Übungen für die Vorhand des Hundes

Muskeln von Schulter und Vorderbeinen stärken

 

Wenn es um Muskelaufbau beim Hund geht, steht meist das Thema Hinterhand im Fokus. Doch auch die Vorhand erfüllt beim Bewegungsablauf wichtige Funktionen – und kann bei Belastung schnell Verletzungen davontragen. Ein gezieltes Training der Muskeln, Bänder und Sehnen der Vorhand ist daher für die Gesundheit des Hundes sinnvoll.

Als Vorhand bezeichnet man die Schulter und Vorderbeine des Hundes, inklusive der entsprechenden Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke. Zur Anatomie der Vorhand des Hundes gehören:

Die Vorderläufe. Sie bestehen aus Oberarm, Unterarm mit Elle und Speiche, Fessel und Vorderzehen. Die Knochen des Vorderlaufs sind mit dem Ellbogengelenk und dem Vorderfußwurzelgelenk sowie den Zehengelenken verbunden. Der Oberarm ist lang und schräg, der Unterarm sollte möglichst gerade sein. Die Fessel und der Unterarm bilden einen Winkel von etwa 20 Grad. 

Die Schulter. Sie besteht aus dem Schulterblatt und dem Oberarm, die einen Winkel von etwa 90 Grad bilden und durch das Schultergelenk miteinander verbunden sind. 

Muskeln der Vorhand des Hundes

Mehr als die Hälfte ihres Körpergewichtes tragen Hunde mit der Vorhand. In diesem Teil des Körpers gibt es mehrere große Muskeln:

Schulter-Hals-Muskel
Trapez-Muskel
Delta-Muskel
Brustbein-Kopf-Muskel
Schlüsselbein-Hals-Muskel
Dreikopf-Muskel
Schlüsselbein-Oberarm-Muskel
Tiefer Brustmuskel
Seitlicher Zehenstrecker
Ellbogen-Muskel
Gemeinsamer Zehenstrecker
Aufwärtszieher des Daumens

Fehlstellungen der Vorhand führen zu frühzeitigen Abnutzungserscheinungen

Läuft der Hund, kommt die Schubkraft für die Bewegung aus der Hinterhand, wird über den Rücken übertragen und von der Vorhand aufgefangen und abgefedert. Angeborene Fehlstellungen der Vorhand können auf das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit des Hundes erheblichen Einfluss haben. Ist etwa das Fesselgelenk oder das Schultergelenk zu steil, kann der Hund die Stöße beim Laufen nicht gut abfedern. Die Folge: Das Ellbogengelenk wird stark belastet.  

Ellbogendysplasie beim Hund

Insbesondere die Gesundheit der Ellbogengelenke ist im Hundesport von besonderer Bedeutung. Deshalb kann es sinnvoll sein, Hunde, die intensiv im Sport geführt werden, zuvor auf Ellenbogendyplasie (ED) hin untersuchen und röntgen zu lassen. Bei dieser fortschreitenden Erkrankung passen der Kopf des Oberarmknochens und die Pfannen von Elle und Speiche nicht gut genug zueinander. Die Folge ist eine Arthrosebildung, die sehr schmerzhaft sein kann.

Abnutzungserscheinungen der Vorhand

Auch bei gesunden Ellbogen kann es schnell zu Abnutzungserscheinungen kommen, wenn der Hund seine Vorhand falsch oder zu sehr belastet. Eine starke Belastung für die Vorhand sind alle harten Stöße, wie sie unter anderem bei folgenden Tätigkeiten vorkommen können:

Abwärtslaufen von Treppen
Abwärtslaufen in steilem Gelände
Das Aufkommen nach Sprüngen 

Insbesondere Gerätesportarten wie Agility und Turnierhundesport verlangen der Vorhand einiges ab. Daher sollte bei Geräten wie der A-Wand oder der Treppe immer darauf geachtet werden, dass der Hund sie sauber ausführt und nicht zu hart auf der Vorhand landet. Auch Sportarten mit hohen Sprüngen wie Dog Dance oder Dog Frisbee können die Vorhand belasten und sollten mit Bedacht durchgeführt werden.

Übungen für die Vorhand: Muskulatur des Hundes trainieren

 

Neben Achtsamkeit im Hundesport-Training sind kräftige Muskeln und elastische Bänder und Sehnen die beste Vorbeugung gegen vorzeitige Abnutzung oder Verletzungen der Vorhand. Es gibt verschiedene Übungen, die Hunde durchführen können, um die Kraft und Beweglichkeit von Vorderläufen und Schulter zu stärken. 

Cavaletti- und Stangen-Training: Beim Cavaletti-Training übersteigt der Hund niedrige Hindernisse – er soll nicht springen, sondern möglichst jedes Bein einzeln über die Hürde setzen. Das schont die Gelenke und trainiert die Muskulatur, Bänder und Sehnen. Beim Cavaletti-Training werden die Hindernisse in verschiedensten Reihenfolgen und Abständen aufgebaut sowie Winkel und Wendungen eingebaut. Für Fortgeschrittene können die Cavaletti auf einer schiefen Ebene – also mit Steigung – aufgebaut werden. Vorsichtiges und nicht zu steiles Bergabgehen fordert die Vorhand beim Cavaletti-Training besonders.

Mikado-Spiel: Beim Mikado-Spiel werden Stangen über- und untereinander auf dem Boden aufgebaut – oder einfach fallengelassen, eben wie beim Mikado. Es sollte lediglich darauf geachtet werden, dass genügend Zwischenräume vorhanden sind, in die der Hund seine Pfoten setzen kann. Der Hund wird nun im Schritt an der Leine von unterschiedlichen Seiten über den Stangenhaufen geführt. Wichtig ist, dass er jede Pfote einzeln hebt, und nicht etwa springt.

