Mit Konditionierung zur Entspannung – Schritt für Schritt

Stress im Hundesport reduzieren

 

Um ein Entspannungssignal mit Hilfe der Konditionierung aufzubauen, benötigst Du etwas Zeit. Denn es ist wichtig, dass der Hund genug Gelegenheit erhält, das Signalwort mit echter Entspannung zu verknüpfen. Dazu kannst Du wie folgt vorgehen:

1. Entspannte Situationen gestalten 

Du hast die Wahl, mit Entspannungssituationen im Alltag zu arbeiten – beispielsweise, wenn Dein Hund glücklich nach seiner Gassirunde und dem Abendessen in seinem Körbchen liegt - oder ihn gezielt zu entspannen. Beide Varianten müssen einander nicht ausschließen. Wenn Du Deinen Hund aktiv bei der Entspannung unterstützen willst, musst Du möglicherweise erst einmal herausfinden, auf welche Methoden Dein Hund besonders gut anspricht. Experimentiere dazu ruhig mit den oben genannten Entspannungsmethoden und beobachtet, welche bei Deinem Hund am besten wirkt.

2. Entspannungs-Wort einführen

Immer, wenn Dein Hund wirklich entspannt ist, kannst Du das Entspannungs-Wort aussprechen – beispielsweise „Easy“ oder „Relax“. Achte darauf, dass er wirklich ganz nachgiebig und locker ist, bevor Du  das Entspannungs-Wort einsetzt. Zu Beginn wird das Entspannungs-Wort ausschließlich „aufgeladen“ und niemals in Stresssituationen eingesetzt! Je öfter das Entspannungs-Wort in einer Entspannungssituation genannt wird, desto besser kann der Hund es mit einem entspannten Gefühl verbinden.

3. Weiteres Entspannungs-Signal hinzufügen

Zusätzlich zu einem Entspannungs-Wort kannst Du auch ein optisches oder olfaktorisches Entspannungs-Signal einsetzen. So wird die Wirkung des Entspannungs-Signals noch verstärkt. Ein optisches Entspannungs-Signal kann eine Kuscheldecke oder ein Stofftier sein, ein olfaktorisches ein bestimmter, milder Duft.

4. Entspannungs-Signal abrufen

Nach einigen Wochen ist das aufgebaute Entspannungs-Signal einsatzbereit. Es kann jetzt in Momenten eingesetzt werden, in denen der Hund sehr erregt ist. Dein  Hund wird sich in diesen Situationen nicht sofort hinlegen und einschlafen – doch er wird ansprechbarer und ruhiger. Wichtig ist, dass Du ihn sofort abholst und ihm ein alternatives Verhalten anbietest.

Zeigt Dein Hund auf das Entspannungs-Signal hin keine Reaktion, wurde es entweder noch nicht lang genug aufgebaut, oder die Situation war zu anspruchsvoll.

5. Regelmäßiges „Aufladen“ des Entspannungs-Signals

Damit das Entspannungs-Signal einsatzbereit bleibt, ist es wichtig, dass es im Alltag immer wieder aufgeladen und nur sehr dosiert abgerufen wird. Sonst kommt es schnell zu einer Fehlverknüpfung und Dein Hund verbindet das Entspannungs-Signal mit einer stressigen Situation anstelle einer entspannten Situation. Du lädst das Signal ganz einfach auf, indem Du es im Alltag immer wieder einsetzt, wenn Dein Hund gerade zufrieden und relaxt auf seinem Platz oder auf dem Sofa liegt.

10 Entspannungsregeln für den Hundesport

 

Damit der Stress auf dem Hundeplatz für den Vierbeiner auf ein Minimum reduziert wird, sollten sich Hundehalter an einige Regeln halten:

1. Gesundheits-Check beim Tierarzt: Bevor es überhaupt auf den Hundesportplatz geht, sollte der Hund von einem Tierarzt und ggf.  auch von einem Hundephysiotherapeuten durchgecheckt werden. Nur, wenn der Hund körperlich gesund und belastbar ist, sollte er Agility, Turnierhundesport & Co betreiben. Für ältere oder beeinträchtigte Hunde sind ruhige Sportarten wie Degility oder Rally Obedience im Zweifel die bessere Wahl.

