Hundesport: Clickern

... und der Hundealltag wird bunt! 

In ganz Deutschland wird geclickert. Tatsächlich könnte der Siegeszug des kleinen Knallfroschs kaum triumphaler sein: Der clickenden Trainingsmethode huldigen Hundehalter, Hundeausbilder und Hundesportler aller Disziplinen. Doch der unscheinbare akustische Helfer polarisiert die Hundegemeinde. Ist der Clicker eine Ausbildungsrevolution oder nur ein kurzlebiger Trend? 

Der Clicker ist eigentlich nur ein harmloser kleiner Knallfrosch. Doch in den letzten Jahren ist er zum Symbol einer neuen Art der Ausbildung geworden: Das positive Verstärken. Das operante Konditionieren, die Lerntheorie, die dahinter steckt, gilt dabei als eine der modernsten. 

Ein Hund lernt so, dass eine zunächst eher zufällig gezeigte Verhaltensweise für ihn eine überaus angenehme Folge hat. Futter, Lob, Streicheln, Spielen, Aufmerksamkeit – all das erfährt er, wenn er sie zeigt. Welch wunderbare Perspektiven für einen Hund! 

Profitable Handlungen werden vom Hund vermehrt gezeigt 

Nicht erwünschte Verhaltensweisen werden dagegen lediglich ignoriert, was - streng genommen - zwar auch eine Bestrafung darstellt, aber wahrscheinlich die artgerechteste Form, die wir unserem Hund angedeihen lassen können. Für den Vierbeiner lohnt sich das profitable Verhalten, das zu den angenehmen Nebeneffekten führt, natürlich am meisten – daher wird er es oft und freudig zeigen. Und schwupps, hat man ein Verhalten geformt. 

Beim Clickern hat der Hund viel Freiraum 

Logisch, dass man dem Hund bei dieser Ausbildungsform eine Menge Freiraum lässt. Einleuchtend auch, dass das Training mit positiver Verstärkung einen Hund niemals so frustrieren wird wie antiquierte Trainingsmethoden, die mit negativer Verstärkung arbeiten. Und das funktioniert so: Eine Situation ist so lange unangenehm für den Hund – durch Strafen und Korrigieren – bis er das gewünschte Verhalten zeigt.  Sobald der Hund gelernt hat, was man von ihm möchte, verschwindet der negative Reiz. Aber Spaß macht das Training so sicherlich nicht und man kann kaum erwarten, einen freudig strahlenden Hund als Trainingspartner zu haben. 

Positives Verstärken ist nicht neu. Es wurde bereits von einem der Pioniere auf dem Gebiet der Lernforschung, B.F. Skinner, im zweiten Weltkrieg eingesetzt, um Tauben für den Kriegsdienst auszubilden – mit verblüffenden Ergebnissen. Positive Verstärkung hat allerdings einen Haken: Um schnell genug belohnen zu können, müssten wir die Reflexe des Sechs-Millionen-Dollar-Mannes haben. Denn ein Hund verbindet die Belohnung nur dann mit der gezeigten Handlung, wenn sie in unmittelbarer zeitlicher Nähe erfolgt. Wissenschaftler ziehen die Grenze gar bei 0,7 Sekunden - in dieser Zeitspanne haben die meisten von uns das Leckerchen noch nicht einmal in der Hand und holen noch Luft, um in einen Lobgesang auszubrechen. 

Jeder Click ist eine Hunde-Belohnung wert

Zugegeben, das Geräusch des Clickers an und für sich ist nicht gerade eine akustische Erbauung. Aber wenn der Clicker zum sekundären konditionierten Verstärker wird, wird es bald Musik in den Ohren Ihres Hundes sein. Denn er lernt: Jeder Klick ist eine tolle Belohnung wert! Der Hund wird in einer separaten Übungseinheit eine neue Verknüpfung lernen, indem ihm in schneller Folge ein Klick und eine Belohnung geboten werden. Schnell hat er geschaltet: Hey, wenn es clickt, heißt das, mich erwartet etwas Tolles! 

Auf diese Weise kann der Clicker die Zeit, die wir endlos langsamen Menschen brauchen, bis wir unseren Hund mit einem Leckerchen oder einem Spiel belohnt haben, überbrücken. Der Clicker kann präzise den Moment markieren, in dem der Hund die gewünschte Verhaltensweise gezeigt hat, und ihm klarmachen: „Wow, was Du JETZT gemacht hast, war so super, dafür bekommst Du etwas Tolles!“ 

Aus dem neutralen Click-Geräusch eine freudige Botschaft zu machen ist denn auch die allererste Aufgabe des Mensch-Hund-Teams. Das so genannte „Einclickern“ geht schnell und ist unspektakulär: In einem ablenkungsfreien Raum wird geclickt, und jedem Click folgt direkt ein Leckerchen – der Hund muss hier noch rein gar nichts dafür tun. Das Ganze geschieht in schneller Folge, ohne Unterbrechung – Click, Leckerchen, Click, Leckerchen. 

Jeder Click ein erwartungsvolles Hunde-Gesicht 

Zeigt der Hund bereits beim Click ein erwartungsvolles Gesicht, kann die Dauer bis zur Belohnung ein wenig gestreckt werden, damit er lernt, dass es sich auf jeden Fall lohnt, ein wenig zu warten. Später im Training wird das Leckerchen vielleicht nicht mehr so schnell kommen wie beim Einclickern, und dann soll der Hund ja nicht frustriert sein. Damit der Hund sich wirklich auf den Click konzentriert, sollte die Hand erst nach dem Clickern in die Leckerchentasche geführt werden. Nach etwa zwanzig Wiederholungen müsste Ihr Hund das Clicken für das wunderbarste Geräusch auf der Welt halten. 

Timing ist alles beim Clickern. Die gewünschte Aktion des Hundes muss möglichst punktgenau markiert werden. Bis eine Handlung gefestigt ist, bedarf es einer ganzen Menge Wiederholungen der Übung mit Click und Belohnung. Damit beim Hund nicht Langeweile oder Frustration aufkommen, sollte die Clickerquote nie zu niedrig sein, das heisst, die Abstände zwischen den Clicks und damit den Belohnungen sollte nie zu groß werden. Damit der Hund nach seiner Belohnung rasch wieder ansprechbar ist, sollten die Leckerchen sehr klein und eher weich ausfallen. Trotzdem müssen sie ultimativ gut sein, damit die Motivation auch groß genug ist. 

Prinzipiell kann mit dem Clicker alles trainiert werden – von den ersten Sitz-Übungen bis hin zu ausgefeiltem Gehorsam oder komplizierten Tricks. Manche komplexen Handlungen, wie sie in vielen Hundesportarten oder in den Service-Bereichen erforderlich sind, lassen sich ohne Clicker kaum trainieren. Oftmals wird ein zufällig gezeigtes Verhalten eingefangen und abrufbar gemacht – ein Unterfangen, das mit konventionellen Ausbildungsmethoden schwierig sein dürfte.

 

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