Bewegung auch im Alter wichtig

Senioren sinnvoll und schonend auslasten

Wer rastet, der rostet: Dieses Motto gilt auch bei Hunden. Deshalb ist wohldosierter Hundesport mit älteren Hunden durchaus sinnvoll. Intensität, Dauer und Häufigkeit sollten sich dabei immer nach dem individuellen Gesundheitszustand des Vierbeiners richten. Spezielle Hundesportarten wie Degility oder Hoopers Agility sind auch für alte Hunde ideal. Sie fordern keine Höchstleistungen, sondern erhalten Fitness und Beweglichkeit.

Ein Hund, der sein Leben lang aktiv war, möchte auch im Alter nicht darauf verzichten. Umgekehrt profitieren auch viele ältere Hunde von adäquater Bewegung. Gezielte und altersgerechte Auslastung kann die körperlichen und geistigen Fähigkeiten unterstützen. Muskeln beispielsweise bilden sich zurück, wenn sie selten genutzt werden. So kann es zu Unbeweglichkeit und Schwäche kommen – auch bei Hunden.

Tierarzt- und Hundephysiotherapie-Check für alte Hunde

Gute Gründe für ausreichend Bewegung mit älteren Hunden gibt es also viele. Dennoch sollten Hundehalter sorgsam abwägen, welche Aktivitäten ihr Hund noch mitmachen kann und welche nicht mehr. Bei älteren Hunden sollte in regelmäßigen Abständen ein geriatrisches Profil beim Tierarzt erstellt werden. Bei dieser Gelegenheit können Hundehalter Rücksprache mit dem Tierarzt halten und abklären, welche sportlichen Betätigungen der Vierbeiner noch ausüben darf. 

Auch der regelmäßige Check beim Hundephysiotherapeuten kann bei älteren Hunden sinnvoll sein. Als Spezialist für den Bewegungsapparat ist er ein wichtiger Ansprechpartner, der problematische Tendenzen schnell erkennt und ihnen entgegenwirken kann. Zudem kann er gezielt Tipps für den Hundesport geben, da er einen guten Überblick über den Gesundheitszustand des Hundekörpers hat. Ein Hundehalter, der die körperlichen Schwachstellen seines alten Hundes genau kennt, kann das Training schonender gestalten und das Verhalten seines Hundes besser beurteilen.

Regeln für den Sport mit alten Hunden

 

Kommt der Hund in die Jahre, ist sein Körper nicht mehr so elastisch und kräftig wie früher. Damit steigt gleichzeitig auch das Risiko, sich beim Hundesport Verletzungen zuzuziehen. Deshalb ist die Verletzungsprophylaxe im Hundesport bei alten Hunden besonders wichtig. Einige Grundregeln für den Hundesport mit alten Hunden:

Sorgfältiges Warm-Up: Der Körper des älteren Hundes braucht länger, um in den Aktivitätsmodus zu wechseln. Deshalb sollte er auch länger aufgewärmt werden.
Genaues Prüfen des Parcours: Bei älteren Hunden ist das Unfallrisiko höher als bei jungen Hunden. Deshalb sollten Bodenbeschaffenheit und gegebenenfalls der Zustand der Geräte stets überprüft werden.
Achtsames Beobachten: Der Gesundheitszustand eines alten Hundes kann sich schnell ändern. Übungen, die beim letzten Mal noch reibungslos geklappt haben, funktionieren dieses Mal vielleicht nicht so gut. Auch die Tagesform spielt eine Rolle. Deshalb sollte der Hund beim Sport aufmerksam beobachtet werden – und er sollte nur das machen, was er kann.
Wissen, wann es genug ist: Alte Hunde sollten wohldosiert Sport treiben. Wenn der Hund Anzeichen von Müdigkeit oder Erschöpfung zeigt, sollte das Training beendet werden – auch wenn er beim letzten Mal länger durchgehalten hat.
Cool Down: Ältere Hunde brauchen mehr Zeit, um vom Aktivitätsmodus wieder in den normalen Ruhezustand zu kommen. Ein Cool Down ist daher ebenfalls wichtig, bevor es auf den Heimweg geht.

Was tun, wenn sich der Hund doch verletzt hat:

Bandagen: Hunde-Bandagen sind Hilfsmittel, die bei Verletzungen zum Einsatz kommen können aber auch im Training die Gelenke stabilisieren und damit das Verletzungsrisiko senken.
Schmerzmittel: Sollte Ihr Hund sich beim Sport verletzt haben und Schmerzen haben, kann die Eingabe von Schmerzmitteln sinnvoll sein. Ihr Tierarzt wird Sie nach eingehender Untersuchung Ihres Hundes über die geeigneten Mittel beraten.
Biologische Arzneimittel: Biologische Arzneimittel können bei der Behandlung von akuten Verletzungen, wie Prellungen, Stauchungen oder Zerrungen an Muskeln und Gelenken oder auch bei chronischen Erkrankungen, wie der Arthrose, gute Dienste leisten. Ihr Tierarzt berät Sie dazu gerne.  

Die Lieblingssportart weiter betreiben?

Häufig gibt es eine Lieblingssportart, die Mensch und Hund gemeinsam betrieben haben. Wer über Jahre hinweg regelmäßig einen bestimmten Hundesport betreibt, für den ist das Training häufig ein liebgewonnenes Ritual geworden. Wenn der Vierbeiner immer noch Freude an dem Sport hat, spricht nichts dagegen, allerdings solltest Du den Schwierigkeitsgrad an die körperlichen Fähigkeiten des Hundes anpassen. Ein alter Agility-Hase darf beispielsweise einen leichten Parcours laufen, bei dem auf Sprünge oder die A-Wand verzichtet wird.