Um zu erfahren, welche Hunde für Agility geeignet sind, kannst Du Dir das Interview von Prof. Fischer (www.vetepedia.de/hundesport/) anhören.

2. Hundetrainer und Hundesportverein richtig auswählen: Achte bei bereits der Auswahl des Hundetrainers darauf, dass weder Du noch Dein Hund sich von ihm unter Druck gesetzt oder bedrängt fühlt. Hund und Mensch sollten sich beim Hundesport immer wohl fühlen! Dasselbe gilt natürlich auch bei der Auswahl des Hundesportvereins. Ein überlaufener Hundeplatz, auf dem alle Hunde wild durcheinander rennen, trägt kaum zu einem angenehmen, entspannten und konzentrierten Arbeitsklima bei.

3. Gute Vorbereitung: Bereite Dich zuhause rechtzeitig auf das Training vor, lege alle wichtigen Utensilien raus und achtet darauf, ruhig und diszipliniert zum Hundeplatz zu fahren. Herrscht bereits auf der Anfahrt Hektik und Termindruck, springt der Hund schon ohne Aufforderung ins Auto und auf dem Parkplatz wieder hinaus, so steigt das Erregungsniveau schon vor dem eigentlichen Hundetraining.

4. Wartezeiten bewusst gestalten: Besondere Aufmerksamkeit sollte den Wartezeiten gelten, denn hier gibt es besonders viel Frustrationspotenzial. Gestalte die Wartezeiten zwischen den Trainingsrunden für Deinen Hund ruhig und angenehm. Wenn er nicht gern allein ist, bleibe an seiner Seite. Mach es ihm auf einer Decke oder in einer Box gemütlich und gebe ihm einen Kauartikel oder ein Spielzeug, damit er sich beschäftigen kann. Das Kauen wirkt zusätzlich beruhigend auf Deinen Hund.

Es lohnt sich auch, das Warten gezielt zu trainieren. So lernt der Hund es in Ruhe kennen und es baut sich keine Frustration bei ihm auf. Wartezeiten bieten sich für kurze, entspannende Massagen oder für Tellington-Touch-Behandlungen an. Vermeidet stark aufputschende Spiele wie Ballwerfen, Hetzspiele und Zerrspiele in den Trainingspausen – es sei denn, Dein Hund ist ein Vertreter, der sehr schnell wieder abschalten kann. 

5. Selbst Ruhe ausstrahlen: Beobachte auch Dich selbst: Bist Du beim Hundesport gestresst oder hektisch? Dann mach eine Entspannungsübung zwischendurch – denn sonst überträgt sich Deine Anspannung auch auf Deinen Hund. Achte außerdem darauf, dass Du für Deinen Hund beim Hundesport zu jeder Zeit verlässlich und berechenbar bist. So kannst Du Erwartungsunsicherheit vorbeugen.

6. Richtig loben und motivieren: Lobe Deinen Hund, aber richtig. Viele Hunde fahren zu sehr hoch, wenn Sie mit wild fliegenden Spielzeugen motiviert und angestachelt werden. Andere mögen es nicht, im Training angefasst zu werden. Probiere aus, welches Lob und welche Motivation für Deinen Hund am besten ist.

7. Auf strafende oder erschreckende Maßnahmen verzichten: Selbstverständlich sollten niemals strafende Maßnahmen wie Rappeldosen, Leinenruck oder wütende Worte angewendet werden.

8. Abstand halten: Halte beim Warten und beim Trainieren einen größeren Abstand zu anderen Hunden ein. So fühlt sich Dein Hund nicht bedrängt und kann seine Individualdistanz bewahren. Es gibt keine Konflikte an der Leine und er gerät auch nicht in Versuchung, ständig zu seinen Artgenossen laufen zu wollen. Wenn sich auf dem Hundeplatz alle konsequent daran halten, manierlich und mit größerem Abstand zueinander zu warten, können die Vierbeiner viel besser entspannen.

