und demonstriert so souverän seine Voranstellung. Das ist sein gutes Recht und er sollte nicht gezwungen werden, sich mit dem Neuzugang zu beschäftigen. Manche älteren Hunde wissen mit Welpen auch einfach noch nicht viel anzufangen. Irgendwann, wenn der Welpe in seiner Entwicklung weiter fortgeschritten ist, wird der Ersthund sich vielleicht für ihn erwärmen.

 

Rangordnung muss festgelegt sein

 

Bei einem erwachsenen Zweithund gilt umso mehr: Neutraler Untergrund beim ersten Zusammentreffen! Der heimische Hof ist nicht das geeignete Revier zum Kennenlernen von zwei fremden Hunden. Auch wenn sich der ein oder andere denkt „Der Hof ist groß genug“, wird der Ersthund das ganz anders sehen und seinen Hof womöglich verteidigen.


Geht zunächst ein paar Mal mit beiden Hunden spazieren. Auf einem Rundgang durch die Natur haben die zwei Hunde genug Zeit sich kennen zu lernen und die Rangordnung festzulegen. Verstehen sich die Hunde untereinander gut, könnte ihr einen ersten Besuch bei euch zu Hause wagen. Klappt alles problemlos, ist das neue Familienmitglied nicht nur bei Euch, sondern auch bei Eurem Ersthund herzlich willkommen.

 

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