Doch es gibt auch eine hervorragende Alternative: Speziell für ältere Agility-Cracks ist Hoopers Agility entwickelt worden. Bei dieser Gerätesportart absolviert der Hund einen Parcours, der dem Agility-Parcours gleicht – die problematischen Geräte werden jedoch durch gelenkschonende Varianten ersetzt. So gibt es beispielsweise keine Sprünge, sondern die namensgebenden „Hoops“ – das sind verschieden platzierte Rundbögen, durch die der Hund läuft. 

Sportarten für alte Hunde

Es gibt eine Reihe weiterer Hundesportarten, die auch für alte Hunde geeignet sind:

Nasenarbeit: Die meisten Hunde lassen sich dafür begeistern, ihre Nase einzusetzen – und das können Hunde bis ins hohe Alter. Fährtenarbeit, Mantrailing oder Zielobjektsuche sind anspruchsvolle Sportarten, die auch für Hunde-Senioren hervorragend geeignet sind. Der Vierbeiner bekommt viel frische Luft, bewegt sich und wird auch geistig ausgelastet – ohne dass er dabei körperlich zu sehr belastet wird.

Obedience und Rally-Obedience: Bei diesen Sportarten geht es um eine feine Kommunikation zwischen Mensch und Hund. Der Vierbeiner wird vor allem geistig gefordert. Obedience können auch ältere Hunde problemlos betreiben, da es keine körperlich schwierigen Aufgaben zu bewältigen gibt. Jedoch sind die Sportarten motorisch recht anspruchsvoll, so gibt es beispielsweise viel Fußarbeit und Wechsel der Kommandos Sitz, Platz und Steh.

Degility und Mobility: Auch bei diesen Hundesportarten geht es um Geräte – diese werden jedoch bewusst langsam bewältigt. Degility und Mobility haben einen physiotherapeutischen Anspruch und sollen die Beweglichkeit und körperliche Fitness des Hundes fördern.

Longieren: Was im Pferdesport längst üblich ist, wird auch im Hundesport immer mehr zum Trend. Beim Longieren bewegt sich der Hund in einem Kreis um seinen Menschen herum – ohne Leine. Tempo und Richtungswechsel werden körpersprachlich kommuniziert. Das verfeinert die Verständigung mit dem Menschen. Auch Stangen und Cavaletti können in das Training eingebaut werden, so dass es körperlich anspruchsvoller – dabei aber nicht zu schwierig – wird.

Dummytraining: So lange der alte Hund beschwerdefrei läuft, kann er auch beschwerdefrei apportieren. Dummytraining ist eine hervorragende geistige und körperliche Auslastung, die viel Abwechslung bietet und die Zusammenarbeit von Mensch und Tier fördert.

Körperliche und geistige Auslastung im Alltag

 

Es braucht nicht unbedingt Hundesport, um ältere Hunde körperlich und geistig fit zu halten. Auch im Alltag gibt es viele Möglichkeiten, Senioren auszulasten und einzubeziehen:

• Regelmäßiges Schwimmen im See hält den Hund körperlich fit.
• Abwechslungsreiche Spaziergänge mit kleinen Suchaufgaben oder natürlichen Hindernissen wie dem Balancieren über Baumstämme oder dem Erklimmen von kleineren Hügeln machen Spaß und trainieren die Muskeln, Sehnen und Bänder.
• Bei der Futterbeutelarbeit darf der Hund sich Teile seiner Mahlzeiten selbst erarbeiten – durch Such- und Apportierspiele mit dem Futterbeutel.
• Ruhige Such- und Schnüffelspiele im Haus sorgen für Abwechslung.
• Beschäftigungsideen und selbstgebastelte Hunde-Spiele fördern die geistige Flexibilität und Motorik.
• Das Anwenden von bekannten und das Erlernen von neuen Hunde-Tricks fordern die grauen Zellen. Auch alte Hunde können beispielsweise Haushaltstricks lernen und die Hausschuhe bringen oder zerknülltes Papier in den Mülleimer tragen. So haben sie eine Aufgabe und fühlen sich gebraucht.
• Seniorengerechte Intelligenz- und Futterspielzeuge sind ideal für zwischendurch.

Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe an Übungen für mehr Beweglichkeit beim Hund, die auch für Senioren ideal sind und einfach zuhause durchgeführt werden können. Sie fördern gezielt die Stärke und Elastizität von Muskeln, Sehnen und Bändern und erhalten so die Bewegungsfreude und Fitness des alten Hundes.

Buchtipps

•„Der alternde Hund“ von Carl Gorman, Kynos Verlag
• „Graue Schnauzen“ von Dorothee Dahl, Cadamos Verlag
• „Alter Hund – na und?“ von Viviane Theby, DVD, Dogtale-Hundeschule
• „Physiotherapie und Bewegungstraining für Hunde“ von Sabine Mai, Sonntag 
• „Gymnastricks“ von Carmen Mayer, Kynos Verlag
• „Cavalettitraining für Hunde“ von Steffi Rumpf, Cadmos Verlag
• „Longiersport für Hunde“ von Melanie Heinrichsen, Ariane König und Nadine Minkner, Kosmos Verlag
• „Hoopers Agility“ von Tanja Bauer und Gabriele Lehari, Oertel + Spören
• „Nasenarbeit“ von Lothar Schilling, Müller Rüschlikon

Viele weitere interessante Informationen rund um die Hundegesundheit gibt es auch unter www.vetepedia.de.

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