Hunde kennen Fairness - Von Forschern belegt

Eine Studie der Universität Wien

Haben Hunde Gefühle? Können Sie Recht von Unrecht unterscheiden? Was wir Hundehalter meist intuitiv bejahen, erforscht nun auch die Wissenschaft. Die Universität Wien kam jetzt zu verblüffenden Ergebnissen.

 

Haben Sie sich auch schon einmal dabei erwischt, den Ausdruck auf dem Gesicht Ihres Hundes „empört“, „gekränkt“ oder „beleidigt“ genannt zu haben? Hunde sind keine Menschen, doch allmählich erkennt auch die Wissenschaft an, dass sie zu differenzierteren Emotionen fähig sind.Die Universität in Wien leistet auf diesem Gebiet schon länger Pionierarbeit. Friederike Range, Kognitionsforscherin der Universität Wien, hat jetzt eine Studie durchgeführt, die zeigen sollte, ob Hunde einen Sinn für Gerechtigkeit besitzen.

(Universität Wien um 1900)

 

Hunde streiken bei ungerechter Behandlung

In dem Versuch wurden zwei Hunde, die sich im selben Raum befanden, aufgefordert, einen einfachen Trick zu zeigen. Für das Geben der Pfote wurden zunächst beide Hunde mit Futter belohnt, später jedoch nur noch einer der beiden Hunde.

Der andere Hund sollte weiterhin brav die Pfote geben, ging dabei aber komplett leer aus, während sein Partner weiterhin eine ordentliche Belohnung für denselben Trick kassierte. Die meisten von uns werden nun schon beim Lesen ein entrüstetes Gesicht ziehen – und tatsächlich, auch der benachteiligte Hund beschloss, zu streiken. Die Pfote blieb unten, er machte einfach nicht mehr mit. 

Dass er schlichtweg frustriert war, weil die Leckerlis plötzlich ausblieben, schlossen die Wissenschaftler in einem Kontrollversuch aus. Gab es nämlich für beide Hunde keine Belohnung, oder bekam ein Hund in Abwesenheit des anderen Hundes keine Belohnung, arbeiteten sie trotzdem weiterhin mit.  Lediglich in Anbetracht einer Situation, die wir als „ungerecht“ beschreiben würden – nämlich, dass ein anderer eine Belohnung für eine Leistung bekommt, die wir ebenfalls erbracht haben, wir aber leer ausgehen – stellte er die Kooperation komplett  ein.

Hundehalter und Hunde kooperieren ständig

Kooperation ist, wissenschaftlich betrachtet, die gemeinsame Zielsetzung zweier oder mehrer Individuen, bei der bei jedem Beteiligten eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufgestellt wird. Im Umgang mit unseren Hunden greifen wir ständig ganz automatisch darauf zurück: wir einigen uns mit unserem Hund auf das gemeinsame Ziel „gutes Behnehmen“ und entlohnen ihn dafür mit Aufmerksamkeit, Spiel oder Futter. Das ist für beide ein fairer Deal. 

Im Experiment der Uni Wien war der Deal „Gib mir die Pfote, dafür bekommst du eine Belohnung“.


Offensichtlich waren die Hunde in der Lage festzustellen, dass die unterschiedliche Belohnung derselben Leistung unfair ist. In einem gewissen Rahmen scheinen Hunde nicht nur Vergleiche ziehen zu können, sondern auch ein Gerechtigkeitsempfinden zu besitzen. Fühlen sie sich unfair behandelt, streiken sie.

Schaltet unser eigener Hund also demnächst mal wieder auf „Durchzug“, könnten wir uns fragen, ob er uns vielleicht einfach damit sagen möchte: „Hey, das war unfair!“ (je)

 

 

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