Kind und Hund Teil 3

Kindertraum und Realität

 

Schon im zarten Alter von sechs Jahren wusste ich genau, was für einen Hund ich wollte - keineswegs den Collie, den ich heute habe. Ich träumte zwar auch von einem vierbeiniger Helden á la "Lassie", der mich aus Gefahren erretten und mit dem ich allerlei große Abenteuer bestehen würde. Ein pfeilschneller Husky sollte es allerdings sein, unerschrocken und furchtlos, mutig und klug; mit Augen, so strahlend eisblau wie der Ozean! Als ich dann endlich meinen ersten eigenen Hund bekam, war es ein kleiner brauner Zottel-Mischling mit einem denkbar harmlosen Charakter. Ein Glück!

 

Auch wenn Kinder und Hunde unterschiedliche Sprachen sprechen, haben sie vieles gemeinsam.

 

Sie handeln intuitiv, interessieren sich nicht für Strukturen, Konventionen und Vorstellungen von Gesellschaft und Erwachsenenwelt und leben ganz im Hier und Jetzt. Das schafft eine Verbindung zwischen Kind und Hund, die für uns Erwachsene mit unseren rationalen Kategorien, unseren Bewertungen und Interpretationen nur schwer zu verstehen ist.


Zu den glücklichsten Momenten meiner Kindheit gehörte zweifellos, wenn ich mit meinem Hund völlig verdreckt und glücklich vom Spielen zurück kehrte, natürlich hoffnungslos verspätet, und während der Schimpf-Tirade meiner Mutter verschwörerische Blicke mit ihm tauschen konnte.

 

Der Traum vom eigenen Hund

 

Nahezu jedes Kind träumt von seinem eigenen Hund. Ein Hund ist - aus Kindersicht - in erster Linie ein Spielkamerad, der immer zur Verfügung steht. Nicht nur, dass er stets zu lustigen Unternehmungen aufgelegt wäre, nein, das Kind besäße quasi das Exklusivrecht an diesem Spielkameraden. Es müsste mit niemandem konkurrieren, müsste weder Markenklamotten tragen noch gute Noten schreiben oder angesagte Musik hören, damit es von seinem Hund beachtet, bewundert und geliebt wird. Die Ergebenheit eines Hundes würde ihm gehören, bedingungslos.


Dieses Wissen um Besitztum gibt Kindern eine enorme Sicherheit – der Hund ist ihr bester Freund, er wird immer da sein und für alle Ängste und Sorgen ein offenes Ohr haben, ohne zu schimpfen, aus zu lachen oder zu bewerten. Vor ihm kann man sich nicht blamieren, er verzeiht alles. Die fremdartige Kraft und Schönheit eines Hundes übt auf Kinder eine große Faszination aus, und letztlich wird der eigene Hund auch immer als überlegener Partner in Abenteuern und als großer Beschützer betrachtet.


Dass Kinder von einem eigenen Hund träumen, ist etwas ganz Natürliches. Selbst Kinder aus Familien, die keine Haustiere halten und auch keine engeren Kontakte zu Hunden pflegen, haben diesen Traum. Meist sind es nur Kinder, die bereits schlechte Erfahrungen mit Hunden machen mussten oder deren Eltern ihnen ein intensives Unbehagen gegenüber Hunden eingeimpft haben, die nicht von einem eigenen Hund träumen.

 

Kinderträume werden von Büchern und Filmen inspiriert


Ganze Generationen von Autoren und Filmemachern haben diese schwärmerische Vorliebe von Kindern für sich genutzt und zahllose Hunde-Helden wie Lassie, Boomer, Rin Tin Tin, Kommissar Rex, Beethoven, Wolfsblut oder 101 Dalmatiner geschaffen.

 

All diese Hunde inspirieren Kinder wiederum, und all diese Hunde verbindet eines: Sie entsprechen dem kindlichen Wunsch nach einem heroischen, edelmütigen vierbeinigen Gefährten, der sie zum Lachen bringt, in brenzligen Situationen aber zum unfehlbaren Retter wird. All diese Hunde sind groß, stark, zuverlässig und mutig - ein persönlicher Held, ein großer Bruder und ein perfekter Spielkamerad in einem!

 

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