26. Jun 2008
Entgegen vieler Vorurteile wurde der Bullterrier nie als reiner Kampfhund geschaffen. Ein Tierhändler namens James Hinks züchtete ihn im 19. Jahrhundert vielmehr als Begleithund. Die reinweißen Schönlinge sollten dabei als ideale Begleitung für den vornehmen Herrn dienen. Wer also in viktorianischer Zeit etwas auf sich hielt, der trug nicht nur Zylinder, sondern führte auch den heute zu Unrecht von vielen gefürchteten Terrier an der Leine. Das Geheimnis, aus welchen Rasse der Bullterrier „kreiert“ wurde, kann dabei zumindest teilweise als gelüftet bezeichnet werden: Hinks nahm neben der englischen Bulldogge des alten Typs auch den heute ausgestorbenen White Terrier zur Hand und kreuzte zusätzlich mit Dalmatiner-Hunden. Und in diese drei Richtungen können sich auch heute noch einzelne Tiere entwickeln, weshalb zwischen diesen Typen unterschieden wird. Hauptsächlich gefragt ist aber der „Allround-Typ“, der wie ursprünglich vorgesehen alle Vorfahren zum Vorschein bringt. Übrigens haben erst Kreuzungen mit dem Staffordshire Bullterrier zu den heute verbreiteten unterschiedlichen Färbungen geführt, von Natur aus wäre die Rasse noch immer weiß. Bei einem Hund mit Kämpferblut - die englische Bulldogge musste in Showkämpfen noch bis ins 19. Jahrhundert gegen Bären und andere Raubtiere antreten – bleibt es natürlich nicht aus, dass Menschen Gefahr vermuten. Der Rassestandard fordert allerdings ausdrücklich Menschenfreundlichkeit bei den für die Zucht verwandten Exemplaren. Auch haben Verwechslungen mit dem Pitbull, der stets im Zentrum der Kampfhundedebatte stand, zum leicht demolierten Image des Bullterriers beigetragen. Fakt ist, dass die Rasse heute auf vielen Kampfhundlisten zu finden ist, obwohl der Hund von Natur aus eher friedlich daher kommt.
Neuere Universitätsstudien besagen es: Der Bullterrier ist ein freundlicher Hund, der sich nicht der Mittel der Aggression bedient. Dafür benötigt er allerdings, wie die meisten anderen Hunderassen, eine konsequente und liebvolle Erziehung. Mit einem selbstbewussten Herrchen oder Frauchen an seiner Seite fällt ihm die Kontrolle natürlich noch viel leichter. Seine Kämpfernatur ist zwar nicht zu verneinen – so sollte man ihn beim Einsatz als Wachhund auch in keinem Fall zusätzlich scharf machen –, fängt man allerdings früh an, ihm jegliche Raufereien zu verbieten, so wird er auch anderen Hunden gegenüber nie zur Gefahr werden. Befolgt man dies nicht, kann es allerdings zu den bei wirklichen Kampfhunden auftretenden Ausfällen kommen: Sieht er rot und beißt zu, ist es äußerst schwer den Hund vom Gegenüber zu trennen. Wichtig ist also eine intakte und stressfreie Umgebung, dann kann man sich an seiner natürlichen Ausgeglichenheit und Ruhe erfreuen.
Freuen wird sich der Bullterrier schon über relativ einfache Kost. Er ist wenig anspruchsvoll, benötigt Fütterungen, die zur Hälfte aus Fleisch und zur anderen Hälfte aus Reis und Gemüse bestehen. Futterzusätze, z.B. Vitamine und Mineralien stehen dem Bullterrier natürlich auch gut zu Gesicht. Ansonsten braucht der Charakterkopf allerdings nicht viel: Ab und zu das Fell gebürstet, Augen und Ohren gereinigt – fertig! Wer es heiß mag wird mit diesem Hund übrigens keine Probleme bekommen: Er erträgt Temperaturen bis 35 Grad im Schatten.
Als ehemaliges Statussymbol wohlhabender Stadtmenschen ist er es natürlich gewohnt, im urbanen Raum zu flanieren, ohne gleich Hochleistungssport zu betreiben. Und auch wenn der Fighter mit der guten Seele natürlich ausreichend Auslauf benötigt, fühlt er sich in der heimischen Wohnung erstaunlich wohl. Geduldig wartet der Hund auf die Rückkehr des Menschen – dann will er aber auch losziehen. Und wozu schafft man sich wohl einen so beeindruckenden Hund an, wenn man ihn nicht auch der Öffentlichkeit präsentieren will? Verkehrslärm und Leine sind dabei übrigens überhaupt kein Problem. Und auch gelegentliche Autoausfahrten – am besten zu längeren Spaziergängen auf dem Land – machen ihm nichts aus.
Name Bullterrier
Herkunft Großbritannien
Patronat Großbritannien
Widerristhöhe Rüden und Hündinnen durchschnittlich 42 bis 48 cm; solange wohlproportioniert bestehen aber keine Einschränkungen
Gewicht Durchschnittlich 35-38 kg; gleichfalls keine Einschränkungen
Fellfarben Reinweiß, weiß mit schwarzen oder gestromten Markierungen am Kopf, gestromt, rötlich, schwarz, tricolor
Besondere Merkmale - kräftig und muskulös
- „downface“
- eiförmiger Kopf
FCI-Klassifikation - Gruppe 3: Terrier
- Sektion 3: Bullartige Terrier
Durchschnittliche Lebenserwartung 10 bis 12 Jahre