Interview mit Kai Rottmann

Diensthunde im Fußballeinsatz – „Routine bedeutet Gefahr“

 

König Fußball bestimmt auch für viele Hundehalter die Wochenendplanung – Gleiches gilt natürlich für die Diensthunde der Polizei, die um die Stadien herum eingesetzt werden. Wir sprachen mit Kai Rottmann – Ausbildungsleiter der Hamburger Polizei-Diensthunde – über  Einsätze, Ausbildung und Leben der vierbeinigen Freunde und Helfer.   

 

Stadthunde.com: Zum Auftakt der Bundesliga-Saison stehen auch für die Diensthunde der Polizei wieder Wochenendeinsätze ins Haus. Gibt es für die Arbeit bei Fußballspielen spezielle Ausbildungsprogramme?

 

Kai Rottmann: Die Diensthunde der Polizei Hamburg sind grundsätzlich alle im Schutzhundebereich ausgebildet. Innerhalb der Grundausbildung zum Schutzhund werden die Diensthunde praxisnah und umfangreich auch auf mögliche „Stadionsituationen“ vorbereitet. Ein spezielles Ausbildungs-programm ist daher im Lehrgangsverlauf nicht vorgesehen und auch nicht erforderlich. 

 

Stadthunde.com: Welche Aufgaben haben die Diensthunde in und um die Stadien herum?

 

Kai Rottman: Der Aufgabenbereich für die Polizeidiensthunde gestaltet sich unterschiedlich und ist grundsätzlich immer auf die einzelne Situation abzustimmen. Allein die Präsenz von Polizeidiensthunden hat sehr häufig eine deeskalierende Wirkung. Die Anwesenheit von Polizeidiensthunden steigert nachweislich das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger bzw. Besucher des Fußballspiels. Die Diensthunde werden auch zur Sicherung von polizeilichen Maßnahmen – zum Beispiel Überprüfungen - eingesetzt. Weitere Einsatzmöglichkeiten sind beispielsweise  Absperrmaßnahmen und Fanbegleitung. Wenn nötig werden die Diensthunde auch zur Trennung von Fan- bzw. Personengruppen eingesetzt.

Der Einsatz von Polizeidiensthunden beschränkt sich dabei auf den Außenbereich bzw. auf das Stadionumfeld. Innerhalb des Stadions ist der Ausrichter als Veranstalter originär für die Sicherheit der Veranstaltung verantwortlich.    

 

Stadthunde.com: Sind diese Einsätze eine große Belastung für die Tiere oder mittlerweile Routine?

 

Kai Rottmann: Jeder Diensthundeeinsatz stellt eine Belastung für Mensch und Hund dar. Insbesondere bei Fußballeinsätzen, also bei größeren Menschenmengen,  ist der Diensthund mit ständig wechselnden Reizen konfrontiert. Je nach Alter und Einsatzerfahrung des Diensthundes werden diese Faktoren mit einer gewissen Erwartungshaltung verbunden. Aus diesem Grund ist der Diensthundeeinsatz immer zeitlich begrenzt.
 
Als Polizeigrundsatz gilt auch dabei: Ein Einsatz, der zur Routine wird stellt immer eine Gefahr dar!


   
Stadthunde.com: Wo werden die Tiere eingesetzt? Nur bei Heimspielen oder geht es auch mal auf Auswärtsfahrt?

 

Kai Rottmann: Die Diensthunde der Polizei Hamburg werden nur bei Heimspielen eingesetzt. Grundsätzlich beschränkt sich der Einsatz der Diensthunde auf das Hoheitsgebiet der Freien und Hansestadt Hamburg. Dieses erstreckt sich auf Spiele der Fußballbundesliga und Regionalliga. 

 

Stadthunde.com: Für Hunde ohne Dienstmarke herrscht ja generell „Stadionverbot“ – was bei der Masse an Menschen ja auch verständlich ist. Dürfen wenigstens ihre Diensthunde ab und zu mal ein Spiel schauen und den Bällen hinterher fiebern?

 

Kai Rottmann: Während des Spiels erholen sich die Diensthunde in aller Regel bei einem Spaziergang mit Auslauf oder im Funkstreifenwagen. 

 

Stadthunde.com: Welche Hunderassen sind für die Arbeit in einer ihrer Staffeln besonders geeignet?

 

Kai Rottmann: Bei der Polizei Hamburg werden derzeit zwei Gebrauchshunderassen eingesetzt: Der Deutsche Schäferhund und der als Malinois bekannte Belgische Schäferhund.

 

Stadthunde.com: Wie finden Sie geeigneten Hunde-Nachwuchs für den Polizeidienst?

 

Kai Rottmann: Grundsätzlich ist zu sagen, dass nur wenige Hunde dem Anforderungsprofil eines Diensthundes der Polizei Hamburg entsprechen. Die Diensthundeschule der Polizei Hamburg - zuständig für die Aus– und Fortbildung der Diensthunde,  sowie für den Ankauf von Hunden - züchtet aus diesem Grund als zweites  Bundesland selbst Malinois. Die landeseigene Diensthundezucht hat sich bewährt und wird bedarfsorientiert praktiziert. Weiter beziehen wir Hunde von Hundezüchtern bzw. Hundehändlern aus der Bundesrepublik, Belgien und den Niederlanden.  

 

Stadthunde.com: Wo leben die Hunde, wenn sie „Feierabend“ haben, bei Ihren Hundeführern?

 

Kai Rottmann: Die Diensthunde leben bei ihren Diensthundeführern und sind dort voll in ihrem Umfeld bzw. in der Familie integriert.

 

Stadthunde.com dankt Kai Rottmann für das informative Interview!

 

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Mehr zum Thema Hunde und Fußball finden Sie in den weiteren Artikeln des Bundesliga-Specials: Die Hunde-Fanartikel aus den Bundesliga-Shops - Diensthunde im Stadioneinsatz - Interview mit Jaroslav Drobny - Bundesliga-Spieler mit Hunden 

 

Hier geht es zurück zum Lifestyle-Channel