Diese Denkweise ist nachvollziehbar, wäre aber eine fatale Fehlentscheidung. Denn ein Hund gewöhnt sich sehr schnell an ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und wird den jähen sozialen Abstieg, den er bei der Ankunft des Nachwuchses zwangsläufig erfahren wird, sofort mit dem schreienden kleinen Bündel verknüpfen.
Dass er diesem Privilegien-Räuber, der so aus heiterem Himmel in seine Familie platzt, dann nicht gerade wohlgesonnen sein wird, versteht sich von selbst. Da das Baby nun selbstverständlich einen Großteil der Zeit und Aufmerksamkeit der Familie in Anspruch nehmen wird, sind Eifersuchtsszenen quasi vorprogrammiert.
Verschärft wird die Situation noch, wenn der Hund nach der Ankunft des Babys vom Familienleben ausgegrenzt wird. Beratende Ärzte oder wohlmeinende Verwandte kündigen vielleicht heftige Zweifel an den hygienischen Zuständen an, wenn sie von dem vierbeinigen Familienmitglied erfahren. Wird das Kinderzimmer – oder das Elternschlafzimmer – nun von den besorgten Eltern zur Tabuzone erklärt, darf der Hund nicht mehr auf das Sofa, weil das Baby dort gestillt wird und schon gar nicht mehr ins Bett, wo es mit den Eltern schläft, wird seine Feindseligkeit geradezu provoziert.
Schwangerschaft mit Hund: Privilegien rechtzeitig reduzieren
Darf der Hund das Baby nicht beschnüffeln, ja nicht einmal in seine Nähe, hat er keine Chance, sich davon zu überzeugen, dass das kleine Bündel harmlos und schützenswert ist - geschweige denn, es als neues Rudelmitglied zu akzeptieren. Er wird es somit eher als Konkurrenten wahrnehmen, vielleicht mit Misstrauen und Skepsis beobachten; und spätestens wenn das Kind ins Krabbelalter kommt und die Wohnung erkunden möchte, sind Schwierigkeiten vorprogrammiert.
Die einzig sinnvolle Alternative zu diesem denkbar ungünstigen Szenario ist, eventuelle Privilegien des Hundes bereits in der Schwangerschaft langsam abzubauen. Wird die Aufmerksamkeit nur langsam und vor der Ankunft des Babys reduziert, kann sich der Hund in Ruhe daran gewöhnen und verbindet sie nicht mit dem Säugling. Da sein Frauchen später wahrscheinlich noch mehr mit der Pflege des Kindes beschäftigt sein wird als Herrchen, kann es ratsam sein, wenn Frauchen sich auch jetzt schon etwas mehr zurückzieht und Herrchen zur Hauptbezugsperson wird.
Die Einführung von Hausregeln ist bei jedem Hund sinnvoll. Soll der Hund später nicht ins Kinderzimmer, muss das bereits jetzt festgelegt werden. Viel besser wäre es allerdings, den Hund in alles, was das Baby betrifft, vorsichtig und umsichtig mit einzubeziehen. Von einem gesunden und gepflegten Hund geht kein Risiko für ein Baby aus. (je)
Das sind die weiteren Teile der Serie 'Hund und Kind':
Teil 1: Grundsätzliche Regeln im Umgang
Teil 2: Kind und Hund sprechen andere Sprache
Teil 3: Kindertraum und Realität
Teil 4: Wenn plötzlich ein Baby da ist
Teil 5: Gepflegter Hund ist kein Gesundheitsrisiko fürs Baby
Teil 6: Kinder-Trauer um Hunde ist anders
Teil 7: Krabbelkind und Hund - eine risikoreiche Kombination
Teil 8: Hunde-Spiele für Kinder
Teil 9: Sind Kinder die besseren Hunde-Trainer?
Teil 10: Schul-Hunde und Kindergarten-Hunde im Einsatz
Hier geht's zurück zur Übersicht: Stadthunde-Serie 'Hund und Kind'
Aktuelle Stadthunde-News und Artikel zum Thema finden Sie unter: Hunde heilen Beziehungen - Flirtfaktor Hund
Hier geht es zurück zu Hund und Partnerschaft



