Hundesport: Treibball

Nicht nur für arbeitslose Hütehunde 

Tausende von Menschen fieberten dieses Jahr vor den Fernsehgeräten bei der Fußball-WM der Damen mit - und fachsimpelten in Biergärten, als ginge es um den Trainerposten. Wer noch nicht genug hat vom rasanten Treiben auf dem Rasen, tritt selbst zum sportiven Ballwechsel an – mit seinem Hund!  „Treibball“ heißt der Hundesport, bei dem der Traum, endlich einmal selbst Trainer zu sein, wahr wird.

 

Das Runde soll, wie üblich, ins Eckige – allerdings nicht durch gutbezahlte Fußballer , sondern durch guterzogene Hundenasen. Und der Ball wird auch nicht geschossen, sondern – kluge Köpfe werden es bereits ahnen - getrieben. Treibball ist eine sehr junge Hundesportart, die ursprünglich von dem niederländischen Hundetrainer Jan Nijboer entwickelt wurde, um arbeitslosen Hütehunden eine Ersatzbeschäftigung zu bieten.

 

Nicht nur für arbeitslose Hütehunde

 

Zugegeben – auf den ersten Blick haben die eingesetzten, bunten, unterschiedlich großen Gymnastikbälle relativ wenig gemein mit Schafen oder sonstigem Vieh, das man üblicherweise mit dem Hüten in Verbindung bringt. Das ist auch gar nicht schlecht, denn auf diese Weise wird der Hütetrieb des Hundes nicht übermäßig gekitzelt. Obwohl Treibball eine sehr körperliche Hundesportart ist, kommt es entscheidend auf das feine Zusammenspiel zwischen Hund und Mensch an.

 

Gehorsam und Gehirnjogging statt wüster Verfolgungsjagden

 

Es geht nicht etwa darum, den Ball in möglichst wüster Verfolgungsjagd vor sich her zu scheuchen. Vielmehr muss der Hund, jederzeit aus der Distanz perfekt kontrollierbar, die Bälle exakt nach den Anweisungen seines Menschen um Hindernisse in ein Tor treiben – eine Glanzleistung an Gehorsam und Gehirnjogging also. Zwar orientiert sich diese Sportart in ihren Grundzügen an den verschiedenen Elementen der Hütewettbewerbe – der Hund muss seine Hüteobjekte sammeln, in Bogen darum laufen, sie in Bewegung setzen, zielorientiert treiben, sich nach rechts oder links schicken und jederzeit stoppen und ablegen lassen, und die Bälle letztlich in ein Tor hinein treiben. Jedoch hat sich diese Sportart längst verselbstständigt und steht nicht nur den Hütehunderassen offen.

 

Ein langsamer Übungsaufbau ist wichtig 

 

Den Ball vor sich her zu treiben, kann prinzipiell jeder Hund lernen. Ein sorgsamer und langsamer Übungsaufbau ist jedoch wichtig, damit der vierbeinige Sportler verinnerlicht, dass es hier in erster Linie um die präzise Zusammenarbeit mit seinem Menschen geht und nicht um selbstbelohnendes, rasantes Herumjagen der Bälle. Im Gegensatz zum Flyball ist diese Sportart also nicht dazu geeignet, eingefleischten Ball-Junkees den ultimativen Adrenalin-Kick zu verschaffen. Im Gegenteil muss die Triebigkeit des Hundes kunstvoll kontrolliert und kanalisiert werden – und das funktioniert nur, wenn die Beziehung zwischen Hund und Mensch stimmt.

 

Treibball vertieft die Bindung zwischen Mensch und Hund 

 

Treibball ist damit eine ideale Hundesportart, um die Bindung zwischen dem Mensch-Hund-Team zu vertiefen. Dabei ist Treibball, im Gegensatz zu Agility oder Turnierhundesport, auch für ältere, nicht so agile Hunde geeignet, da es hier nicht in erster Linie auf Schnelligkeit ankommt. Auch vom zweibeinigen Teil des Teams wird keine ausgesprochene Sportlichkeit verlangt, dafür aber Reaktionsschnelligkeit und geistige Fitness. Da es für Treibball noch kein vereinheitlichtes Regelwerk gibt, haben die Hundesportler bislang noch nicht die Möglichkeit, sich miteinander zu messen. Doch da beim Treibball die Freude an der Bewegung und dem perfektionierten Zusammenspiel das Wichtigste ist, kann man das sicherlich verschmerzen. Immerhin besteht so auch nicht die Gefahr, dass man sich über ein Ausscheiden im Angesicht des Pokals schwarz ärgert. (JE)

 

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