Kind und Hund Teil 3

Jedes Kind formt sich seinen persönlichen Traum-Hund

 

Mein vierbeiniger Schwarm war eben, inspiriert von den Geschichten Jack Londons, ein stolzer Schlittenhund. Mir war völlig klar, dass ich als Erwachsene nach Lappland auswandern und dort mit Schlittenhundegespannen durch die Wildnis fahren würde. Vernünftigerweise kamen meine Eltern gar nicht erst auf die Idee, ihrem kleinen Stöpsel in der ebenso kleinen Stadtwohnung einen solch speziellen Hund zu schenken.

 

Denn mit der Realität haben diese schönen Kinderträume freilich nur sehr wenig zu tun.

 

Hunde sind keine selbstlosen Beschützer und persönlichen Alleinunterhalter, sondern höchst eigennützige Geschöpfe mit bestimmten Bedürfnissen, die wir als Hundehalter unbedingt erfüllen müssen.

 

Meine Eltern wussten das. Und für mich war auch das zottige braune Bündel, das mir an meinem Geburtstag mit einer großen Schleife und einer mahnenden Rede überreicht wurde, das allerschönste Wesen auf der ganzen Welt.

 

Hund ist für die Entwicklung eines Kindes wichtig


Dass Kinderträume der Realität nicht standhalten können, heißt nicht, dass Kinder nicht mit Hunden aufwachsen sollten. Das Gegenteil ist der Fall. Mit einem Hund aufzuwachsen, hat so viele Vorteile, dass die Enttäuschung über falsche Vorstellungen rasch vergessen ist. Für die soziale, kognitive und emotionale Entwicklung eines Kindes hat es große Vorteile, mit einem Hund aufzuwachsen – Forscher gehen sogar so weit zu behaupten, dass einem Kind, dass ohne Kontakt zu Haustieren, insbesondere Hunden, aufwächst, existenzielle Erfahrungen fehlen.


Doch ein Kind, dass einen übermenschlich klugen Superhund erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht sein, wenn der eigene Vierbeiner nichts weiter tut, als umher zu trotten und an Blumen zu schnüffeln. Es kann eine sehr unsanfte Landung auf dem Boden der Realität bedeuten, wenn es statt einem vierbeinigen Helden einen ganz normalen Hund an seiner Seite hat, der auch mal keine Lust auf ein Spiel hat - der aber sehr wohl eine Menge ganz alltäglicher und unspektakulärer Bedürfnisse hat, deren Erfüllung Pflicht ist.

 

In einem intensiven Gespräch sollte Kindern der Unterschied zwischen Traum und Wirklichkeit erklärt werden - und zwar vor dem Entschluss, einen Vierbeiner anzuschaffen. Auch Kinder können den Unterschied zwischen Träumereien und der Realität lernen – umso besser, wenn diese bittere, aber unvermeidliche Lernerfahrung durch die schönen Momente mit einem echten, eigenen Hund versüßt wird. In die Überlegungen vor der Anschaffung und die Auswahl des richtigen Hundes können und sollten auch Kinder mit einbezogen werden 

 

Kindertraum darf kein Alptraum werden


Damit aus dem Kindertraum kein alltäglicher Hundealptraum wird, müssen natürlich vor der Anschaffung all die Dinge erwogen werden, die vor jeder Hundeanschaffung absolutes Pflichtprogramm sind. Es genügt nicht, die Erwartungshaltung der Kinder auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren und sich einen vermeintlich kinderlieben Hund anzuschaffen. Der garantiert kinderliebe Labrador dampft als Halbwüchsiger durchs Haus und rennt dabei alles über den Haufen – die Kinder eingeschlossen. Spaziergänge sind alles andere als harmonische Familienunternehmungen, wenn der Jungrüpel an der Leine zerrt, bis der Arm ausgekugelt ist, Joggern hinterherjagt oder jeder Hündin nachsteigt.


Ich erinnere mich lebhaft daran, wie hin- und hergerissen meine Gefühle meinem Hund gegenüber waren. Einerseits liebte ich ihn, wie wohl nur Kinder Hunde lieben können, und ich hatte das ungeheure Glück, einen Hund von äußerst gutmütigem Charakter zu haben. Doch auf der anderen Seite hatten meine Eltern es versäumt, dem Vierbeiner und uns eine ordentliche Hundeschule angedeihen zu lassen. Es war für mich eine täglich wiederkehrende Tragödie, wenn mein Hund mir beim Spaziergang weg lief oder mich an der Leine hinter sich her schleifte.

 

Hundeschule bezieht auch Kinder mit ein


Solche Erfahrungen sollten jedem Kind erspart bleiben. Der Besuch einer guten Hundeschule und die fachgerechte, liebevolle und konsequente Erziehung eines Hundes sind insbesondere bei Hunden, die mit Kindern in einer Familie leben, unerlässlich. Eine gute Hundeschule bezieht Kinder in die Ausbildung mit ein und lehrt sie, in einem gewissen, sicheren Rahmen mit dem Hund zu spielen und zu arbeiten. Die Verantwortung liegt jedoch natürlich immer und ausschließlich bei den Eltern.


Denn auch und gerade mit dem eigenen Familienhund kommt es rasch zu Missverständnissen und zu unerfreulichen, ja sogar tragischen Zwischenfällen. Mir sind diese glücklicherweise erspart geblieben. (je)

 

Das sind die weiteren Teile der Serie 'Hund und Kind':

 

Teil 1: Grundsätzliche Regeln im Umgang

 

Teil 2: Kind und Hund sprechen andere Sprache

 

Teil 3: Kindertraum und Realität

 

Teil 4: Wenn plötzlich ein Baby da ist

 

Teil 5: Gepflegter Hund ist kein Gesundheitsrisiko fürs Baby

 

Teil 6: Kinder-Trauer um Hunde ist anders

 

Teil 7: Krabbelkind und Hund - eine risikoreiche Kombination

 

Teil 8: Hunde-Spiele für Kinder

 

Teil 9: Sind Kinder die besseren Hunde-Trainer?

 

Teil 10: Schul-Hunde und Kindergarten-Hunde im Einsatz

 

 

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