Warm Up beim Hund

Vor dem Hundesport richtig aufwärmen

 

Bei uns Menschen gehört das gezielte Aufwärmen vor jeder sportlichen Anstrengung fast wie selbstverständlich dazu – das lernen wir meist schon beim Schulsport. Bei Hunden wird es dagegen häufig vernachlässigt. Dabei ist das richtige Warm Up beim Hund von entscheidender Bedeutung für die Vorbeugung von Überlastungen und Verletzungen im Hundesport. 

Die Betonung liegt dabei auf dem Wörtchen „richtig“ – denn oftmals wird das Aufwärmen falsch verstanden – oder falsch ausgeführt. Deshalb wollen wir zunächst die Frage klären: Was ist Aufwärmen eigentlich – und was ist es nicht?

Was ist Aufwärmen?

Unter dem Warm Up versteht man ein kurzes, leichtes, koordiniertes und klar strukturiertes Bewegungs- und Stretch-Programm, das in mehreren Phasen stattfindet und das Körper und Geist auf eine bevorstehende sportliche Leistung vorbereitet. 

Was ist Aufwärmen nicht?

Auf vielen Hundeplätzen wird das Aufwärmen mit Auspowern verwechselt. Dabei soll der aufgeregte Hund überschüssige Energie abbauen und so für seinen Halter besser kontrollierbar werden. Sowohl im Sinne einer physiotherapeutischen Verletzungsvorsorge als auch unter sportlichen Aspekten ist das grundfalsch. 

Denn unkoordiniertes Auspowern birgt nicht nur die Gefahr, dass der – nicht aufgewärmte – Hund sich vertritt oder zerrt. Es erschöpft den Hund auch. Die Folge: Er ist danach weniger leistungsfähig für das eigentliche Training – und das lässt die Gefahr von Verletzungen oder Unfällen steigen. Zudem bereitet das bloße Auspowern den Hund mental nicht auf die notwendige Konzentration vor, sondern heizt ihn eher auf.

Auf der anderen Seite denken viele Menschen, dass ihr Hund bereits mit dem obligatorischen Spaziergang um den Hundeplatz aufgewärmt ist. Richtig ist: Ein kurzer Spaziergang nach der Autofahrt ist durchaus sinnvoll, damit der Hund sich lösen kann. Doch diese Gassirunde ersetzt das strukturierte Warm Up für den Hund nicht.

Das Warm Up beim Hund ist sinnvoll und natürlich

Oft wird die Notwendigkeit eines gezielten Warm Ups beim Hund nicht ernstgenommen. Das zeigt sich schon daran, dass den Teilnehmern auf Hundesport-Wettkämpfen oftmals kein geeigneter Platz zum Aufwärmen zur Verfügung gestellt wird, wie es beispielsweise im Pferdesport längst üblich ist. Dabei ist das Aufwärmen nicht nur ein physiologisch sinnvolles, sondern auch ein ganz natürliches Vorgehen, dem sogar Wölfe in freier Wildbahn instinktiv folgen.  

Die Jagd fordert dem Wolf körperliche und mentale Höchstleistungen ab: Ausdauerndes Traben, geducktes Heranschleichen, schnelle Sprints, enge Wendungen – und das alles bei hoher Konzentration. Aber Wölfe starten keineswegs übergangslos aus ihrem Mittagsschläfchen zur Verfolgung ihrer Beute. Im Gegenteil stehen sie langsam auf, strecken sich nach vorne und nach hinten, schütteln sich, gehen ein paar Schritte, beginnen zu traben und steigern ihr Tempo erst nach und nach. 

Kurz: Sie bereiten ihren Körper langsam auf die Jagd vor, damit sie im entscheidenden Moment maximale Leistung abrufen und ihre Beute erfolgreich erlegen können.

Warum ist der Warm Up beim Hund wichtig?

Das richtige Aufwärmen hat auf den vierbeinigen Sportler direkt mehrere positive Effekte:

Vorbeugung von Verletzungen
Vorbeugung von Unfällen
Vorbeugung von Folgeschäden durch Überbeanspruchung
Steigerung der Leistungsfähigkeit
Steigerung der Konzentration
Steigerung der Motivation

Was passiert im Körper des Hundes beim Aufwärmen?

Der Körper von Hunden und Menschen arbeitet in der Regel sehr ökonomisch und effizient. Im Ruhezustand leistet er nur das, was er für den Erhalt dieses Zustandes leisten muss. Fordern wir ihm jedoch mehr ab, werden die körpereigenen Systeme in Gang gesetzt, um den Körper optimal für die bevorstehende Aufgabe vorzubereiten. 

Das hat ganz konkrete physiologische Auswirkungen: Körpertemperatur und Herzfrequenz steigen, das Herz-Kreislaufsystem wird angekurbelt. Das steigert die Ausdauer und beugt einer Kreislaufüberlastung vor. Der Körper wird besser durchblutet und Muskeln, Sehnen und Bänder werden optimal mit dem für den Sport so wichtigen Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. 

Auf diese Weise werden sie elastischer, geschmeidiger und damit auch widerstandsfähiger. Muskelfaserrissen, Sehnen- und Bänderrissen kann so vorgebeugt werden. Außerdem können die Muskeln schneller angespannt und wieder entspannt werden. Das macht den Hund wendiger und erhöht seine Geschwindigkeit. (Leider gibt es bei Hunden noch keine belastbaren wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema, doch bei Menschen hat sich gezeigt, dass ein gezieltes Aufwärm-Training zu einer durchschnittlichen Steigerung der Schnelligkeit um sieben Prozent führt.)

