Hundetod - Die Gesichter des Todes

Hunde sterben auf unterschiedliche Arten


In meinen jungen Jahren habe ich schon mindestens ein traumatisches Erlebnis hinter mir – und dieses Erlebnis werde ich nie vergessen: Der Unfalltod meines Hundes. Ich war gerade mal 10 Jahre alt, freute mich mit unserem Hund draußen zu spielen und zu toben. Doch unser Hund fand plötzlich den Hasen viel interessanter als mich. Ich weiß auch noch, dass ich viel geschrieen habe, als mein Hund über die Landstraße rannte - und dass ich mich freute, als er zwei Minuten später wieder auf der anderen Straßenseite stand, mich anschaute und wedelte. Diesen Blick werde ich nie vergessen. Er wollte zu mir, doch das Auto war schneller als er. Und so ist der Blick das letzte gewesen, was mir von ihm übrig blieb.

 

Der Tod hat viele Gesichter – jedes für sich ist schmerzhaft, jedes verlangt einen anderen Weg der Bewältigung von uns. Wir wollen Euch keine Ratschläge geben, wie man mit einer Todesart am Besten zurecht kommt. Das können wir auch nicht, denn jeder muss auf seine Weise in das Gesicht sehen, dass der Tod gewählt hat. Und doch fühlen wir alle letztlich dasselbe, wenn es soweit ist. Das ist kein Trost, aber es spendet ein wenig Kraft.

 

Hunde-Tod durch Unfall: Und plötzlich war er weg...

 

Eine der grausamsten Arten des Hundetodes ist wohl der plötzliche Tod. Ein Verkehrsunfall oder eine Vergiftung nimmt uns unseren Hund von einem Moment auf den anderen einfach weg. Ein tiefer und brutaler Einschnitt in unser Leben. Wohlmeinende Freunde versuchen zu trösten, indem sie gebetsmühlenartig wiederholen, dass der Hund ja bis zu seinem Tode ein glückliches und erfülltes Leben gehabt hätte, dass er ja nichts gespürt hätte bei dem Unfall und dieser Tod doch humaner sei als eine lange Hunde-Krankheit.

 

Wirklicher Trost ist diese Erkenntnis aber nicht. Die meisten plagen sich mit Selbstvorwürfen. „Hätte ich den Hund nicht an die Leine nehmen können?“ oder „Warum habe ich nicht gesehen, dass er den Giftköder gegessen hat?“. Diese Selbstvorwürfe können uns schier in den Wahnsinn treiben. Ein Strudel der Selbstqual beginnt. Und wir sind auf die Unterstützung von unseren nahe stehenden Menschen angewiesen, aus diesem Strudel wieder herauszukommen und letztlich zu akzeptieren, dass der Lauf der Dinge nicht umkehrbar ist.

Hund wird vermisst: Die Hoffnung stirbt zuletzt

 

Wenn der Hund einfach verschwindet, kann man noch nicht einmal richtig trauern. Jedenfalls nicht am Anfang. Hoffnung und Trauer um den Hund wechseln sich ab, ein Gefühlschaos beginnt und wieder kommen die Selbstvorwürfe: „Wie konnte ich ihn nur entwischen lassen? Und habe ich auch wirklich überall gesucht?“. Die Zeit des Bangen und Wartens beginnt. Mehrmals am Tag schaut man aus dem Fenster in der Hoffnung, der Hund steht wieder vor der Tür und freut sich daheim zu sein. Man bewacht das Telefon, für den Fall, dass TASSO anruft.

 

Mit der Zeit des Wartens geht auch irgendwann die Hoffnung verloren. Doch niemals erfährt man richtige Erlösung. Es sei denn, der Hund kommt wieder – oder wird tot aufgefunden. Erst dann setzt die Trauer ein. Manche Menschen helfen sich, indem sie Erfahrungen aufschreiben oder Initiativen gründen, die sich professionell um vermisste Haustiere kümmern. Damit gibt es Hilfe für Menschen in ähnlichen Situationen.

 

Natürlicher Tod: Irgendetwas fehlt

 

Einfach als Hunde-Senior ein zu schlafen – das wäre sicher die Todesart, die wir uns für unseren Hund wünschen würden, wenn wir ihn denn schon gehen lassen müssen. Vergönnt ist dies aber nur wenigen Hunden. Dass ein Hund auf ein langes und vor allem glückliches Leben zurückblicken konnte, ist meist kein großer Trost. Dennoch ist die Trauer weniger bitter, wenn ein Hund auf natürliche Weise und ohne Schmerzen stirbt. Niemand ist für diesen Tod verantwortlich, niemand muss sich Vorwürfe machen oder in Frage stellen. Ein solcher Tod ist leichter zu akzeptieren.

 

Schwieriger zu akzeptieren ist es oft, wenn der Hund alleine starb. Womöglich war man selbst nicht weit entfernt, nur gerade eben im Keller oder kurz einkaufen - doch als man den Hund auffand, war es bereits zu spät. Wer seinen Hund im Alter und bei Krankheit sorgsam gepflegt hat, sollte sich deshalb keine Vorhaltungen machen. Viele Hunde ziehen es vor, alleine zu sterben. Manche ziehen sich sogar bewusst zurück.

 

Hunde-Tod: Viele Hunde wollen ihm allein begegnen

 

Ist dieses Verhalten ein biologisches Erbe? Möchte unser Hund verhindern, sein Rudel mit seiner eigenen Verletzlichkeit zu gefährden? Hat er womöglich Angst, Konkurrenten könnten seinen schlechten Zustand ausnutzen? Oder möchte er einfach alleine sein, wenn das Ende naht, so wie viele Menschen es auch tun – um loslassen zu können?

 

Wir wissen es nicht. Akzeptiert die Gefühle Eures Hundes. Wenn ihr das Gefühl habt, er braucht euch, bleibt bei ihm. Wenn er gehen will, lasst ihn ziehen. Seid stolz auf ihn, dass er diesen Weg aus eigener Kraft geht, und gebt ihm dafür, was er braucht.

 

Hunde einschläfern: Der eingeleitete Tod

 

Doch es wäre naiv, anzunehmen, dass jeder natürliche Tod ein sanfter Tod ist.
Denn auch ein natürlicher Tod kann grausam sein, er kann langsam, qualvoll und würdelos sein. Einen solchen Leidensweg können wir unserem Hund ersparen. Es ist die Situation, vor der sich jeder Hundehalter am meisten fürchtet: Die unumkehrbare, letzte Entscheidung treffen zu müssen. Doch diese Entscheidung ist der letzte Dienst, den wir unseren Hund erweisen können, selbst wenn wir all unseren Mut dafür brauchen. Durch das Einschläfern sterben die meisten unserer Hunde.

 

Ganz gleich, welche Todesart – jede für sich ist schmerzhaft. Doch wir hoffen, Ihr könnt euch in diesen Trauerbeschreibungen wieder finden. Denn welches Gesicht der Tod auch immer zeigt – Ihr seid nicht alleine mit Eurer Trauer. (hs)