John Grogan's "Marley & Ich" Teil 2

Marley ist er selbst - das reicht

Marley ist ein literarisches Phänomen. Die Idee, das Leben eines chaotischen Hundes niederzuschreiben, kann dabei nicht einmal als innovativ bezeichnet werden. Nach Beethoven, Huutch und dem Partner mit der kalten Schnauze hätte der globale Bedarf nach einem Anti-Lassie für Jahrzehnte gedeckt sein müssen. Doch so pappsatt, dass man Marleys Charme nicht erliegt, kann man gar nicht sein. Marley ist er selbst – das reicht. Und Grogan schreibt als er selbst – und das begeistert.


Marley & Ich - eine Hommage an einen Charakterhund

 

Von der ersten Seite an ist klar, dass Marley nicht das Produkt eines Hollywood-Drehbuchautors ist, der Hunde höchstens aus der Frolic-Werbung kennt. Marley verkörpert eben nicht das Ideal des modernen, kultivierten und politisch jederzeit hochkorrekten Vielseitigkeitshundes. Marley & Ich erzählt die authentische Geschichte einer normalen Familie, über die der fleischgewordene Hundewahnsinn hereinbricht – und wie diese Familie ihr Bestes gibt, um damit fertig zu werden. Und Grogan schönt dabei nichts, er beschreibt die Krisen und die Hilflosigkeit genauso wie die kleinen Triumphe und die großen Liebesbeweise. Marley & Ich ist keine Anleitung zur akkuraten Hundeerziehung und perfekten Hundehaltung. Es ist eine melancholisch-heitere Erinnerung, eine postume Liebeserklärung an einen kompromisslosen Charakterhund mit einem Herzen aus Gold.

 

Autor John Grogan hat als Journalist zahlreiche Preise gewonnen

 

Dass die Leser vor einem Hunderoman – nicht gerade ein Garant für Bestseller - reihenweise auf die Knie gegangen sind, liegt sicherlich auch daran, dass Autor John Grogan schlichtweg der geborene Mann für dieses Buch ist. Aus Mangel an sämtlichen anderen Talenten,  wie Grogan einmal auf seine unnachahmliche Art zugab, hatte er sich für das Schreiben entschieden, das ihn dann auch durch sein gesamtes Leben nicht mehr los ließ.

 

Er arbeitete als Polizeireporter und später als Kolumnist bei Tageszeitungen, wagte einen kühnen Abstecher in die Welt der Gartenmagazine, um seinem Hobby näher zu sein, und kehrte wenig später reumütig zu seinen Kolumnen zurück. Mittlerweile hat er für seine journalistischen Arbeiten zahlreiche Preise, u.a. den renommierten National Press Club's Consumer Journalism Award, gewonnen. Nach Marley & Ich hat Grogan kürzlich sein zweites Buch „The Longest Trip Home“, veröffentlicht, in dem er über seine Erfahrungen als Spross einer erzkatholischen Familie schreibt.

 

Marley war nicht nur durchgeknallt, sondern auch ein ergebener Freund

 

Gleich nach Grogans Hochzeit mit Jenny trat Marley ins Leben der frisch Vermählten. Und wer „Marley & Ich“ gelesen hat, kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass Grogans bisheriges Leben dem Schreiben von Marley & Ich geradezu entgegenstrebte und – vorerst - darin gipfelte. Marleys Eskapaden dienten schon früh zur Unterhaltung von Dinner-Gästen und fanden alsbald auch ihren Weg in Grogans Kolumnen. Nach Marleys Tod hatte John Grogan jedoch das dringende Bedürfnis, die Welt über den echten Marley aufzuklären, der eben nicht nur beispiellos durchgeknallt war, sondern auch ein ergebener, bedingungslos liebender Freund bis zu seinem letzten Atemzug. Mit Marley hatten er und seine Familie erlebt, was es wirklich heißt, in Höhen und Tiefen zusammen zu stehen. Grogan widmete ihm eine Kolumne im Philadelphia Inquirer, und erntete prompt eine Flut an begeisterten Zuschriften. Ganz offensichtlich war die Welt reif für Marley.

 

Schreiben mit therapeutischem Nutzen

 

Sicherlich, so gibt Grogan zu, hatte das Schreiben dieses Buches auch einen therapeutischen Nutzen für ihn und seine Familie, so kurz nach Marleys Tod. Doch Grogans Meinung nach taugt Marley nicht nur als besonders abschreckendes Beispiel für alle, die mit dem kühnen Gedanken spielen, sich einen Hund anzuschaffen. Er ist überzeugt, dass die Welt auch von Marley lernen kann - von seiner überschäumenden Lebensfreude, seinem hemmungslosen Feiern des Augenblicks, seiner ungezügelten Aufrichtigkeit und grenzenlosen Liebesfähigkeit. „So, wie Marley unfähig war, bei seinem Benehmen mal auf die Bremse zu treten, konnte er auch seiner Zuneigung und Treue keine Fesseln anlegen“, schreibt Grogan auf seiner Homepage.

 

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