Gewichtstraining mit Manschetten: Wir Menschen heben Gewichte, wenn wir Muskeln aufbauen wollen. Um die Muskeln von Schulter und Vorderbeinen zu trainieren, gibt es spezielle Gewichtsmanschetten für Hunde. Diese Manschetten werden für kurze Zeit an den Vorderbeinen befestigt. Hunde können mit den Gewichtsmanschetten einfach an einem Brustgeschirr und einer kurzen Leine geführt werden. Die Manschettengewichte können jedoch auch hervorragend im Rahmen des Cavaletti- oder Laufband-Trainings eingesetzt werden.

Training mit Podest: Als Podest wird ein kleiner Schemel oder Hocker verwendet. Der Hund lernt, mit der Hinterhand auf dem Podest zu stehen, während die Vorhand auf dem Boden bleibt. Fortgeschrittene umrunden das Podest mit den Vorderbeinen, während die Hinterbeine sich nur um die eigene Achse drehen.

• Training mit Wackelkissen oder Wackelbrett: Diese beiden Utensilien sind im Fachhandel erhältlich. Ihnen gemein ist, dass beide eine gewisse Instabilität aufweisen und unter dem Körpergewicht des Hundes zu wackeln beginnen. In der Folge muss der Hund sein Gewicht ständig verlagern – und dafür die verschiedensten Muskeln einsetzen. Gezielte Übungen für die Vorhand sind beispielsweise das Pfötchengeben oder das „High Five“ auf dem Wackelbrett oder Wackelkissen. So hat der Hund nur noch einen Vorderlauf auf dem Untergrund – und dieser wird besonders gefordert.

• Trampolin-Training: Einen ähnlichen Effekt wie das Wackelkissen oder Wackelbrett hat auch das Trampolin. Kleine Trampoline für den Sport zuhause gibt es in den meisten Sportfachgeschäften oder im Internet zu kaufen. Am besten stellt sich der Hundehalter zusammen mit seinem Hund auf das Trampolin. Fängt der Mensch an, sein Gewicht zu verlagern, wirkt sich das auf den Untergrund aus – und auch der Hund muss sein Gewicht verlagern.

• Schubkarre fahren: Viele kennen die „Schubkarre“ aus ihrer Kindheit: Das Kind wird an den Schienbeinen genommen und angehoben - und läuft auf den Händen. Ähnlich funktioniert diese Übung beim Hund. Der Hundehalter nimmt den Hund behutsam an der Hinterhand auf und lässt ihn auf den Vorderbeinen laufen. Auf diese Weise wird der Muskel der Schulter und der Vorderbeine intensiv gestärkt.

• Bergabgehen: Diese Übung sollte wohldosiert und sehr vorsichtig durchgeführt werden. Denn läuft der Hund zu schnell oder unkontrolliert eine Steigung hinunter, kann sich das auch negativ auf die Vorhand auswirken. Um die Vorhand gezielt zu stärken, sollte der Vierbeiner an einem Brustgeschirr und einer kurzen Leine langsam und in kleinen Schritten einen Berg oder einige Stufen hinunter geführt werden.

• Kriechen: Bei dieser Übung legt sich der Hund ins „Platz“ und bewegt sich dann kriechend fort. Das stärkt die Hinterhand, aber insbesondere auch den Muskel der Schulter.

Laufband-Training: Ein Laufband mit Steigungsfunktion ist im Hundetraining Gold wert. Die meisten Laufbänder haben lediglich die Möglichkeit, eine Bergauf-Steigung zu simulieren. Manche Modelle ermöglichen jedoch auch eine Bergab-Steigung. In langsamer Geschwindigkeit ausgeführt, wird die Vorhand so gezielt gefördert. Wichtig ist natürlich, dass der Hund langsam an das Laufband-Training gewöhnt wird.

Training mit Unterwasserlaufband: Noch effektiver und gelenkschonender als ein gewöhnliches Laufband ist ein Unterwasserlaufband. In der Regel verfügen nur Hundephysiotherapeuten über Unterwasserlaufbänder. Dort können Hundehalter Trainingseinheiten mit dem Unterwasserlaufband buchen.

Physioball-Training: Auch Hunde können ausgezeichnet mit einem Gymnastikball trainieren. Für die Kräftigung der Vorhand wird ein Physioball verwendet, der so groß ist, dass er gerade noch unter den Bauch des Hundes passt und den Hund dabei ein wenig anhebt. Bauch und Hinterhand liegen auf dem Physioball auf, so dass der Hund sein Gleichgewicht mit der Vorhand ausgleichen muss. Die Gewichtsverlagerungen fordern und stärken die Muskeln der Vorhand.

Schwimm-Training: Sehr schonend für die Gelenke und gleichzeitig eine intensive Kräftigung für die Muskeln bietet das Schwimmtraining. Dabei werden sowohl die Muskulatur der Hinterhand, als auch des Rückens und der Vorhand beansprucht und gestärkt. Gleichzeitig ist die Belastung für die Gelenke bis zu 90 Prozent geringer als bei anderen Sportarten.

Isometrische Übungen: Bei dieser Übung steht der Hund entspannt vor seinem Halter, der mit den Hunden seitlich wechselnd leichten, sanften Druck auf den Brustkorb ausübt. Der Hund muss, um das Gleichgewicht zu halten, einen Gegendruck aufbauen bzw. das Gewicht verlagern und die entsprechenden Muskelpartien anspannen. Diese Übung ist umso effektiver, je langsamer und ruhiger sie durchgeführt wird.

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