9. Weniger ist mehr: Auch wenn Hundesport Mensch und Tier viel Spaß bereitet: Nimm Dir den Grundsatz „weniger ist mehr“ zu Herzen. Dein Hund wird immer alles für Dich geben – und dabei oft seine eigenen Grenzen nicht beachten. Beende eine Übung ruhig mal vorzeitig, wenn Dein Hund eine tolle Leistung gezeigt hat, anstatt Dich vom Ehrgeiz weiter anstacheln zu lassen. 

Oder trau Dich, einmal auszusteigen, wenn Dein Hund einen schlechten Tag hat – beende das Training dann einfach mit einer leichten Lektion, so dass er es positiv abschließen kann. Achte lieber darauf, dass Dein Hund das Training sauber, ruhig und konzentriert absolviert. Besuche lieber weniger Kurse und absolviere weniger Trainingseinheiten, anstatt von Termin zu Termin zu hetzen.

10. Sensibilisiert sein: Diese Regel gilt überall im Alltag mit Hund: Wer für die Stresssymptome seines Hundes sensibilisiert ist und darauf achtet, kann seinem Hund manch eine unangenehme Situation ersparen. So lernen Hunde, dass sie sich auch im Alltag jederzeit auf ihren Menschen verlassen können. 

Gut zu wissen! 

Stress wirkt sich nicht nur negativ auf das geistige Gleichgewicht von Hunden aus, sondern auch auf deren Immunsystem. Dieses kann Erreger dann nicht mehr so effektiv abwehren und eine erhöhte Infektanfälligkeit ist die Folge. Biologische Arzneimittel können helfen, Stress bei Hunden zu reduzieren und gleichzeitig deren Immunsystem zu stärken.  

Buchtipps rund um die Hunde-Entspannung

Das Thema Stress und Entspannung beim Hund ist sehr umfangreich. Deshalb haben wir hier einige Buchtipps für Euch zusammengestellt:

  • "Entspannungstraining für Hunde: Stress, Ängste und Verhaltensprobleme reduzieren" von  Karin Petra Freiling, CADMOS Verlag
  • "Tellington-Training für Hunde" von Linda Tellingtone-Jones, Kosmos
  • "Hunde richtig massieren" von  Brunhilde Mühlbauer, CADMOS Verlag
  • "Anti-Stress-Programm für Hunde" von Sarah Fisher, Verlag Eugen Ulmer
  • "Geräuschangst meistern" von  Celina del Amo, CreateSpace Independent Publishing Platform
  • "Der ängstliche Hund: Stress, Unsicherheiten und Angst wirkungsvoll begegnen" von Nicole Wilde, Kynos 
  • "Stress, Angst und Aggressionen bei Hunden: Vorbeugen und abbauen" von  Anders Hallgren, Cadmos
  • "Schreck lass nach: Der Einfluss von Stress und Angst auf Gehirn und Verhalten" von Ute Blaschke-Berthold, Cumcane
  • "Stress bei Hunden" von Martina Nagel und Clarissa von Reinhardt, animal learn
  • "Der hyperaktive Hund" von  Maria Hense, animal learn
  • "Wellness für Hunde: Massage und Physiotherapie für jeden Tag" Tina Werner, Oertel & Spörer 
  • "Das Wohlfühlbuch für Hunde" von  Katrin Blümchen, Cadmos Verlag
  • "Dog Reläx" von Sabina Pilguj, Müller Rüschlikon
  • "Dein Hund braucht Dich: Durch souveräne Führung zum entspannten Hund" von Karin Actun, Verlag Eugen Ulmer
  • "Zappelhunde: Vom Leben mit überaktiven Hunden" von Inga Jung,  Kynos
  • "Akupressur beim Hund" von von Silke Behling, Kynos

Weitere interessante Artikel zur konditionierten Entspannung findest Du auch bei der Hundeschule Easy Dogs.

Viele weitere interessante Ratgeber rund um die Hundegesundheit gibt es auch unter www.vetepedia.de.

Hier geht es zurück zum 1. Teil "Mit dem Hund entspannt trainieren"

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