Orthopädische Erkrankungen

 

 

Teil 1: Die Hüftgelenksdysplasie

Eine Beitrag-Serie unserer Tierheil- und Tierphysioexpertin Tina Lintl

 

Die Hüftgelenksdysplasie - kurz: HD - ist ein der häufigsten Hüftprobleme beim Hund. Betroffen sind heutzutage Hunde aller Rassen, allerdings mit unterschiedlicher Häufigkeit. Besonders oft tritt das Leiden immer noch bei größeren Hunden auf - wie zum Beispiel bei Berner Sennenhunden, Schäferhunden und immer häufiger auch bei Retrievern. Trotz zuchthygienischer Bemühungen hat man bezüglich der Einschränkung der Krankheit bisher leider keinerlei nennenswerte Erfolge verzeichnen können. Mitunter ist auch ein kleiner Teil der Züchter daran Schuld, z.B. durch die so genannte schnelle Züchtung, vor allem bei „Moderassen“!

 

Viele Faktoren führen zur Erkrankung

 

Unter Hüftgelenksdysplasie versteht man ein Missverhältnis der Hüftgelenkspfanne zum Oberschenkelkopf. Die HD ist eine multifaktorielle Erkrankung, d.h. bei dieser Krankheit tragen genetische Veranlagung, Umweltfaktoren und im Laufe des Lebens erworbene Veränderungen im genetischen Material in unterschiedlicher Weise zum Entstehen und zum Verlauf des Leidens bei. Erst die Kombination der verschiedenen Faktoren führt dabei zu einer Erkrankung. Auch eine falsche Ernährung kann dabei ein verschlimmernder Faktor sein.

 

Die klinischen Symptome sind altersabhängig: Jüngere Tiere zeigen meist eine Unlust an der Bewegung, haben erhöhte Schwierigkeiten beim Aufstehen oder wollen plötzlich nicht mehr ins Auto springen. Die Muskulatur bildet sich bei ihnen nicht dem Alter entsprechend aus, was dazu führt, dass der Oberschenkelkopf in der Hüftgelenkspfanne nicht genügend Halt findet. Dadurch rutscht der Oberschenkelkopf pathologisch (krankhaft) hin und her und reizt damit die Knochenhaut und ihre Nervenfasern. Bei älteren Tieren entstehen auf gleiche Weise bzw. durch die Fehlbelastungen schwere Sekundärarthrosen. Auch diese Hunde zeigen eine mangelnde Bewegungslust.

 

Verschiedene Therapieansätze – Physiotherapie sehr geeignet

 

Die HD wird in fünf verschiedene Stufen eingeteilt, von 1 bis 5, oder von A bis E - je nach Schweregrad. Es gibt verschiedene Therapiealternativen, so z.B. die medikamentöse Therapie - wobei dabei nicht wirklich die Ursache beseitigt wird, und somit die Schmerzen auch nicht auf Dauer behoben werden können.

 

Eine der wohl am besten greifenden Therapien - solange der Schweregrad nicht an die 5 geht - ist die Physiotherapie! Gezielt wird hierbei die Muskulatur wieder aufgebaut und es wird auch der vordere Bereich des Hundes nicht außer Acht gelassen, da durch die Fehlbelastung starke Verspannungen und Verklebungen im Hals-Wirbelsäulen- und Schulterbereich entstehen können.

 

Zum Ende der Physiotherapie kann der Halter mit einigen Methoden gezielt darauf einwirken, dass die Muskulatur, die die beste Absicherung des Hundes darstellt, erhalten bleibt oder aufgebaut wird. Zu den Ansätzen zählt auch das Schwimmen – allerdings sollte man erst zum Ende der Therapie im feuchten Element trainieren.

 

Operativ wird der Muskelschnitt - oder auch Pektinektomie - durchgeführt. Auch die Goldimplantation hat schon sehr gute Erfolge bei Hunden jeden Alters und jeden Schweregrades erbracht. Sehr wichtig für die Genesung und Gesunderhaltung der vierbeinigen Freunde ist jedoch auch bei dieser Krankheit eine Fütterungsanalyse, bzw. ein gut ausgeklügeltes Gewichtsmanagement!

 

Hier geht es direkt zum zweiten Teil der Serie:

 

Teil 2: Problem Patellaluxation

 

 

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Rechts-Expertin Ann-Kathrin Fries, Tierschutz-Expertin Antje Heinrich 

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