Karneval mit Hund

Helau, Hund! So kommen Sie gut über die "fünfte Jahreszeit".

Mancherorts wird es mit nicht zu überbietender Inbrunst gefeiert, anderswo betrachtet man das Treiben eher etwas irritiert: Karneval! Auch unsere Hunde dürften etwas verwirrt sein, wenn sie Frauchen oder Herrchen plötzlich in Gestalt einer lebensgroßen Hummel wieder finden - und sich selbst ein einer Nonnentracht.

 

In manchen Gegenden Deutschlands herrscht der Ausnahmezustand: Die Jecken sind los! Da wird geschunkelt, gefeiert und "gebützt". Bei vielen Narren kündigt sich Fasching schon viele Wochen vorher an, mit der Entscheidungsnot: als was verkleide ich mich nur?

 

Ein neuer Trend setzt dem noch eins drauf, denn in dieser Saison sind Kostüme für Hunde der Renner. So dass demnächst erschwerend hinzu kommen wird: Welches Kostüm würde dem Vierbeiner zusagen?

 

Die Auswahl ist nicht gering: Hundeshops im Internet bieten dem Hund die einzigartige Möglichkeit, sich endlich einmal als Frosch zu fühlen, für einen Tag ein verwegener Hunde-Pirat zu sein, endlich mal den Polizei-Hund (mit Kappe!) zu geben, die Nachbarn als Grusel-Skelett zu erschrecken, sich zusätzliche zwei Beine wachsen zu lassen und als Spinne zu gehen oder, für Hunde mit Sinn für feine Wortspielereien, sich als "Hot Dog" zu verkleiden.

 

Hunde-Kostüme im Faschings-Handel

 

Doch Hunde-Kostüme sind längst kein Ladenhüter in exotischen Hundeshops. Auch der Faschingshandel hat sich schon auf den Trend eingerichtet. In den einschlägigen Kostüm-Läden können sich Hund und Herrchen oder Frauchen im Partnerlook als Batman, Biker, Zorro, Superman, Nonne oder Prinzessin ausstatten lassen.

 

Wem das nicht extravagant genug ist, kann sich seine Robe natürlich auch maßanfertigen lassen: Thanja Groll, karnevalistisches Hippie-Girlie, hat im WDR-Interview erklärt, warum sie keineswegs bereut, für den Partner-Look ihres Hundes "Trüffel" 225 Euro auf den Tisch gelegt zu haben:  "Das ist es mir wert, weil auch ich einen gewissen Lebensstandart habe, wofür ich gern Geld ausgebe, und dasselbe gilt auch für meinen Hund."

 

Gekauft hat sie bei Ines Lehn, die ein Fachgeschäft für den karnevalistischen Partnerlook von Hund und Herrn führt - lauter Unikate, entworfen von einer Berliner Designerin. Ines Lehn und ihre West-Highland-Terrier-Dame "Chanel" führen den Kunden gerne passende Outfits vor: zum Beispiel das Modell "Sissi", das Hündin und Frauchen in ein goldenes Ballkleid hüllt. Dabei weist Ines Lehn allerdings immer darauf hin: "Der Hund muss sich selbst gefallen, das ist ganz wichtig."

 

Hunde-Kostüme kontrovers diskutiert

 

Das zu beurteilen, ist nun nicht ganz einfach. Hundemode ist zweifellos ein Trend, aber ebenso zweifelsfrei kontrovers diskutiert. Hunde, die geduldig und fachgerecht an das Tragen von Kleidung gewöhnt wurden - weil es im Winter sonst zu kalt für sie wäre - haben meist auch gegen schrille Outfits nichts einzuwenden. Unerlässlich ist dabei natürlich, dass das Kostüm gut passt und nicht etwa drückt, scheuert oder den Hund einschränkt.

 

Letztlich dürfte es dem Hund gleichgültig sein, in welches vermenschlichende Kostüm er gerade gesteckt wird - solange er ansonsten wie ein normaler Hund und seinen Bedürfnissen entsprechend behandelt wird. Denn auch ein als Biene Maja verkleideter Hund fühlt sich immer noch als Hund.

 

Ängstliche Hunde sollte man aber besser mit derlei verschonen. Das rät auch die Tierschutz-Stiftung Vier Pfoten mit dem Hinweis darauf, dass die Bewegungsfreiheit des Hundes eingeschränkt und seine Kommunikationsfähigkeit mit Artgenossen behindert werde.

 

Karneval besser ohne Hund

 

Auch, ob der eigene Vierbeiner - ob in natura oder verkleidet - mit auf karnevalistische Festivitäten kommt, sollten sich verantwortungsbewusste Hundehalter gut überlegen. Der Anblick von kostümierten Menschenmassen kann der sozialisierteste und souveränste Hund als bedrohnlich empfinden und in dem Gedränge und Geschubse Panik bekommen und mit Übersprungshandlung oder Angstaggressionen reagieren.

 

Auch empfinden die meisten Hunde alkoholisierte Menschen als eher unangenehm, und im Fasching geht es selten ohne ein feucht-fröhliches Tröpfchen. Die laute Musik wird ihn mit seinem empfindlichen Gehör nicht gerade zum Schunkeln einladen, und die umherfliegenden Leckereien auf Faschings-Umzügen sind für gierige Hundemäuler und sensible Hundemägen alles andere als gesund - so endet Karneval schnell mit einem persönlichen Aschermittwoch in der Notaufnahme der Tierklinik. (je)

 

 

 

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