Trauer bei Hunden

Hunde trauern um Hunde 

Als die kleine Hündin in unsere Nachbarschaft kam, war mein Hund Robby schon ein gestandener Herr. Susi vergötterte den älteren Rüden und konnte sich vor Freude kaum halten, wenn sie und Frauchen Robby zum gemeinsamen Spaziergang abholten. Nach vielen Jahren kam der Tag, an dem Frauchen am Haus, in dem Robby wohnte, einfach vorbeigehen wollte. Doch Susi wollte ohne ihren Freund keinen Schritt tun und verharrte stur vor unserem Haus. Noch heute, fünf Jahre nach Robbys Tod, hält sie jedes Mal vor unseren Haus kurz inne und blickt zur Eingangstüre, bevor sie weiter geht.

 

Können Hunde trauern? Ja, das glauben zumindest mehr als 90% aller Hundehalter in Deutschland, wie eine Umfrage zeigte. Auch wenn Wissenschaftler immer noch wenig anzufangen wissen mit der Frage, ob Tiere Gefühle haben oder nicht, gibt es zahlreiche Beobachtungen an Haus- oder Wildtieren, die unmissverständlich zeigen, dass Tiere Trauer kennen.

 

Stirbt in der Savanne ein Elefant, bleiben seine Gefährten lange an diesem Ort, kehren häufig zu der Leiche zurück. Sogar später kehren sie häufig an Orte zurück, an dem ein einstiger Gefährte starb, um dort kurz zu verharren. Elefantenmütter tragen ihre toten Kinder oft noch tagelang mit sich herum. An Delfinen, die in Gefangenschaft leben, beobachtete man, dass sie nach dem Tod eines Gefährten lange Zeit jede Lust zu spielen verlieren und sogar aufhören, Nahrung aufzunehmen. Schimpansen, die die Taubstummensprache erlernen konnten, drückten ihre Trauer sogar in Worten aus.

 

Dass Hunde trauern können, ist ganz natürlich. Das soziale Gefüge gibt ihnen Sicherheit im Alltag und sie bauen enge Bindungen zu einzelnen Lebewesen auf. Wird ihnen ein solches Lebewesen genommen, empfinden sie den Verlust als große Verunsicherung. Ihr Körper schüttet, wie unser eigener, wenn wir trauern, Stresshormone in hoher Konzentration aus. Für Gefühle wie Trauer ist bei uns Menschen das limbische System im Gehirn zuständig – und über das verfügen auch Hunde.

Hunde-Trauer ist anders

 

Wie trauern Hunde? Das hängt nicht zuletzt von der Persönlichkeit des Hundes ab. Manche Hunde werden passiv, apathisch und appetitlos. Auch Unruhe, Unlust, die Suche nach dem verstorbenen Artgenossen und teilweise sogar psychosomatische Hundekrankheiten (Magen-Darm-Reizung, Hautreizung, Magengeschwüre) sind Auswirkungen von Hunde-Trauer.

 

Einen besonders beeindruckenden Fall von Trauer um Hunde bei Hunden dokumentierte der Verhaltensforscher Günther Bloch  im Oktober 2006.  In seinem Buch „Die Pizza-Hunde“ berichtet er vom Fall der Hündin Lily, deren einziger, fünf Wochen alter Welpe verendete. Lily verscharrte den Leichnam aufwändig in einer Erdmulde, bedeckte das Grab mit Laub und legte sich mit traurigem Gesicht daneben. Es war eine regelrechte Hunde-Bestattung. „Diesen Anblick werde ich so schnell nicht vergessen“, so Bloch zu seinen Beobachtungen.

 

Die Hündin suchte immer wieder das Grab des Welpen auf und verharrte dort lange Zeit. Einige Tage später versammelte sich am Grab sogar das gesamte Rudel, in dem die Hündin lebte, und stimmte ein anderthalb minütiges Geheul an, als wollen sie sich mit einem Trauer-Ritual für Hunde von dem toten Welpen verabschieden.

 

Hunde-Trauer: Fürsorge und Sicherheit sind wichtig

 

Lebt ein Zweithund in der Familie, kann der zurückgebliebene Vierbeiner den Verlust als sehr schmerzhaft empfinden. Viele empfehlen, den anderen Rudelmitgliedern die Leiche des verstorbenen Artgenossen zu zeigen, damit sie wissen, was geschehen ist. Oft sind die Hunde danach ruhiger und hören auf, den vermissten Gefährten zu suchen. Ob die eigene Stärke für ein solches Ritual ausreicht, muss natürlich jeder selbst wissen.

 

In der Zeit des Trauerns brauchen unsere Hunde Beistand. Besondere Fürsorge und eventuell homöopathische Mittel können auch einem Hund die Trauer erleichtern. Tier-Homöopathen beraten bei einem Trauerfall gerne. Bemitleidet Euren zurückgelassenen Hund nicht, aber beschäftigt Euch mit ihm, zeigt ihm, dass Ihr für ihn da seid.

 

Trauern Mensch und Hund gemeinsam um ein weiteres vierbeiniges Rudelmitglied, ist das aber auch eine Chance: Die Bindung wird stärker, weil man zusammen durch die schwere Zeit geht. Das gibt Sicherheit, und Sicherheit ist zur Bewältigung des Verlustes besonders wichtig. Zeigt Eurem Hund ruhig Eure Gefühle, doch versucht auch, mit ihm zusammen wieder die schönen Dinge im Hunde-Alltag zu erleben: Geht gemeinsam spazieren, unternehmt etwas miteinander. So können sich Mensch und Hund auch in der Trauer wieder neu kennenlernen. (hs/je)

 

 

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