Auch die Nerven werden stimuliert, so dass sich sowohl die Konzentration als auch die Koordination des Hundes verbessern. All das wirkt sich auch auf die Psyche des Hundes aus. Er spürt die Verbesserung seiner Leistungsfähigkeit, ist auf seinen zweibeinigen Sportpartner eingestimmt, aufmerksam und motiviert.

Für wen ist Aufwärmen wichtig?

Grundsätzlich sollte jeder Hund vor dem Hundesport aufgewärmt werden – der Mensch sollte sich übrigens ebenfalls aufwärmen. Je anspruchsvoller die zu erbringende Leistung ist, desto gewissenhafter sollte das Aufwärmtraining sein. Doch es gibt noch einige andere Fälle, in denen der Warm Up beim Hund besonders wichtig ist:

Bei Anfängern: Hunde, die noch nicht lange im Training und entsprechend noch nicht so fit sind, benötigen etwas länger für das Aufwärmen. Je besser Muskulatur und Ausdauer trainiert sind, desto schneller ist der Körper in der Lage, sich auf eine sportliche Leistung vorzubereiten.

Bei alten Hunden: Ältere Hunde sind meist etwas steifer und brauchen ebenfalls länger, um in die Gänge zu kommen. Gleichzeitig ist die Verletzungsprophylaxe bei ihnen besonders wichtig.

Bei Hunden mit Vorerkrankungen: Hunde, die unter bestimmten Erkrankungen leiden oder schon einmal verletzt waren, sollten ebenfalls besonders gewissenhaft aufgewärmt werden. Über die einzelnen Warm-Up-Übungen sollten Tierarzt und Hundephysiotherapeut entscheiden.

Bei niedrigen Temperaturen: Wenn es draußen kalt ist, braucht unser Körper besonders lang, um seine Temperatur und die Durchblutung zu steigern. Wichtig: Bei niedrigen Außentemperaturen lassen die Effekte des Warm Ups auch besonders schnell wieder nach – daher sollten längere Pausen unbedingt vermieden werden.

Verbreitete Fehler beim Warm Up des Hundes

Beim Warm Up des Hundes werden viele Fehler gemacht. Zu den am meisten verbreiteten gehören die folgenden:

Falscher Zeitpunkt: Das Aufwärmen sollte so kurz wie möglich vor der eigentlichen Leistung stattfinden. Im klassischen Training und auf dem Turnier kommen die Teilnehmer nacheinander an die Reihe. Der Warm Up sollte daher kurz vor dem eigenen Lauf durchgeführt werden und nicht schon zu Beginn des gemeinsamen Trainings.

Zu lange Pausen: Oft liegen beim Training lange Pausen zwischen den einzelnen Läufen. Nach einer Wartezeit von mehr als 10 Minuten sollte der Hund erneut aufgewärmt werden – im Winter verkürzt sich diese Zeit sogar.

Zu intensives oder langes Aufwärmen: Der Warm Up ist eine Vorbereitung, keine sportliche Leistung. Er sollte daher nur leichte Übungen beinhalten und nicht zu lange dauern. 15 Minuten Warm Up sind in der Regel vollkommen ausreichend.

Unpassendes Warm Up: Jedes Aufwärmprogramm besteht aus einem allgemeinen Teil und einem spezifischen Teil, der auf die konkrete sportliche Leistung vorbereitet. Je nachdem, ob der Hund für Agility oder für einen Geländelauf beim Turnierhundesport aufgewärmt werden soll, unterscheidet sich also auch das Warm Up. In der Praxis wird diese sportartenspezifische Unterscheidung häufig außer Acht gelassen.

Konkretes Aufwärmprogramm für Hunde

Ein sinnvolles Warm Up richtet sich nach dem individuellen Trainingszustand, dem Alter und eventuellen Vorerkrankungen oder Schwachstellen des Hundes. Auch äußere Faktoren wie die Temperaturen und die Hundesportart spielen eine Rolle. Ein vernünftiges Aufwärmprogramm für Hunde kann wie folgt aussehen:

Allgemeines Aufwärmen (etwa 10-15 Minuten)

Phase 1: Erst Gehen, dann lockeres Traben an der Leine. Danach Intervalltraining mit Steigerungslaufen und kurzen Sprints.

Phase 2: Stretching mit Übungen wie beispielsweise

 o Verbeugen
 o Strecken
 o Männchen-Machen
 o Pfote-Geben
 o Zerrgeln
 o Slalomlaufen durch die Beine
 o Drehungen um die eigene Achse
 o Vom Steh ins Sitz, ins Platz, wieder ins Sitz und ins Steh
 o Der Hund läuft im Kreis um seinen Menschen herum
 o Auf die Hinterbeine stellen und an einer Mauer abstützen

Spezifisches Aufwärmen (etwa 5 Minuten)

Phase 3: Hier soll der Hund leichte Aufgaben bewältigen, die ihn auch bei der eigentlichen sportlichen Aktivität erwarten. Das können folgende Übungen sein:

 o Kurze Sprints
 o Erste weite, dann engere Wendungen
 o Niedrige Hürden
 o Ein langsamer Lauf über niedrig eingestellte Geräte
 o Slalom
 o Kurze Stopps und Geschwindigkeitswechsel

Wichtig: Der Hund sollte nicht nur richtig aufgewärmt werden – nach dem Training darf auch der Cool Down nicht fehlen. Weitere Infos zum Cool Down gibt es hier.

Viele weitere interessante Informationen rund um die Hundegesundheit gibt es auch unter www.vetepedia.de.

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